15 Jahre iPhone: Eine Geschichte der Revolution – mit Campern, Hatern und einem Smartphone
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15 Jahre iPhone: Eine Geschichte der Revolution – mit Campern, Hatern und einem Smartphone

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 11.01.2022

Runder Geburtstag: Das iPhone ist 15 Jahre alt. Ein Blick auf Fans, Emotionen und die Vision eines Mannes und seine Kritiker.

«Es gibt keine Chance, dass das iPhone je signifikanten Marktanteil haben wird», sagt Microsofts CEO Steve Ballmer 2007 über das Gerät, das Apples damaliger CEO Steve Jobs kurz zuvor vorstellte. Ein grosser Irrtum.

Am 9. Januar 2007 betritt Steve Jobs die Bühne an der Macworld Conference & Expo und stellt ein Gerät vor, das iPod, Telefon und Internet-Kommunikator ist. Er nennt es «iPhone», ohne bestimmten Artikel. Bis heute würde dich ein Apple-Angestellter nicht fragen «Wie findest du das iPhone so?», sondern «Wie findest du iPhone?»

Das iPhone hat nicht nur in wenigen Jahren einen «signifikanten Marktanteil» erreicht, sondern die Welt der Smartphones und damit der mobilen Technologie revolutioniert.

Die Hardware: Der Schlüssel zur guten Software

Steve Jobs gibt sich überlegt. Es sei ein Tag, auf den er sich zweieinhalb Jahre lang gefreut habe. Der damals schon Krebskranke blickt nicht nur auf ein neues Gadget, das damals noch Gerücht war, sondern auch auf sein Lebenswerk. Auf den ersten Mac, auf den iPod und deren Effekte auf die Industrie.

«Wir nennen es iPhone», sagt Steve Jobs und sein nächster Halbsatz geht im Jubel des Publikums unter. Journalisten vergessen, ihre News zu tippen, und applaudieren. Sie lachen über die vermeintliche Designstudie auf der Leinwand, die einen iPod mit einem Wählscheibentelefon zeigt.

Doch Steve Jobs spricht etwas an, das ihn beschäftigt hat. Smartphones des Jahres 2007 – damals hat Blackberry diesen Markt dominiert – seien nicht gut. «Das Problem ist, dass sie nicht so smart sind. Und sie sind nicht einfach zu benutzen», sagt Jobs. Sein iPhone soll nicht nur smart sein, sondern auch so benutzerfreundlich wie kein anderes Phone auf dem Markt.

Das Erste, was die Öffentlichkeit vom iPhone sieht, ist das User Interface. Es sei «revolutionär» und «ein Zusammenspiel aus Hardware und Software». Da scheitere die Konkurrenz des Jahres 2007. «Die Tastatur ist immer da, egal ob du sie gerade brauchst oder nicht», sagt Steve Jobs. Und die Funktionsknöpfe seien statisch, auch wenn jede Applikation ein anderes User Interface verlangt. Und was, wenn in einem halben Jahr eine supergute Idee daherkommt, diese aber einen neuen Knopf verlangt?

Kurz: Knöpfe sind nicht mehr zeitgemäss. Sie müssen weg.

Damaliger Marktführer: Der Palm Treo 650
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Seine Lösung ist etwas, das er dem Computer entlehnt hat. Ein Bildschirm, der alles in beliebiger Form darstellen kann. Dazu ein «Zeigegerät» wie eine Maus. Dieses Konzept haben Jobs und seine Firma adaptiert. Aber auch ein Stylus anstelle einer Maus kommt für Steve Jobs nicht in Frage. «Wer will schon einen Stylus? Den musst du hervorholen, wieder versorgen und dann verlierst du ihn auch noch!»

Daher: Der Finger soll auf der Multi-Touch-Oberfläche des «gigantischen Bildschirmes» des iPhone – er misst 3.5 Zoll diagonal und hat eine Auflösung von 320x480 Pixel – alle Steuerung übernehmen.

Die Software: OS X, aber halt kleiner

Für die Software hat sich Apple beim grossen Bruder, dem Macintosh, bedient. Denn dort sei bereits all das verbaut, was ein gutes Smartphone brauche. Sicherheitsmechanismen, Netzwerkprotokolle, schicke Animationen und so weiter. Apples Desktop-Betriebssystem OS X ist der perfekte Kandidat für ein mobiles Betriebssystem auf einem 32-bit Prozessor aus dem Hause Samsung, der bewusst von 620 MHz auf 412 MHz underclocked wurde, damit der 1400 mAh starke Akku länger durchhält.

Das erste bisschen Software, das die Öffentlichkeit sieht, ist der Lockscreen. Er taucht genau 41 Minuten nach Beginn der Präsentation um 9 Uhr auf. Das ist Absicht. Apple plant die Keynotes so, dass die grosse Sensation «etwa 40 Minuten» nach Beginn angesprochen wird.

Auf allen iPhones wird immer die Uhrzeit 9:41 gezeigt.
Auf allen iPhones wird immer die Uhrzeit 9:41 gezeigt.

Steve Jobs zeigt als erstes, wie der iPod im iPhone integriert ist. Denn mit ihm hat Apple sich in den frühen 2000er-Jahren viele Freunde gemacht. Es ergibt also Sinn, dieses Gerät als Sprungbrett in die Welt der Smartphones zu nutzen.

Steve Jobs scrollt durch die Künstler seiner Song-Bibliothek. Er wischt von unten nach oben und statt «Alanis Morrissette» steht da auf einmal «Fall Out Boy». So etwas hat die Welt noch nicht gesehen. Einfach so. Mit dem Finger. Auf dem Screen.

Der erste Song erklingt: «With a little help from my friends» von den Beatles. Steve Jobs macht lauter, indem er den Lautstärkeregler von links nach rechts schiebt. Einen Lautstärkeknopf hat das erste iPhone noch nicht. Der kam erst beim iPhone 3 dazu.

«Ist das nicht cool», fragt Jobs.

Sehr.

Der iPhone-Kult

Ein Gerät, das so gut und so revolutionär ist, hat Fans. Selbstverständlich. Denn wie könnte das iPhone keine Fans haben?

Die Fans campen vor dem Apple Store. Bis zu einer Woche lang verharren sie vor dem Laden, nur, damit sie die ersten sind, die ein neues iPhone bekommen können. «Apple-Wahnsinn» nennen die Stuttgarter Nachrichten das Treiben anno 2014. Zwei Jahre zuvor war die FAZ eine Nacht lang bei den Apple-Jüngern dabei, als sie auf ihr neues Smartphone gewartet haben.

Das kommt ein Jahr nachdem die BBC sich auf eine Studie beruft, nach der Apple-Jünger tatsächlich Jünger seien. Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass Apple-Jünger religiöse Gefühle empfinden, wenn ihr «Gott» Steve Jobs zu ihnen spreche.

Das gefällt sowohl dem Konzern Apple wie auch den Gegnern. Denen, die nicht verstehen können, warum sich jemand Nacht und Kälte für das neueste Smartphone um die Ohren schlagen sollen. Der Konflikt dauert bis heute an.

  • Apple setzt auf Übertreibung und Pomp.
  • Die iPhone-User wollen sofort das neueste iPhone haben.
  • Die Gegner verstehen das Treiben nicht.

Doch die Revolution will und kann keiner abstreiten. Das iPhone ist verantwortlich für vieles, was wir heute als Standard ansehen. Pinch to Zoom, zum Beispiel.

Sogar die härtesten Kritiker müssen Zugeständnisse machen. Als Beispiel: Steve Ballmer wurde 2016 noch einmal nach seiner Meinung zum iPhone gefragt. Er habe das alles nicht so gemeint. Eigentlich meinte er, dass er auf die Idee mit der Subvention des Kaufpreises mit Abokosten hätte kommen sollen.

Microsoft unter Steve Ballmer hat drei Jahre nach dem iPhone mit dem Microsoft Kin ein Konkurrenz-Smartphone auf den Markt gebracht. Es hat 48 Tage auf dem Markt überlebt.

Heute strauchelt Microsoft mit der brillanten Idee des Surface Duo. Apple ist derweil die wertvollste Marke der Welt und hat mit dem Google Pixel 6 gerade einen revolutionären Konkurrenten erhalten. Denn die Erben der Revolution sind zwar später dran, aber wenn, dann muss auch Apple leer schlucken.

Die Fans und Hater schlagen sich immer noch virtuell die Köpfe ein, in den Kommentarspalten dieser Welt. Und als Journalist werde ich, je nach Artikel, ins eine oder andere Lager gesteckt. Denn genau wie die Entwicklung des iPhones ist der Konflikt der Hater und der Fanboys und -girls noch nicht abgeschlossen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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