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Michelle Brändle
Produkttest

Apple AirPods Max 2: Gut, aber – dafür habt ihr fünf Jahre gebraucht?

Fünf Jahre hat Apple gebraucht, um den AirPods Max einen Nachfolger zu spendieren. Das Resultat klingt fantastisch, bleibt aber mutlos – selbst für Apple.

Fünf Jahre. So lange hat sich Apple für den Nachfolger der AirPods Max Zeit gelassen. Wer unseren Podcast «Angefressen» hört, weiss, dass ich lange Zeit versucht habe, ihn heraufzubeschwören. Und dann trudelt die E-Mail ein. Fast zwei Wochen nach dem Hardware-Feuerwerk rund um das MacBook Neo. Keine Keynote, kein «One more thing». Auf Englisch sagt man: «treated like the redheaded stepchild», sinngemäss übersetzt «stiefmütterlich behandelt». Hat sich das Warten denn wenigstens gelohnt?

Die neuen Airpods Max….2?

Sieht irgendwie aus wie sein Vorgänger: der AirPods Max 2 von Apple.
Sieht irgendwie aus wie sein Vorgänger: der AirPods Max 2 von Apple.

Wenn du auf neue Materialien, faltbare Ohrmuscheln, 40 Stunden Akkulaufzeit oder irgendeine Art von «Wow-Effekt» gehofft hast, wirst du enttäuscht. Die AirPods Max 2 sehen auf den ersten Blick gleich aus wie das Vorgängermodell. Breite Alu-Ohrmuscheln, schmaler Metallbügel und das Meshnetz auf dem Kopf. Gleich aussehen ist aber was anderes als gleich sein: Apple hat an ein paar kleinen Stellen geschraubt und liefert am Ende ein Paket ab, das vor allem im Apple-Ökosystem gut funktioniert. Die Verbesserungen sind subtil, aber vorhanden.

Kunstlederlos: sommertaugliche Earpads

Schon die ersten AirPods Max gehörten zu den hochwertigeren Over-Ear-Kopfhörern auf dem Markt, und daran ändert sich nichts. Du kriegst wieder Aluminium-Ohrmuscheln, sauber verarbeitete Übergänge, Edelstahlbügel und das bekannte Mesh-Kopfband. Gleichzeitig bringen die AirPods Max 2 weiterhin ordentlich Gewicht auf die Waage – 386 Gramm. Wenn du mal eine mehrstündige Hörsession planst, wirst du das vermutlich spüren. Trotz des Gewichts sitzen die Kopfhörer angenehm auf dem Kopf. Das Netzgewebe im Bügel verteilt den Druck gut, und die Ohrpolster schmiegen sich weich an die Ohren an. Gerade bei längeren Sessions macht sich das positiv bemerkbar. Die Polster bleiben vergleichsweise atmungsaktiv und werden weniger unangenehm warm als manche Kunstleder-Konkurrenten von Sony oder Bose.

In der warmen Jahreszeit ganz angenehm: die Ohrpolster von Apple.
In der warmen Jahreszeit ganz angenehm: die Ohrpolster von Apple.

Zum Lieferumfang gehört das Smart Case. Auch hier bleibt Apple sich treu. Die Hülle schützt die Ohrmuscheln vor Kratzern und versetzt die Kopfhörer in den stromsparenden Modus, sobald du sie hinein legst. Praktisch ist das durchaus, weil sich die AirPods Max 2 dadurch nicht ständig unnötig entladen. Gleichzeitig bleibt das Case ein ziemlich eigenwilliges Konstrukt. Einen echten Rundumschutz bekommst du nicht, denn Bügel und Teile der Kopfhörer liegen weiterhin frei. Für den Transport im Rucksack wirkt das Ganze deshalb eher wie ein stylisches Zubehörteil. Auch falten lassen sich die Airpods nach wie vor nicht. Und auch auf eine IP-Zertifizierung verzichtet Apple. In welchem Masse die AirPods Max 2 also wasserfest sind, ist schwierig zu beurteilen.

Bedienung: Die «Krone der Schöpfung»

Apple verzichtet weiterhin auf Touchflächen und setzt stattdessen auf die Digital Crown sowie einen separaten Knopf für die Geräuschunterdrückung und die Translate-Funktion. Die Crown, also der Knopf, der aussieht wie die Krone an einer Armbanduhr, funktioniert präzise, reagiert zuverlässig und verhindert versehentliche Eingaben deutlich besser als typische Touchgesten – wenn du dir letztere aber gewohnt bist, braucht es Eingewöhnungszeit. Lautstärke anpassen, Songs skippen oder Siri aktivieren klappt intuitiv und ohne Gefummel. Allerdings musst du, wenn du neu auf den Airpods Max bist, die Knöpfe suchen, was etwas nervt. Trotzdem ist der Entscheid gegen Touchflächen sinnvoll, wenn man beobachtet, wie anfällig das gebürstete Alu auf Fingerabdrücke ist. Zudem kannst du in den Einstellungen festlegen, in welche Richtung die Crown für lauter oder leiser gedreht wird. Zusätzlich lassen sich die Knöpfe mittlerweile auch als Kameraauslöser für das iPhone verwenden, was im Alltag praktisch sein kann. Etwa, wenn du das iPhone irgendwo platzieren und dann aus der Ferne ein Gruppenbild machen möchtest. Allerdings hast du dann halt die Kopfhörer in der Hand oder trägst sie.

Gewöhnungsbedürftig, aber auch praktisch: die Krone.
Gewöhnungsbedürftig, aber auch praktisch: die Krone.

Die aktive Geräuschunterdrückung schaltest du über den zweiten Knopf ein und aus. Das geht schnell und unkompliziert. Neu dazu kommen einige Softwarefunktionen über den H2-Chip, die du vielleicht schon von den AirPods Pro 2 und 3 kennst: Adaptive Audiomodi verbesserte Sprachisolation bei Anrufen, personalisierte Lautstärkeanpassungen sowie Kopfgesten für Siri. Richtig nice ist die Übersetzungsfunktion und das dezente akustische Feedback, wenn du den Kopf schüttelst, um einen Anruf abzulehnen. Vieles davon kennt man bereits aus den neueren AirPods Pro. Kostenloser Tipp von mir: Auch wenn du die akustischen Benachrichtigungen am Anfang praktisch finden magst – du willst wirklich nicht für jede Teams- oder Whatsapp-Nachricht Siris Gequäke im Ohr haben, glaube mir. Wenn du das nämlich zunächst erlaubst, musst du es für jede App wieder einzeln verbieten.

Traditionell spielen Apple-Kopfhörer ihre grössten Stärken aus, wenn du sie mit anderen Apple-Geräten nutzt: Das Pairing läuft praktisch automatisch, der Wechsel zwischen iPhone, iPad und Mac funktioniert meist nahtlos und Funktionen wie Spatial Audio, Audio Sharing oder «Wo ist?» greifen direkt ineinander. Ausserhalb des Apple-Kosmos verlieren die AirPods Max 2 spürbar an Reiz. Automatischer Gerätewechsel, Multipoint, personalisierte Audiofunktionen oder einige intelligente Anpassungen stehen nicht zur Verfügung.

Schwach, aber zu erwarten: Apple verschmäht weiterhin sowohl aptX als auch LDAC. Wenn du über Bluetooth verbunden bist, musst du dich mit AAC oder SBC zufriedengeben. Auch dort konnte sich Apple nicht zu Bluetooth 5.4 oder gar Bluetooth 6 überwinden. Immerhin: Verbindest du die Airpods über das USB-Kabel mit deinem Gerät, gibt’s lossless Sound mit 48 kHz und 24 Bit.

Klang: Sorgfältiges Stellschrauben drehen

Die grösste Stärke der AirPods Max 2 bleibt der Klang. Apple hat die ohnehin schon starke Abstimmung des Vorgängers weiter verfeinert und liefert jetzt ein saubereres, präzises Klangbild. Dabei unterscheiden die Kopfhörer klar zwischen klassischem Stereo und Apples 3D-Audio beziehungsweise Spatial Audio. Stereo wirkt direkter und natürlicher, während Spatial Audio deutlich stärker auf Räumlichkeit setzt. Gerade bei Filmen oder speziell abgemischter Musik entsteht dadurch ein fast cineastischer Klang, auch wenn nicht jeder Song automatisch von dem Effekt profitiert.

Höhen: klar, sauber und angenehm luftig

Im Hochtonbereich klingen die AirPods Max 2 sehr detailliert. Becken, Stimmen und Nuancen von Instrumenten wirken klar herausgearbeitet, ohne unangenehm scharf zu werden. Gerade akustische Musik, Jazz oder hochwertige Pop-Produktionen profitieren davon enorm. Die Höhen wirken etwas offener als beim Vorgänger. Instrumente lösen sich besser voneinander, und der Klang bekommt mehr Luft. Das ist kein gigantischer Unterschied, aber wenn du beide Modelle direkt vergleichst, hörst du die feinere Zeichnung durchaus heraus. Apple übertreibt es dabei nicht mit künstlicher Schärfe. Die AirPods Max 2 bleiben angenehm entspannt abgestimmt. Du kannst stundenlang hören, ohne dass dir die Ohren ermüden.

Mitten: Stimmen stehen stark im Fokus

Die Mitten gehören klar zu den Stärken des AirPods Max 2. Stimmen wirken präsent, natürlich und sauber eingebettet. Podcasts, Filme und Gesangs-lastige Musik profitieren enorm davon. Einzelne Instrumente verschwimmen nicht miteinander, sondern bleiben klar getrennt. Die Klangbühne wirkt breit und angenehm räumlich. Besonders Spatial Audio macht hier Eindruck. Mit passenden Inhalten entsteht ein omnidirektionales Klangbild, das über normales Stereo hinausgeht. Natürlich hängt das stark vom Material ab – nicht jeder Atmos-Mix ist automatisch gut – aber grundsätzlich funktioniert es.

Bässe: druckvoll, aber kontrolliert

Apple verzichtet auf übertriebenen Partybass und setzt auf Kontrolle und Tiefe. Der Bass reicht tief hinunter und liefert ordentlich Druck, bleibt dabei aber sauber und differenziert. Subbass ist spürbar vorhanden, ohne alles andere zu überdecken. Gerade elektronische Musik oder Hip-Hop profitieren von der satten Tiefe. Gleichzeitig behalten die AirPods Max 2 genug Präzision, damit Kickdrums und Basslinien nicht matschig wirken. Im Vergleich zum Vorgänger klingt der Bass etwas definierter und dynamischer. Die Unterschiede sind allerdings eher Feintuning als komplette Neuabstimmung. Oder anders gesagt: Dafür hätte Apple vermutlich auch einfach ein Firmware-Update einspielen können.

Geräuschmodi: All hail dem Transparenzmodus

Ich höre alles um mich herum...
Ich höre alles um mich herum...

Schon die ersten AirPods Max waren gute ANC-Kopfhörer. Die zweite Generation legt noch einmal leicht nach. Tiefe Geräusche wie Autobrummen, Zugrauschen oder Klimaanlagen filtern die AirPods Max 2 extrem effektiv. Auch Büroumgebungen oder Cafés blenden sie beeindruckend aus – wenngleich Sony mit den XM6 Branchenleader bleibt. Und Apples ominöse Angabe, dass das ANC jetzt «1,5 Mal so gut» sei wie beim Vorgänger, ist schwierig zu messen. Wo Apple alle abhängt, ist der Transparenzmodus. Eigentlich mag ich den Transparenzmodus nicht. Nie, nirgendwo. Eigenrauschen, unnatürliche Betonungen, plötzliche Lautstärkeschwankungen. Anders bei Apple. Der Transparenzmodus wirkt natürlich und meine Umwelt wird praktisch latenz- und rauschfrei an mein Ohr getragen. So würde ich mich sogar trauen, mich aufs Fahrrad zu setzen. Mach ich trotzdem nicht. Auch zum Telefonieren ist das angenehm – abgesehen davon, dass die Tonübertragung stark ist, höre ich meine eigene Stimme. Das verhindert, dass ich zu laut rede.

Akku: Och, komm schon! Was soll das?

Die Hülle versetzt die Kopfhörer in einen Stromsparmodus. Aber sonst kann sie nicht viel.
Die Hülle versetzt die Kopfhörer in einen Stromsparmodus. Aber sonst kann sie nicht viel.

Und damit kommen wir zum grössten Kritikpunkt: die Akkulaufzeit. Apple gibt weiterhin rund 20 Stunden mit aktiviertem ANC an. Das war vor fünf Jahren okay. Heute wirkt es eher unterdurchschnittlich bis enttäuschend. Die Konkurrenz liefert fast durchs Band deutlich mehr Laufzeit. Besonders kurios: Apple hat es immer noch nicht geschafft, einen echten Ausschalter einzubauen. Die Kopfhörer wechseln stattdessen in einen Energiesparmodus, wenn du sie ins Smart Case legst. Wie beim Vorgänger gibt es immerhin eine Schnelladefunktion: Wenn du fünf Minuten lädst, kriegst du auf die Schnelle anderthalb Stunden Hörzeit.

Fazit

Starker Kopfhörer, dem es an kleinen Details mangelt

Die AirPods Max 2 sind ausgezeichnete Premium-Kopfhörer. Klang, Verarbeitung, Noise Cancelling, Transparenzmodus – und die Integration ins Apple-Universum gehören weiterhin zur Spitzenklasse. Das Problem liegt darin, wie klein die Fortschritte im Vergleich zum Vorgänger ausfallen. Nach fünf Jahren Entwicklungszeit hätte ich mehr erwartet. Mehr Akku, geringeres Gewicht, besseres Case und modernere Codec-Unterstützung wären echte Fortschritte gewesen. Stattdessen liefert Apple vor allem Feinschliff. Einen guten Feinschliff – aber eben keine Revolution. Wenn du bereits die ersten AirPods Max besitzt, musst du nicht upgraden. Wenn du neu in Apples Over-Ear-Welt einsteigst und tief im Apple-Ökosystem steckst, bekommst du hier trotzdem ein starkes Gesamtpaket. Wenn auch ziemlich teuer.

Pro

  • ausgewogener, gut abgemischter Sound
  • exzellenter Transparenzmodus
  • stark im Apple-Ökosystem

Contra

  • Akkulaufzeit enttäuschend
  • schwer
  • moderne Codec-Unterstützung fehlt
Apple AirPods Max 2 (ANC, 20 h, Kabellos)
Kopfhörer
EUR534,–

Apple AirPods Max 2

ANC, 20 h, Kabellos

Titelbild: Michelle Brändle

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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