Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Luca Fontana
Kritik

«Avatar: The Last Airbender» Staffel 2 kürzt schmerzhaft viel – und überzeugt trotzdem

Luca Fontana
25.6.2026

Nein, «Avatar: The Last Airbender» ist nicht perfekt. Dafür rast die zweite Staffel manchmal zu schnell durch ihre Geschichte und kürzt manche Lieblingsmomente schmerzhaft zusammen. Aber sie macht auch erstaunlich viel richtig.

Keine Sorge: Die folgende Serienkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Avatar: The Last Airbender» Staffel 2 läuft ab dem 25. Juni auf Netflix.

Ich kenne diese Welt, seit ich Teenager war. Wasser, Erde, Feuer, Luft – vor langer Zeit lebten alle vier Nationen zusammen in Harmonie. Doch dann erklärte die Feuernation den Krieg, und alles änderte sich. Nur der Avatar, Herr der vier Elemente, hätte sie aufhalten können. Aber als die Welt ihn am meisten brauchte, verschwand er.

Ich könnte die Eröffnungssequenz der Zeichentrickserie im Schlaf aufsagen. Und das, ganz ehrlich, fühlt sich beim Gucken von Netflix’ Live-Action-Adaption wie ein Fluch an.

Der Fluch des Fans

Als ich anfang Jahr meine Kritik zu Netflix' «One Piece» schrieb, konnte ich mit einem seltenen Geschenk argumentieren: Ich kannte zwar Manga und Anime, hatte es aber nie gelesen oder geguckt und entsprechend keine Erwartungen im Kopf. Ich konnte einfach schauen. Geniessen. Mich in eine Welt fallen lassen, ohne ständig zu merken, was verschoben, gestrichen oder zusammengelegt wurde.

Bei «Avatar» geht das nicht. Ich bin ein Fan der ersten Stunde, habe mir vor Release der ersten Netflix-Staffel die komplette Zeichentrickserie nochmals reingezogen und dabei festgestellt, dass sie noch besser ist, als ich sie in Erinnerung hatte. Witziger. Emotionaler. Sogar tiefgründiger. Das ist die Messlatte, mit der ich seither durch jede Folge der Realserie laufe. Leider ...

«Ah, das haben sie verschoben. Das gestrichen. Und diese drei Story-Arcs haben sie zu einer zusammengefasst. Interessant. Nicht ideal. Aber interessant», führte ich ständig Buch im Kopf.

Ich meine, dass es im Zeichentrick Toph war, die diese «Felsrüstung» zuerst trug. Ich könnte aber auch falsch liegen.
Ich meine, dass es im Zeichentrick Toph war, die diese «Felsrüstung» zuerst trug. Ich könnte aber auch falsch liegen.
Quelle: Netflix

Das ist nicht die Schuld der Serie. Es ist mein Fluch als Fan des Originals, der nie ganz loslassen kann und der sich selbst im Weg steht, wenn er doch einfach geniessen möchte. Gelang es mir trotzdem mal, diesen inneren Gralshüter auszuschalten – und wenn auch nur für ein paar Minuten –, war das Eintauchen in diese Welt nach wie vor wunderschön.

«There is no war in Ba Sing Se»

«Erde ist das Element des Fundaments», sagt Onkel Iroh einmal, «und die Menschen des Erdkönigreichs sind genauso vielfältig und stark, wie sie beharrlich und ausdauernd sind.» Die zweite Staffel hat das verinnerlicht. Sie karikiert ihre Welt nicht, sondern erschafft eine, die sich anfühlt, als würde sie tatsächlich existieren – als wäre sie nicht aus einem Zeichentrick herausgekrochen, sondern schon immer da gewesen.

Bei Netflix’ «One Piece»-Adaption war das noch anders. Dort hatte ich öfter das Gefühl, vor bewusst künstlich wirkenden, fast schon liebevoll billigen Sets und Kostümen zu stehen, um die Cartoonhaftigkeit der Vorlage zu unterstreichen. Mit «Avatar» geht Netflix den entgegengesetzten Weg. Nirgends wird das deutlicher als in Ba Sing Se, der Hauptstadt des Erdkönigreichs.

«My Cabbages!» – dieser Running-Gag darf natürlich nicht fehlen. Und die Liebe zum Detail ist in jedem Frame zu sehen.
«My Cabbages!» – dieser Running-Gag darf natürlich nicht fehlen. Und die Liebe zum Detail ist in jedem Frame zu sehen.
Quelle: Netflix

Tatsächlich hat Netflix für sie ein gigantisches Set gebaut, schwer, begehbar und mit echtem Gewicht. Zu Recht, denn Ba Sing Se ist im Erdkönigreich die grösste, am stärksten befestigte Metropole, mehrfach ummauert und kaum einnehmbar. Ihre Bewohnerinnen und Bewohner haben vom jahrzehntelangen Krieg draussen vor den Toren kaum eine Ahnung. Sie wurden dazu gebracht, nicht hinzuschauen. Nicht zu fragen. Einfach weiterzuleben, als wäre nichts.

Diese kollektive Selbsttäuschung ist der eigentliche Kern von Ba Sing Se, wo nichts ist, wie es scheint – genau deshalb ist die Entscheidung, die Stadt so geerdet und real zu bauen, so klug. Eine Fantasiekulisse würde die Lüge verniedlichen. Ein Ort mit echtem Gewicht macht sie hingegen erst wirklich beunruhigend. Und ausgerechnet dort müssen Avatar Aang (Gordon Cormier), Katara (Kiawentiio) und Sokka (Ian Ousley) ihre Kräfte bündeln, um den schwer zugänglichen Erdkönig von einem Bündnis gegen den gefürchteten Feuerfürsten Ozai (Daniel Dae Kim) zu überzeugen.

Dann – fast unmerklich – beginnt genau diese Atmosphäre erzwungener Normalität, ihren Figuren den Spiegel vorzuhalten.

Zu viel Stoff, zu wenig Zeit

Das ist übrigens keine Netflix-exklusive Entscheidung – auch wenn die Adaption auch hier wieder ausmistet, entschlackt und versucht, die vielen Handlungsfäden ihrer Vorlage in nur sieben Folgen à 60 Minuten zu pressen. So werden Figuren, Ereignisse und ganze Schauplätze zusammengelegt oder gar ganz gestrichen. Ich sage nur: Adieu, Bohrmaschine vor den Mauern!

Das macht das Gucken für mich nicht ganz einfach. Gerade anfangs rast die Serie geradezu durch etliche geliebter Zeichentrick-Episoden: Bumis scheinbare Nicht-Wehrhaftigkeit in Omashu wird stark gekürzt, der Sumpf und die Visionen dort sogar ganz gestrichen. Die blinde Banditin Toph, die Bibliothek in der Wüste und der Serpent's Pass dampft Netflix gar auf kaum mehr als zwei Folgen ein, bevor «Team Avatar» bereits vor den Mauern Ba Sing Ses steht.

Beim Serpent’s Pass gibt’s eine kleine, aber im Hinblick auf Staffel 3 logische Änderung im Vergleich zum Zeichentrick.
Beim Serpent’s Pass gibt’s eine kleine, aber im Hinblick auf Staffel 3 logische Änderung im Vergleich zum Zeichentrick.
Quelle: Netflix

Doch kaum ist die Serie dort, wechselt sie die Gangart. Schon im Zeichentrick ist «Buch Erde» jene Staffel, die das Tempo zugunsten von Tiefe und Charakterentwicklung drosselt – und Ba Sing Se ist als Schauplatz dafür geradezu ideal.

Denn die Stadt ist in drei Ringe aufgeteilt: Im Oberring residiert die Oberschicht, im Mittelring die Händler und Handwerker und im Unterring jene, die durchs Raster fallen. Flüchtlinge. Arme. Vergessene. Eine Stadt, in der Ungleichheit unsichtbar gemacht wird, genau wie der Krieg. In einer solchen Umgebung können Aang und seine Freunde weder fliehen noch offen kämpfen oder sich im nächsten Abenteuer verlieren. Sie müssen bleiben. Und wer bleibt, muss sich irgendwann auch sich selbst stellen.

Das nutzt die Serie geschickt – und an keiner Figur wird das deutlicher als an Katara.

Flussgöttinnen und blinde Banditinnen

Hier passiert etwas Interessantes: Die Adaption verlegt einen Handlungsstrang aus der dritten Zeichentrick-Staffel in die zweite. Katara erfährt von der Legende der «Painted Lady», einer Schutzgottheit des Wassers, und schlüpft in Ba Sing Se selbst in diese Rolle. Verkleidet, natürlich, und nächtens, um jenen im Unterring zu helfen, die von der Stadt längst aufgegeben wurden.

Ich finde das eine der schönsten Entscheidungen der ganzen Staffel, weil sie Katara in Ba Sing Se einen eigenen, aktiven Handlungsstrang gibt statt sie wie im Zeichentrick nur zum mütterlichen, emotionalen Anker der Gruppe zu benutzen.

Schön, dass Katara bereits hier etwas aktiver agieren darf als noch im Zeichentrick.
Schön, dass Katara bereits hier etwas aktiver agieren darf als noch im Zeichentrick.
Quelle: Netflix

Ähnliches gilt für Toph, die blinde Erdbändigerin und Aangs neue Lehrmeisterin. Schon im Zeichentrick ist sie als Mischung aus Yoda und Han Solo ein Fanliebling.

Wie Yoda wird sie zunächst von allen unterschätzt. Aber was niemand weiss: Das vermeintlich kleine, zarte, blinde Mädchen schleicht sich nachts heimlich davon, um in Fight-Club-ähnlichen Untergrundkämpfen als «Blinde Banditin» die stärksten Gegner wie kleine Kieselsteine wegzuschleudern. Han Solo steckt dann in ihrer Persönlichkeit: vorlaut, ungeduldig, von keiner Altersweisheit gebremst und völlig unvorbereitet darauf, was es bedeutet, echte Freunde zu haben.

Für die Besetzung dieser Rolle hat die Serie mit Miya Cech übrigens eine echte Entdeckung gemacht. Sie sieht nicht nur täuschend ähnlich aus wie die Zeichentrick-Vorlage, inklusive Statur und leicht genervtem Gesichtsausdruck. Sie klingt sogar verblüffend ähnlich wie Tophs englische Originalstimme aus dem Zeichentrick.

Wie viel von meiner Wärme für diese Figur allerdings der Adaption gehört und wie viel dem Original, das ich so gut kenne, das kann ich ehrlich gesagt nicht sauber trennen. Denn Tophs erste Staffelhälfte aus dem Zeichentrick – jene vielen Folgen, in denen man Schicht für Schicht begreift, warum sie tickt wie sie tickt, warum sie aneckt und dass sie trotzdem einen weichen Kern hat – ist hier auf anderthalb Folgen komprimiert.

Toph ist einer meiner Lieblingscharaktere des Originals. Vielleicht mag ich sie deshalb auch in der Live-Action-Serie so sehr.
Toph ist einer meiner Lieblingscharaktere des Originals. Vielleicht mag ich sie deshalb auch in der Live-Action-Serie so sehr.
Quelle: Netflix

Die Serie versucht zwar, diese Lücke zu schliessen, indem sie einzelne Teile geopferter Handlungsstränge nach Ba Sing Se verlegt. Ob das für jene funktioniert, die die Vorlage nicht kennen, bin ich mir noch nicht sicher. Ich könnte mir vorstellen, dass Toph ohne diesen Zeichentrick-Hintergrund anfangs schlicht zu anstrengend wirkt. Wer diese Zeilen liest und die Zeichentrickserie nicht kannte – schreibt es mir gerne in die Kommentare.

Väter, Söhne und alte Wunden

Die grösste positive Überraschung der Staffel ist für mich aber Long Feng, gespielt von Chin Han. Im Original bleibt diese Figur weitgehend zweidimensional. Hier wird sie eingeführt als Kulturminister, warmherzig, einladend und von einer Präsenz, die fast väterlich wirkt – jemand, der einem das Gefühl gibt, wirklich gehört und verstanden zu werden. Genau das macht ihn so faszinierend: diese Mischung aus Charisma und Allwissenheit, ohne dass die Serie zu früh verrät, wohin diese Figur eigentlich steuert. Chin Han trägt diese Ambivalenz mit einer Leichtigkeit, die ich so nicht erwartet hatte.

Zuko hingegen bleibt – wie schon im Original – der spannendste Charakter der gesamten Serie, und Dallas Liu liefert hier seine bisher beste Leistung ab. Sein innerer Krieg ist die eigentliche Triebfeder: ein Mensch, der eigentlich zutiefst mitfühlend und empathisch ist, der aber ständig versucht, genau diese Eigenschaften wegzudrängen, um der stolze, ruchlose Eroberer zu werden, den sein Vater sich wünscht. Diese Zerrissenheit treibt jede seiner Szenen an.

Einmal mehr grossartig: Dallas Liu als Prinz Zuko.
Einmal mehr grossartig: Dallas Liu als Prinz Zuko.
Quelle: Netflix

Sein Onkel Iroh kehrt derweil an den Ort seiner grössten persönlichen Niederlage zurück, wobei «Niederlage» kaum das richtige Wort dafür ist. Wer Iroh nur als warmherzigen, teesüchtigen Philosophen kennt, vergisst leicht, wer er einmal war: ein gefürchteter General der Feuernation, der vor denselben Mauern stand, die jetzt hinter ihm liegen. Seine Belagerung Ba Sing Ses scheiterte damals, und sie kostete das Leben seines einzigen Sohnes. Dieser Verlust hat Iroh zu dem gemacht, der er heute ist. Und nun muss er durch eine Stadt gehen, die ihn bei jedem Schritt daran erinnert.

Ba Sing Se ist für ihn kein Schauplatz. Sie ist ein Grabstein.

Die Serie nutzt das deutlich mehr als der Zeichentrick. Sie konfrontiert den vermeintlich stets gutmütigen alten Mann mit seinen Gräueltaten aus Kriegszeiten, reisst alte Wunden auf und gibt Paul Sun-Hyung Lee damit die Spielfläche, die er verdient. Dass dabei die wohl bewegendste Szene der ganzen Zeichentrickserie dem Schnitt nicht zum Opfer gefallen ist – genial. Mit ihr allein hat die Adaption einen Freifahrtschein für manche andere Schwäche verdient.

Fazit

Wasser, Erde, Feuer, Luft – und vier Sterne

Das Element-Bändigen ist auch in dieser Staffel ein Augenschmaus – nein, mehr als das. Es ist gewachsen. Das erhöhte Budget macht sich in jeder Szene bemerkbar: Wasser, das sich wie ein lebendiges Wesen biegt und aufbäumt. Erde, die aus dem Boden bricht, als hätte sie schon immer darauf gewartet. Feuer, das nicht einfach leuchtet, sondern frisst. Wer sich noch an M. Night Shyamalans berüchtigten fliegenden Gartenstein von 2010 erinnert, weiss, wie weit dieser Franchise seither gereist ist.

Und doch bleibt der Fluch. Ich werde diese Serie nie so schauen können, wie ich es gerne würde – ohne den ständigen Vergleich im Kopf, ohne das Bewusstsein dafür, was die Vorlage besser, tiefer und lustiger gemacht hat. Das ist nicht die Schuld von Netflix. Es ist die Bürde eines Fans, der das Original zu gut kennt und zu sehr liebt.

Was ich trotzdem mit Überzeugung sagen kann: Wer die Zeichentrickserie nicht kennt, bekommt hier grosses, liebevolles Fantasy-Handwerk, das sichtbar mit Leidenschaft gemacht wurde. Und wer sie kennt … Nun ja. Der Fluch ist halt nicht totzukriegen.

Titelbild: Luca Fontana

2 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


Kritik

Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Kommentare

Avatar