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New Africa/Shutterstock
Hintergrund

Asbest in buntem Spielsand: Das hat es mit den aktuellen Rückrufen auf sich

Anna Sandner
8.4.2026

Asbest im Spielsand: Warum kinetischer Sand und Gummitiere europaweit zurückgerufen werden, wie groß die Gefahr wirklich ist und was du jetzt tun musst.

«Asbest im Kinderzimmer», eine Schlagzeile, die in den vergangenen Wochen viele Eltern aufgeschreckt hat. Im Zentrum der aktuellen Warnungen stehen ausgerechnet Produkte, die in unzähligen Haushalten zu finden sind: sogenannter kinetischer Sand und mit diesem Sand gefüllte Gummitiere. Dass in den Spielzeugen europaweit krebserregende Asbestfasern nachgewiesen wurden, hat zu sofortigen Produktrückrufen geführt. Doch wie gelangt der Gefahrstoff überhaupt ins Kinderspielzeug? Und wie bewerten Fachleute die tatsächliche Gesundheitsgefahr für Kinder, die bereits damit gespielt haben?

Bunter Spielsand: Was genau rieselt da eigentlich durch die Kinderhände?

Wer an Sand denkt, hat meist den klassischen Quarzsand vom Spielplatz im Kopf. Doch der bunte, formbare Indoor-Sand, oft auch «Magic Sand» oder «Zaubersand» genannt, ist anders beschaffen. Damit er seine teigige, fast flüssige Konsistenz erhält, besteht er in der Regel aus extrem feinem Gesteinsmehl, das mit einem speziellen Bindemittel überzogen wird. Für die Produktion wird häufig zerkleinerter Marmor oder Kalkstein verwendet. Und genau hier, tief im Gestein, nimmt das aktuelle Problem seinen Anfang.

Natürliche Kontamination: Woher das Gift im Sand stammt

Wenn du Asbest hörst, denkst du wahrscheinlich auch als erstes an Raufasertapeten, alte Dachplatten oder Dämmmaterialien aus den 1970er-Jahren. Asbest ist aber kein künstlich hergestelltes Gift, sondern ein natürlich vorkommendes, faseriges Silikat-Mineral.

Viele der aktuell betroffenen Sande stammen aus asiatischen, insbesondere chinesischen Abbaugebieten. Zwar kommen Marmor und Asbestminerale (wie Tremolit oder Chrysotil) weltweit oft in denselben Gesteinsschichten vor, doch während der Abbau solcher Gesteine in Europa strengen Kontrollen unterliegt, sind die Vorgaben in China deutlich lockerer. Wird der Marmor dort abgebaut und zu feinem Pulver vermahlen, können Asbestfasern unbemerkt in das Endprodukt gelangen. Erschwerend kommt hinzu, dass in China Asbest industriell weiterhin genutzt wird und Produkte teilweise erst ab einem Gehalt von fünf Prozent als asbesthaltig deklariert werden müssen.

Toxikologie: Wie gefährlich ist der belastete Sand wirklich?

Beim Spielen, Kneten und Aussieben des Sandes können sich mikroskopisch kleine Asbestfasern lösen und in die Atemwege gelangen. Fest steht: Asbest ist hochgradig krebserregend. Die Fasern können sich im Lungengewebe festsetzen und noch Jahrzehnte später schwere Erkrankungen wie Asbestose oder Tumore auslösen.

Wie hoch das Risiko durch den Spielsand im Einzelfall tatsächlich ist, lässt sich wissenschaftlich derzeit nicht seriös beziffern. Zwar stufte das belgische Forschungsinstitut Sciensano das Gesundheitsrisiko bei den von ihnen untersuchten Stichproben zunächst als «gesundheitlich vernachlässigbar» ein, doch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) widerspricht einer pauschalen Entwarnung: Laut BfR fehlen schlichtweg verlässliche Daten, um das Risiko abschliessend zu bewerten. Es ist noch unklar, wie stark die Asbestkonzentrationen zwischen den einzelnen Produktionschargen schwanken und wie viele Fasern beim Spielen effektiv in die Atemluft aufgewirbelt werden. Da es für Asbest jedoch keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt, ist Vorsicht das oberste Gebot.

Vorschriften im Vergleich: Rückrufe in der Schweiz und der EU

Asbest ist in der EU und in der Schweiz seit den 1990er-Jahren streng verboten. Einen «sicheren» Grenzwert gibt es demnach rechtlich nicht. Sobald auch nur eine Faser gefunden wird, gilt ein Produkt als asbesthaltiger Gefahrstoff.

Die deutsche Stiftung Warentest hat kürzlich 22 Produkte im Labor untersucht. In zehn davon wurde Asbest nachgewiesen. Betroffen sind unter anderem Artikel aus dem asiatischen Online-Handel, aber auch etablierte Händler müssen reagieren: So rief Smyths Toys Ausgrabungs-Sets wie «Dig it out Dinosaur Eggs» zurück, und der Hersteller Trendhaus warnte vor mit Sand gefüllten «Stretcher Toys» (Gummitiere, die sich ziehen lassen).

Während in Deutschland weite Teile des Marktes für formbaren Sand betroffen sind, ist die Lage in der Schweiz etwas übersichtlicher. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) warnte bisher vor allem vor fünf spezifischen «Stretcher Toys», die umgehend zurückgerufen wurden. Der Marktführer Spin Master hat zudem öffentlich klargestellt, dass der originale, unter dem Markennamen «Kinetic Sand» vertriebene Sand nach aktuellem Stand asbestfrei und nicht betroffen ist.

Auch wir bei Galaxus haben umgehend reagiert: Die betroffenen Produkte in unserem Sortiment wurden sofort aus dem Shop entfernt. Da Online-Bestellungen personalisiert sind, konnten wir die betroffene Kundschaft direkt per E-Mail informieren. Wir beobachten die Lage über offizielle Meldestellen wie Recall Suisse weiterhin genau und nehmen auffällige Artikel sofort aus dem Verkauf.

DIY statt Sondermüll: Sichere Alternativen einfach selber machen

Selbst wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, musst du auf das sensorische Spielerlebnis nicht verzichten. Formbarer Zaubersand lässt sich aus völlig unbedenklichen Haushaltszutaten ganz einfach selbst herstellen. Ein bewährtes Rezept besteht aus acht Tassen handelsüblichem Weizenmehl und einer Tasse Speiseöl. Die Mehl-Öl-Mischung musst du so lange kneten, bis die typische, leicht feuchte und formbare Konsistenz entsteht. Das ist nicht nur garantiert asbestfrei, sondern schont auch das Portemonnaie.

Richtig reagieren: Was du jetzt tun kannst

Solltest du bunten Spielsand unklarer Herkunft zu Hause haben oder eines der zurückgerufenen Produkte besitzen, gilt Folgendes:

Ruhig bleiben, aber konsequent handeln: Entsorge fragwürdigen Sand gemäß den Vorgaben und steige auf selbstgemachte oder nachweislich geprüfte Alternativen um.

Titelbild: New Africa/Shutterstock

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Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.


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