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Samsung Galaxy S8 – Paradigmenwechsel in der Hosentasche

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 29.03.2017
Video: Stephanie Tresch
Ich mache es kurz: Samsung gewinnt. Dieses Jahr wird, es sei denn die Konkurrenz strengt sich arg an, dem südkoreanischen Hersteller gehören. Denn das Samsung Galaxy S8 ist nicht nur ein Smartphone, sondern auch eine Fernbedienung für ein Smarthome und ein voll funktionsfähiges Desktopbetriebssystem.

Ein altes, etwas heruntergekommenes Haus in London. Das Taxi mit mir, Videobloggerin Stephanie Tresch und anderen Schweizer Journalisten fährt daran vorbei, dreht aber gleich wieder um und setzt uns ab. Der Grund, warum wir unter der Woche nach London gereist sind: Das Samsung Galaxy S8. Der Hersteller des neuesten Smartphones hat uns in die englische Hauptstadt eingeladen, damit wir das Gerät ansehen und präsentieren können. Vor uns waren schon Medienvertreter aus allen europäischen Ländern da. Von aussen würde dem Gebäude keiner ansehen, dass darin noch streng geheime Technologie einfach so auf Tischen rumliegt.

Wir unterzeichnen alle Non-Disclosure Agreements. Das heisst, wir dürfen kein Wort über den Zweck unseres Besuches verlieren, bevor nicht eine Frist abgelaufen ist. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen und ich kann euch alles über das Galaxy S8 erzählen. Was es ist, was es kann, wie es sich anfühlt. Denn nach der Präsentation von Jean-Daniel Ayme, dessen Titel bei Samsung «Corporate Vice President, Mobile Division Europe at Samsung Electronics» lautet, hatten wir Zeit, das Phone, seine Features und alles ausgiebig zu testen.

Weg mit den Knöpfen

Das Samsung Galaxy S8 sieht offiziell recht randlos aus. Leaks haben uns schon Bilder und auch etwas Videomaterial gezeigt, aber aus Prinzip beachte ich die wenig und schreibe nichts darüber. Für mich zählt einzig, was offiziell bestätigt ist. Darum kann ich sagen. Das ist das Gerät, das ich in London in den Händen halte:

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Das Samsung Galaxy S8+ in Orchid Grey

Es wird in zwei Versionen ausgeliefert und einer Reihe von Farben. Besonderes Augenmerk will Samsung auf die Farbversion «Orchid Grey» legen. Der grauviolette Ton mit grünlichem Schimmer ist zwar Geschmackssache, aber sieht für ein Smartphone doch recht anders und ungewohnt aus.

Die kleinere Version, das Samsung Galaxy S8 hat eine Bilddiagonale von 5.8”, also 14.7cm, und etwas weniger Leistung im Akku. Es wiegt dafür mit 155 Gramm 18 Gramm weniger als die grössere Version des Phones.

Galaxy S8 (64GB, Midnight Black, 5.80", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Samsung Galaxy S8 (64GB, Midnight Black, 5.80", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Galaxy S8 (64GB, Orchid Grey, 5.80", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Samsung Galaxy S8 (64GB, Orchid Grey, 5.80", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Galaxy S8 (64GB, Arctic Silver, 5.80", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Samsung Galaxy S8 (64GB, Arctic Silver, 5.80", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Galaxy S8+ (64GB, Midnight Black, 6.20", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Samsung Galaxy S8+ (64GB, Midnight Black, 6.20", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Galaxy S8+ (64GB, Orchid Grey, 6.20", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Samsung Galaxy S8+ (64GB, Orchid Grey, 6.20", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Galaxy S8+ (64GB, Arctic Silver, 6.20", Single SIM, 12Mpx, 4G)
Samsung Galaxy S8+ (64GB, Arctic Silver, 6.20", Single SIM, 12Mpx, 4G)

Damit hat es sich aber schon mit den Unterschieden zum grossen Bruder, dem Samsung Galaxy S8+. Dessen Bilddiagonale liegt bei 6.2”, also 15.7cm, und der Akku leistet mit 3500mAh 500mAh mehr als die kleinere Version des Phones. Dennoch hat Samsung, genau wie LG und andere Hersteller, erkannt, dass sich Nutzer den einhändigen Betrieb der Smartphones zurückwünschen. Daher haben sie am Seitenverhältnis des Phones geschraubt. Neu liegt es bei 18.5:9, was mehr Bild auf weniger Breite bringt. Der Test in London zeigt: Stephanie Tresch, als einzige Frau unter den Medienvertretern aus der Schweiz, kann das S8+ gut einhändig bedienen. Einhändige Bedienung: Check.

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Beide Phones haben abgesehen von den Massen des Gehäuses grösstenteils identische Specs. Die Bildschirmauflösung liegt bei 2960x1440 Pixel hoch und da beide Phones keinen Rand an der Seite und nur einen kleinen Rand oben und unten haben, macht das zusätzlich Eindruck. Intern können 64GB Daten gespeichert werden und dank Speicherkarten-Slot kann der Speicher mit bis zu 256GB auf 320GB erweitert werden.

Auffällig an der Form ist, dass die Vorderseite des Galaxy S8 keine Knöpfe verbaut hat. Also der Home Button, den sich Nutzer von den sieben Vorgängerserien gewöhnt sind, ist nicht mehr sichtbar. Das heisst aber nicht, dass er nicht mehr existiert, denn Samsung hat unter dem Bildschirm eine Touch-Oberfläche verbaut, die nicht auf das angeschaltete Display angewiesen ist. Das bedeutet, dass per Druck auf das Display das Gerät eingeschaltet werden kann.

Der Fingerabdrucksensor ist auf die Rückseite neben die Kamera gerutscht, was mich im Vorfeld des Kurztests in England skeptisch gemacht hat. Verschmiere ich als erklärter Grobmotoriker nicht immer die Kamera, wenn ich mein Phone entsperren will? Möglicherweise, doch Samsung setzt nicht mehr auf den Fingerabdrucksensor. Als biometrische Erkennungsmerkmale sollen entweder das Gesicht oder die Iris – ein Auge oder zwei, das bleibt dem User überlassen – herhalten. Der Test zeigt: Das funktioniert recht gut. Ich nehme das Phone aus meiner Hosentasche und blicke auf den Bildschirm. Auch wenn die Empfehlung des Herstellers ist, die Registrierung der Iris ohne Kontaktlinsen vorzunehmen, geht das mit auch ganz gut. Auf eine gefühlte Distanz von etwa einem halben Meter, also das Handy in Lesedistanz vor dem Gesicht, erkennt mich das Galaxy S8 und der Bildschirm wird eingeschaltet.

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Kampfansage an PCs

Das Galaxy S8 ist ein voll funktionsfähiges Desktop-Betriebssystem. Denn wenn du das S8 in die Dex Station des Herstellers steckst, an die ein Bildschirm und eine Maus gekabelt ist, dann schaltet das Galaxy S8 – beide Versionen, nicht nur das S8+ – um. Ein Betriebssystem namens Dex – von Samsung DeX geschrieben, der Leserlichkeit halber hier aber Dex genannt – erscheint nach nur zwei Sekunden auf dem PC-Bildschirm. Es gleicht vom Look und Feel her Windows, soll also ein direkter Angriff auf Microsofts Betriebssystem sein. Denn wo Apple sich noch etwas mit einem Betriebssystem mit Ökosystemanwandlungen ziert, hat HP mit dem Elite x3 im vergangenen Jahr den Schritt gewagt. Der Grosserfolg blieb aus.

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Dex ist weder mühsam noch fühlt sich das Betriebssystem schwer an. Wenn ich einen Vergleich ziehen müsste, dann würde ich sagen, dass Android x86 oder Remix OS dem Betriebssystem Samsungs am nächsten kommen.

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Ferner soll das Samsung Galaxy S8 zum Kernstück des von Samsung bereits am Mobile World Congress in Barcelona angekündigten Samsung Ökosystems werden. Denn mit dem Gerät können Nutzer auf sämtliche Smart Home Appliances zugreifen, sei es ein Foto aus dem Innern des Kühlschranks um in der Migros zu sehen, was noch eingekauft werden muss, oder die Definition von Profilen wie «I’m Going», das alle Smart Lights ausschaltet und der Roboter-Staubsauger anweist, seine Arbeit zu tun.

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Dabei scheint der südkoreanische Hersteller neue Wege zu beschreiten. Meine bisher anhaltende Kritik Samsungs war, dass der Konzern zwar technologisch ausgereifte Produkte herstellt, diese aber nur mit Samsung-Geräten kompatibel sind. Andersrum war es bisher so, dass nicht-Samsung-Geräte nicht mit Software Samsungs verbunden werden konnte. Mit der App «Samsung Connect» werden alle Elemente eines Smart Homes, von Waschmaschine über Kühlschrank zu TV und Staubsauger, vereint. Jean-Daniel Ayme sagt: «Wo Smart Home Appliances sind, da ist auch Samsung Connect». Damit meint er, dass die Software mit sämtlichen offenen Schnittstellen von Smart Home Appliances mit der App verbunden werden können. Demonstriert hat er das mit Phillips Hue Smart Lights.

Der Sprachassistent Bixby

Nach «Hey Siri», «Okay Google» und «Alexa» soll «Bixby» bald ein Wort sein, das im Alltag öfter erwähnt wird. Bixby ist die künstliche Intelligenz, die Samsung im Galaxy S8 und im S8+ verbaut hat. Der Assistent ist nicht nur in der Lage, auf alle Apps im Telefon zuzugreifen, sondern versteht auch Kontext. Ein Beispiel: Bixby Vision ist die Schnittstelle von Bixby zur Kamera. Das heisst, dass Bixby durch die Kamera hindurch sieht und das aufgenommene so analysiert. Danach findet das Galaxy S8 das Produkt in einem der Partner wie Amazon oder spezialisierten Online-Händlern wie Weinhändlern und blendet die Angebote ein. Wie die Händler ausgewählt werden, kann Jean-Daniel Ayme noch nicht sagen, da Bixby erst im Aufbau ist. Vielleicht sind ja schon bald Digitec und Galaxus dabei. Wer weiss. Diese Funktion ist global verfügbar, sofern eine Internetverbindung besteht.

Hier kommt ein grosses Aber. Und zwar bei den Sprachkommandos. Bixby spricht im Moment nur Amerikanisches Englisch und Südkoreanisch. Andere Sprachen sollen schnellstmöglich hinzukommen. Schwizerdütsch aber wird wohl noch eine Weile aussen vor bleiben, wenn es denn jemals kommt. Denn unsere Mundart ist eine linguistisch furchtbar komplexe und variable Angelegenheit. Wir sind mit allerhöchstens – angenommen jeder Schweizer egal welchen Alters spricht Schweizerdeutsch – etwa sieben Millionen Kunden. Das ist wohl zu wenig, um sich mit jedem Dialekt herumzuschlagen und diesen Bixby beizubringen. Also, wie das züridüütsche «Bixby, wo cha I mit dä Goofe go göötsche?» oder «Bixby, suug mol die Hampfle Brösmeli uf» werden so schnell wohl nicht verstanden. Bixby Vision erfordert keine Spracheingabe, kann deshalb auch von Schweizern mit ihren Händen genutzt werden.

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Das Londoner Gebäude The Shard. Bixby kennt es und die nahe Umgebung

Bixby kann aber viel, wenn es dich nicht stört, US-Amerikanisch zu reden. Bixby versteht sogar Kontext und kann weiterdenken. Ein Foto vom Londoner Gebäude The Shard erkennt der Assistent innerhalb weniger Sekunden. Auf die Frage «What are some good restaurants close to there?» («Welche guten Restaurants gibt es da?») weiss Bixby eine Antwort, basierend auf Daten von offenen Schnittstellen grosser Anbieter wie TripAdvisor oder wohl auch Yelp. Rein von der Funktionsweise her ist interessant, dass Bixby «there», also «da» versteht. Weil die Frage «What are some good restaurants close to The Shard?» («Welche guten Restaurants gibt es in der Nähe von The Shard?») beinhaltet keine Komponente, die Denken erfordert. Der Assistent wüsste, was er zu suchen hätte, good restaurants, und wo diese sein sollen, The Shard. Aber «da» erfordert Verständnis und Kontext. Bixby kann das.

Auch Bilder kann Bixby so organisieren. Kurz mit Finger Bilder ausgewählt, «Put these images in an album named London» und fertig. Bixby merkt, dass da eine Auswahl ist, dass ein Album erstellt werden muss und dass es «London» heissen soll. Das geht auch andersrum. Mit dem Kommando «Show me images of London», geht der Assistent die Galerie durch, liest die von der Kamera hinterlegten Geotags aus, korreliert diese mit den Koordinaten Londons und zeigt Bilder an, die in London gemacht wurden. Um das zu testen, hat Samsung eine in London lebende Amerikanerin namens Victoria an den Demo-Event gebracht.

Damit nicht genug. Bixby soll stets dazu lernen und es sei sogar theoretisch möglich, dass Bixby mit der Zeit lernt, wer alles im Haushalt wohnt und auf alle Mitglieder des Haushalts und nicht nur den Besitzer des S8 hört. Und für einfachen Zugriff auf Bixby hat Samsung einen Knopf an der Seite des Geräts verbaut.

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Der Knopf unter dem Volumenregler ist der Bixby Button

Das Fazit

Samsung ist aggressiv und ambitioniert. Und der Konzern liefert. Das Galaxy S8 ist ein Phone, dass das Konzept «Smartphone» gehörig durchrüttelt. Dank neuer Technologie streckt es seine digitalen Arme nach allem aus, was Smart ist, vereinfacht die Bedienung für Nutzer und liegt auch noch gut in der Hand. Bixby ist intelligent und Dex ist zukunftsweisend. Persönlich kann ich sagen, dass das Galaxy S8 eines der beeindruckendsten Smartphones ist, das ich bisher gesehen habe. Nach drei Stunden Demo, dran rumdrücken und Video-Shooting steht fest: Ich werde das Gerät so schnell wie möglich im Alltag testen, denn am Ende ist das der Ort an dem Bixby und Co. bestehen müssen.

Gesamtmarktlich sieht das so aus: Wenn sich Apple, Google und Co. nicht gehörig anstrengen, dann gehört das Smartphone-Jahr Samsung.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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