6 Musikgeräte, die Ohr und Auge ansprechen
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6 Musikgeräte, die Ohr und Auge ansprechen

Pia Seidel
Pia Seidel
Zürich, am 16.06.2022
Bilder: Pia Seidel

Sechs skulpturale Audiogeräte, die neue Wege eröffnen könnten, Musik zu hören.

Eigentlich stehen an der Mailänder Designwoche ja Möbel im Zentrum. Doch dieses Mal wurde meine Aufmerksamkeit auch auf neuartige Musikplayer gelenkt – zum Teil noch Prototypen. Und das, weil sie einen weiteren Sinn angesprochen haben.

Die Lautsprecher «Sound Geometry New Era Speakers»

Der drehende Würfel bewegt sich zur Musik.
Der drehende Würfel bewegt sich zur Musik.

Wie klingt ein Würfel? Oder der Goldene Schnitt? Nun, wenn du willst, bald wie Billie Eilish oder Elton John. Jacopo Gonzato hat drei Lautsprecher mit unerwarteten geometrischen Formen entworfen, weil er wissen wollte, «was ist, wenn es Beziehungen zwischen der Verräumlichung von Klang, Proportionen und Geometrie gibt.» Klingt für mich so abstrakt, wie die Geräte aussehen. Sie könnten auch in einer Kunstgalerie stehen, wurden aber von Rossana Orlandi anlässlich der Mailänder Möbelmesse ausgestellt. Darunter ein 20-seitiger Würfel, der sich dreht und zu schweben scheint. Wie die Illusion entsteht, bleibt ein Geheimnis. Und wie er klingt für mich leider auch: Vor Ort, waren die Speaker gerade ausser Betrieb, als ich vorbeigekommen bin. Trotzdem frage ich nach, wie die Designs entstanden sind.

Im Prozess hat der gelernte Architekt untersucht, wie sich Soundtechnologie anders offenbaren kann. Und auch, wie sich Schall anders als aus der klassischen punktuellen und konischen Ausgabequellen ausbreitet. «Ich habe mir zum Ziel gesetzt, eine freie und intuitive, aber gleichzeitig methodische und wissenschaftliche Forschung zu betreiben, um neue Grenzen der Klangverbreitung zu entdecken», erklärt er. «Ich beabsichtige, meinen Lautsprechern den Wert eines Musikinstruments zu geben». Dem Architekten war wichtig, den Klang zu betrachten und ihm ein ästhetisches Aussehen zu verleihen. Und was würde sich da besser eignen als der Inbegriff optischer Ruhe: der Goldene Schnitt?

Hier treffen sich die Streben des Sterns im Goldenen Schnitt.
Hier treffen sich die Streben des Sterns im Goldenen Schnitt.
Ausstellung: Galerie Rossana Orlandi, Milan Designweek 2022.
Ausstellung: Galerie Rossana Orlandi, Milan Designweek 2022.

Die Audiogeräte «Sound Machines»

Wir hören unterschiedliche Musik, aber meistens auf die gleiche, gewöhnliche Art und Weise: Mit klobigen Lautsprechern oder kleinen Kopfhörern, die ständig drohen, aus den Ohren zu fliegen. ECAL-Studierende des Masterstudiengangs Produktdesign haben den Status Quo dokumentiert, hinterfragt und andere Wege gesucht, Musik zu hören. In Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen Yamaha sind dabei sogenannte «Sound Machines» entstanden, die ich an der Mailänder Designwoche im Spazio d'Orso gesehen habe und die du in diesem Video hören kannst. Umrahmt von dicken, gelben Samtvorhängen sind drei der Klangmaschinen, alles noch Prototypen, besonders mit ihrem Design herausgestochen.

«ASMR Instruments»: Für wohlige Schauer über den Rücken

Vielleicht ist die ASMR-Welle auf Youtube, bei der in Videos durch angenehme Bilder und sanfte Klänge ein entspanntes Gefühl in dir hervorgerufen werden soll, bisher an dir vorbeigeschwappt. Spätestens jetzt lohnt es sich aber, einen Blick darauf zuwerfen. Zumindest auf passende Instrumente: Ka Yin Cheung hat eine Reihe von Instrumenten für den Trend entwickelt, die auch im Museum stehen könnten.

Eyecandy und Kopfkribbeln in einem: «ASMR Instruments».
Eyecandy und Kopfkribbeln in einem: «ASMR Instruments».

Die Klangmaschinen bestehen aus Metallständern und hauchdünnem Drähten, die unter anderem zu einem Kreis oder einer Art Waage geformt wurden. Beide Designs schwingen sanft mit den Tönen mit und sollen dich wie ein Mobile beruhigen.

«Sound Frame»: Für nostalgische Momente

Lieder oder Objekte rufen Erinnerungen in uns vor. Was wäre, wenn sich eine Erinnerung an beides knüpfen liesse? Das dachte sich Jisan Chung und hat den «Sound Frame» entwickelt, der beides «einrahmt». Statt einer CD oder einer Schallplatte wählst du zum Beispiel einen Stein oder eine Muschel aus, um Musik abzuspielen. Die Klangmaschine aus Holz und Stoff läuft nur, wenn du ein Objekt darin platzierst.

Ein Bilderrahmen für Musik: «Sound Frame»
Ein Bilderrahmen für Musik: «Sound Frame»

Sobald du ein Objekt in den Sound Frame gelegt hast, erkennt es die KI-Kamera unter dem oberen Brett und spielt die Musik oder Wiedergabeliste ab, die du dem Objekt im Voraus über eine App zugewiesen hast. «Der Lautsprecher umrahmt die Objekte visuell, während die Musik sie emotional umgibt», sagt Jisan Chung, «die Kombination verstärkt das Gefühl der Nostalgie.» Und sie fördert, dass Hardware softer daherkommt als für gewöhnlich: Der Holzrahmen ist dekorativ und der Stoff des Lautsprechers farblich zurückhaltend.

«Vertical Player»: Für Vinyl-Liebe

Verkehrt und doch richtig. So sieht der «Vertical Player» von Jonas Villiger im ersten Moment aus. Der Schallplattenspieler kippt den Tonträger, sodass er vertikal steht. Gleichzeitig hebt er ihn auf ein Podest, das aus schlichten Metallprofilen und einem zylinderförmigen Steinsockel besteht. Die Designstudie bringt die klassische Kreisform des Vinyls richtig zur Geltung. Der Designer betont ihren zeitlosen Charakter einmal mehr. Denn der Schallplatten-Trend hält an: 2021 hat der Verkauf von Schallplatten den von CDs in den USA übertroffen. In der Schweiz machen CDs zwar immer noch den grösseren Umsatz, aber laut Branchenverband IFPI schwindet der Vorsprung schnell.

Ausstellung: Spazio d'Orso 16, Milan Designweek 2022.
Ausstellung: Spazio d'Orso 16, Milan Designweek 2022.

Wie alle der sechs Prototypen des Projekts wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob es der «Vertical Player» auf den Markt schafft. «Die COVID-19-Pandemie hat auch unsere Werte und unseren Lebensstil drastisch verändert, und die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge ändern, wird sich voraussichtlich noch weiter beschleunigen», teilt das Yamaha Design Laboratory mit. In diesem Sinne hoffe ich, dass auch die ECAL-Studierenden und das japanische Unternehmen den Produktentwicklungsprozess beschleunigen und wir schnell schöner hören können.

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Pia Seidel

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.
– Albert Einstein


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