Boot und Spiele: Die Ruderergometer 2.0
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Boot und Spiele: Die Ruderergometer 2.0

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 25.08.2021
Home Fitness kann an der Motivation nagen. Doch es drängen Anbieter auf den Markt, die mit bunter Unterhaltung locken: Durch Rudergeräte, bei denen du Coaching, Games und Gesellschaft gleich mit kaufst.

Swuuusch! Pause. Swuuusch! Pause. Training auf dem Ruderergometer kann meditativ sein. Oder langweilig. Je nach Sichtweise und Tagesform. Ich habe vor einem Jahr motiviert losgelegt und dann schnell gemerkt: Die Wand anstarren ist dauerhaft keine Option. Zum Glück findet sich online Unterhaltung und Inspiration. Sei es auf YouTube, Netflix oder durch die wachsende Zahl der Coaching-Angebote im Netz. Dass der Fitness-Trend des Jahres gekommen ist, um zu bleiben, liegt auf der Hand: Nicht jede und jeder wird in ein Studio zurückkehren, trainiert wird immer häufiger online. Unsere Gewohnheiten verändern sich und die Branche stellt sich darauf ein. Ob live oder zeitversetzt – dass sich ein Online-Workout lohnt, habe ich vergangenen Winter selbst festgestellt.

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Was zum Beispiel Zwift für Bike- und Lauf-Begeisterte bietet, wollen verschiedene Unternehmen auch in der Ruderwelt etablieren: Eine Community, die dich an- und mitzieht. Deshalb stellen sie nicht nur eigene Geräte her, sondern bieten begleitend auch Workouts, Wettkämpfe und Spiele an. Dafür verändern sie die Hardware an entscheidender Stelle: Weg mit dem kleinen Monitor, der dir schwarz auf grau deine Leistungsdaten anzeigt. Her mit einem grossen Tablet mitten im Blickfeld, das, kombiniert mit entsprechender Software und Content, dein Tor in die Trainingswelt ist.

Mehr Bildschirm, mehr Möglichkeiten: Am Ruderergometer tut sich was.
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Bild:Aviron

Zum ersten Mal habe ich so etwas vor zwei Jahren bei Augletics ausprobiert. Der «Virtual Coach» des deutschen Herstellers gibt dir nach jedem Ruderschlag Feedback und du kannst virtuell auf der Spree oder der Seine trainieren. Solche Dinge sind es, die das Training informativer und interessanter machen sollen. Diese Entwicklung geht inzwischen noch viel weiter. Vor allem in Nordamerika, wo unterdessen einige Unternehmen ihr Rudergerät eher als Schnittstelle zwischen sich und der Kundschaft begreifen.

Fitness-Zentrale am Rudergerät

Die Spezialisten bieten hochwertige Ergometer an, doch ein zentrales Produkt kommt erst auf dem Bildschirm zur Geltung: Angeleitete Live-Workouts wie bei Hydrow, wo du echte Coaches auf dem Wasser siehst oder alleine durch schöne Landschaften rudern kannst, bevor du dein Workout mit Yoga, Pilates, oder Krafttraining abrundest. Entsprechende Angebote findest du direkt auf deinem Screen, der als Fitness-Zentrale möglichst viele Bedürfnisse erfüllen soll.

Ähnlich läuft es beim Unternehmen CityRow, das gerade in Manhattan ein neues Studio bezieht, um sein Live-Angebot auszubauen.

Ich habe mir letzten Winter Trainingsangebote im Netz gesucht und während der Workouts auf den Fernseher oder mein notdürftig montiertes Tablet geschielt. Bei den Geräten für diesen neuen Markt kommt alles aus einer Hand. Anders als bei klassischen Modellen, die fürs Studio oder das Trockentraining von Ruderinnen und Ruderern designt sind, haben sie einen neuen Kundenkreis im Blick: Fitness-Fans, die nicht nur teure Modelle kaufen, die sie sich ins Wohnzimmer stellen, sondern auch Teil einer Community sein wollen. Sie suchen Anleitung, Motivation und Unterhaltung.

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Rennen um Marktanteile

Und das Geschäft läuft. Investoren, die an dieses Konzept glauben, scheint es genug zu geben: Im Rennen um Marktanteile und Kapital mischen einige Anbieter mit. Ergatta hat diesen April 30 Millionen Dollar gesammelt, CityRow freut sich über frische 12 Millionen Dollar und Aviron über 4,5 Millionen.

Was alle Wettbewerber eint, ist der Plan, viel Geld in Inhalte zu stecken, um als Online-Plattform attraktiv zu sein. Dafür werden kleine Spiele entwickelt und Fitness-Programme rund um die Geräte gestrickt, die kurz, intensiv und abwechslungsreich sein sollen. Aviron beispielsweise kombiniert bei seinem Rower Luft- und Magnetbremse, um den Widerstand beim Krafttraining gezielt anpassen zu können.

So kann ein Ruder-Rennen mit Freunden auch aussehen.
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Bild:Aviron

Bei diesem Anbieter findest du auch das vielleicht verspielteste Angebot. Mit Arcade-Games, knallbunt animierten Wettkämpfen gegen Freundinnen und Freunde, angeleiteten Workouts oder entspannten Fahrten durch Flusslandschaften. Relativ einig sind sich die Wettbewerber auch beim Preis, der für die Rudergeräte bei gut 2000 Dollar und für die Jahresmitgliedschaft bei 300-450 Dollar liegt. Noch ist es ein teurer Spass, Playstation und Fitnessstudio in einem Ergometer zu vereinen.

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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