
Hintergrund
Wann ist ein Foto echt?
von Samuel Buchmann
Das Google Pixel 10 Pro ist ein etwas besseres Pixel 9 Pro. Das klingt langweilig, führt aber zu einem runden Gesamtpaket mit vielen Stärken.
Suchst du ein leistungsstarkes Smartphone, das im Alltag zuverlässig ist und eine Top-Kamera hat, ohne die 1000-Franken-Marke zu sprengen? Dann hast du vielleicht hier den richtigen Kandidaten gefunden.
Das Pixel 10 Pro ist in zwei Grössen erhältlich: 6,3 Zoll und 6,7 Zoll. Die einzigen Unterschiede neben der Grösse liegen beim Akku. Der hat im grösseren Modell mehr Kapazität und nimmt mehr Watt auf. Das schaue ich mir im Kapitel zur Hardware genauer an. Ansonsten beziehe ich mich in diesem Test auf das reguläre Pixel 10 Pro.
Das Pixel 10 Pro sieht im Vergleich zum Vorgänger, dem Pixel 9 Pro, gleich aus. Eine matte Rückseite, ein glänzender Rahmen und der fast durchgehende Kamerabuckel auf der Rückseite machen einen edlen Gesamteindruck. Einzig die Farbauswahl ist neu: Neben Schwarz («Obsidian») gibt es ein schickes Blaugrau («Moonstone»), ein cremiges Weiss («Porcelain») und ein frisches, helles Grün («Jade»). Ich habe von Google Moonstone zum Testen erhalten und mag die schlichte Farbe, obwohl ich sonst knallige bevorzuge.
Mit einer Grösse von 15,3 × 7,2 × 0,9 Zentimetern ist das Pixel 10 Pro so gross wie sein Vorgänger. Dafür ist es mit 207 Gramm im Vergleich zu 199 Gramm etwas schwerer geworden, aber nicht merklich. Insgesamt ist es mir persönlich einen Tick zu breit.
Das 6,3-Zoll grosse OLED-Display hat eine adaptive Bildwiederholrate von 1-120 Hz und eine Auflösung von 1280 × 2856 Pixeln. Im Vergleich zum Pixel 9 Pro ist es etwas heller geworden und strahlt mir mit bis zu 3300 (statt 3000) Nits entgegen.
Google hat bei der Hardware zwei Teile angepasst: ein neues System on a Chip (SoC) und eine etwas grössere Batterie. Hinzu kommt die Qi2-Unterstützung.
Ein Highlight ist das neue «Pixelsnap»-System mit Qi2-Unterstützung. Es funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Apples MagSafe. Damit erhält das Smartphone als erstes Android-Gerät die Möglichkeit für drahtloses Laden mit Magnethalterung. In meinem Fall nutze ich die Magnete für flauschige Geldbörsen.
Die Unterschiede des Pixel 10 Pro gegenüber des Pixel 10 Pro XL im Detail.:
Google hat als Herzstück seinen aktuellsten eigenen Chip verbaut: den Google Tensor G5. Die grössten Verbesserungen daran sollen eine bessere Energieeffizienz und eine reduzierte Wärmeentwicklung sein. Das müsste sich positiv auf die Akkulaufzeit auswirken. Bereits beim Pixel 9 Pro war diese mit über 14 Stunden Videos gucken, Surfen und Bilder bearbeiten extrem gut. Im gleichen Szenario kommt das Pixel 10 Pro auf 17 bis 20 Stunden Laufzeit. Das ist beeindruckend.
Ansonsten ist der Chip zwar schneller als sein Vorgänger, jedoch nicht herausragend. Im Vergleich mit Samsungs Galaxy S25 mit Snapdragon 8 Elite liegt er weit zurück. Das bedeutet: Grafiklastige Spiele wie «Genshin Impact» laufen mit dem Tensor G5 nur bei mittleren Grafikeinstellungen flüssig. Ansonsten stelle ich im Alltag keine Einschränkungen fest und bin zufrieden.
Auch die Lautsprecher sind besser geworden. Beim Vorgängermodell fand ich den Klang schrecklich – er war viel zu blechern. Nun ist der Ton deutlich voller und wärmer geworden und hört sich für ein Smartphone natürlich an. So kann ich auch ohne Kopfhörer ein Video schauen.
Die Kameras haben kein Upgrade erhalten. Neu sind dafür einige Features, die mir das Fotografieren erleichtern sollen. Ich setze den Schwerpunkt deshalb auf diese, gebe dir aber dennoch ein paar Eindrücke von Haupt- und Selfiekamera.
Die Spezifikationen:
Den neuen Kamera-Coach schalte ich in der Kamera-App bei Bedarf ein. Dann analysiert er den Kameraausschnitt und macht mir Vorschläge für ein tolles Bild.
So läuft das ab:
Die Funktion finde ich beeindruckend, weil sie dank KI erkennt, was überhaupt alles zu sehen ist. Die Vorschläge bieten mir aber kaum Mehrwert. Denke ich hingegen an meine Eltern, die teilweise eher unbeholfen Landschaften und sich selbst fotografieren, stelle ich sie mir als perfekte Zielgruppe vor. So lernen sie mit dem Smartphone, worauf sie achten können, um ein Motiv gut in Szene zu setzen.
Wenn die Linsen beim Zoom physisch an ihre Grenzen kommen, eilt abermals die KI zu Hilfe. Das gibt es bei Samsung schon länger. Nun rückt Google mit einer Funktion nach, die Motive extrem nah heranholen soll. Das funktioniert, indem die Software auf Bilddaten aus einer Onlinedatenbank zurückgreift und mein Foto ergänzt, wo es unscharf ist. Das Ergebnis braucht ein paar Sekunden, bis es erstellt ist.
Bei Buchstaben greift mir die KI zu stark ein. Sie verändert die Form oder erfindet Buchstaben dazu. Auch bei eindeutigen Formen, wie einer Gitarre, hat der KI-Zoom Probleme: Die Saiten sind nicht gerade.
Google hat bereits letztes Jahr eine Funktion für bessere Gruppenfotos vorgestellt. Dabei musste ich mehrere Fotos der Gruppe machen und konnte mir anschliessend aussuchen, welche Gesichter auf welchen Bildern am besten waren. Anschliessend entstand so – zusammengesetzt – ein Gruppenbild, bei dem alle lachten und die Augen offen hatten.
Diese händische Nachbearbeitung kostet Zeit. Google ist deshalb nochmals über die Bücher und hat die Funktion vereinfacht. Neu erstellt mir das Pixel 10 automatisch ein sogenanntes «Top-Foto», sobald es mehrere ähnliche Bilder mit Personen erkennt. Zusätzlich bekomme ich beim Fotografieren anhand gelber Rahmen um die Gesichter angezeigt, welche Personen vorteilhaft in die Kamera gucken.
In der Praxis ist die Funktion wenig sinnvoll: Mache ich von einer Gruppe einige Fotos, analysiert die KI zwar alle Bilder und erstellt so das «Top-Foto», aber nur bei jedem zweiten Versuch. Manuell kann ich ihr die Aufgabe nicht erteilen und auch die Auswahl ist nicht immer gut. So bekomme ich ein Foto, bei dem eine Freundin die Augen geschlossen hat, während sie auf einem anderen eigentlich besser drauf gewesen wäre.
Google liefert das Pixel 10 Pro bereits mit dem neuesten Android 16 und eigener Benutzeroberfläche aus. Vorinstalliert ist natürlich alles von Google, dafür sonst kein Schnickschnack. Der Hersteller verspricht zudem sieben Jahre Updates für Software und Sicherheit. Das ist bereits seit mehreren Generationen der Fall und absolut vorbildlich.
Ansonsten hat Google mit einigen KI-Funktionen nachgelegt. Du kannst sie deaktivieren oder ignorieren, falls du sie lieber nicht nutzt. Die spannendsten zwei sind der Live-Translator und das Pixel Studio.
Habe ich eine Person am anderen Ende der Leitung, die nicht meine Sprache spricht, kann ich eine spezielle Übersetzung einschalten. Ausgangs- und Zielsprache muss ich dafür als Datenpaket vorab herunterladen. So behalte ich meine sensiblen Gespräche weiterhin auf dem Handy. Die Auswahl der Sprachen wird laut Google fortlaufend ergänzt.
Während des Telefonats kann ich den Dolmetscher aktivieren. Sofort werden die Gesprächsteilnehmenden vorgewarnt, dass nun alles übersetzt wird. Anschliessend spreche ich frei drauflos und die Dolmetscherfunktion setzt leicht versetzt ein. Was mir daran besonders gefällt, ist, dass die Übersetzungsstimme das jeweilige Original imitiert, inklusive der Intonation. So kann ich ein relativ flüssiges Telefonat führen, ohne die andere Sprache zu kennen. Damit das gut klappt, sollten die Gesprächsteilnehmenden nicht zu schnell und möglichst deutlich reden. Das könnten sich am Telefon sowieso alle angewöhnen.
Das Pixel Studio ist Googles Bildgenerator fürs Smartphone. Hier kann ich für Einladungskarten, Präsentationen und so weiter Bilder generieren lassen. Zudem lassen sich Sticker erstellen oder eigene Fotos mit KI-Werkzeugen bearbeiten. Neu ist, dass ich per Beschreibung auch Szenen mit Menschen erschaffen kann.
Die Funktion sei noch in der Entwicklungsphase, warnt das Smartphone mich mit einem Pop-Up-Fenster vor. Davon merke ich wenig. Bereits mein erster Prompt «Ein Mädchen im rosa Kleid, das auf einer Wiese Seil springt» liefert erschreckend schicke Ergebnisse. Beim Heranzoomen erkenne ich aber die typischen KI-Fehler, wie verschwommene Pupillen und dergleichen.
Ich bin skeptisch, ob Google die Urheberrechte von Kunstschaffenden respektiert. Gerade bei der Anime-Version sehe ich starke Ghibli-Einflüsse, die womöglich aus den verwendeten Daten entstanden sind. Und sehe ich bei der Kinderbuch-Version den Stil von Struwwelpeter? Die Skizze wirkt immerhin neutral. Als Inspiration und Vorlage für eigene Kunstwerke finde ich das insgesamt vertretbar.
Das Google Pixel 10 Pro ist kein Überflieger-Smartphone, überzeugt aber durch ein rundes Gesamtpaket. Es ist eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängermodells und bietet im Alltag eine starke Performance. Der Preis ist dafür im Vergleich zum Vorgänger um 100 Franken/ Euro gestiegen. Das macht das Gerät langsam aber sicher zu teuer, um es als günstige Alternative zu Samsung und Apple anzupreisen.
Mit sieben Jahren an Software- und Sicherheitsupdates lässt es sich dafür sehr lange verwenden. Wenn der Preis wie üblich in den nächsten ein bis zwei Monaten sinkt, kann ich es erst recht empfehlen. Spätestens dann dürfen alle zugreifen, die ein zuverlässiges Gerät für lange Tage und schicke Fotos suchen. KI-Gedöns ist zwar vorhanden, lässt sich aber deaktivieren.
Pro
Contra
Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.