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Diese Dinge merke ich mir von der Zürcher Möbelmesse «Neue Räume»

Pia Seidel
Pia Seidel
21.09.2022
Bilder: Pia Seidel

Pflanzenboxen als Raumtrenner, bunte Stühle und stapelbare Designs: Meine Highlights an der Interior-Ausstellung «Neue Räume».

«Neue Räume» ist zurück. Die internationale Möbelmesse hat nach einer Corona-Pause wieder Designinteressierte in Zürich-Oerlikon begrüsst und auch mich mit allerlei begeistert. Unter anderem damit, dass es sich lohnt, verschiedenfarbige Stühle an ein und denselben Esstisch zu stellen. Oder damit, dass üppige Pflanzen mehr können, als nur herumzustehen.

1. Schwebendes

Noch stehen die meisten Pflanzen in unseren Räumen herum. Sie könnten aber auch schon bald über uns schweben. Cosmos Design hat ein hängendes Pflanzengefäss «Merkur» entwickelt, um Monstera und Co. in die Luft zu bringen. Das biophile Designstudio denkt damit eine Nummer grösser als ich es von Pendularis kenne. Statt einige Kleinpflanzen vors Fenster oder an die Wand hängst du dir mit «Merkur» jede noch so grosse Zimmerpflanze in den Raum. Weil das biophile Designstudio daran glaubt, dass Innenräume und die Natur künftig miteinander verschmelzen, möchte es mehr Möglichkeiten bieten, Pflanzen individueller als mit Standard-Terrakottatöpfen zu inszenieren. Das Gefäss mit einem Durchmesser von bis zu 35 Zentimetern enthält einen wasserdichten Pflanzeneinsatz, der die Begrünung vereinfachen soll. Es wird mit einem filigranen Stahldrahtseil an der Decke befestigt und von einer Hülle aus Wollfilz oder auf Wunsch auch mit anderen Stoffen umhüllt. An der Messe war «Merkur» beispielsweise auch erstmals mit einem zweifarbigen Kvadrat-Baumwollstoff zu sehen. Alle weiteren Bestandteile des Pflanzensystems werden in der Schweiz hergestellt.

«Merkur» ist modular aufgebaut und wird von einer Leichtbaukonstruktion gehalten.
«Merkur» ist modular aufgebaut und wird von einer Leichtbaukonstruktion gehalten.
Foto: Pia Seidel
Das Gefäss wird mit einem natürlichen Wollfilz umrandet.
Das Gefäss wird mit einem natürlichen Wollfilz umrandet.
Foto: Pia Seidel

2. Gliederndes

Die Möbel von Nuok kommen zwar in Tarnfarbe daher, gehen durch das ausgefallene Design aber trotzdem nicht unter. Das Olivgrün verdeckt nur, woraus sie eigentlich bestehen: aus MDF-Holz, das auf Wunsch mit grafischen Linien verschönert wird. Alle Nuok-Designs entstehen in Nänikon. Darunter auch die Plant Box «Nevi», die einzeln inszeniert oder als Gruppe mit hohen Pflanzen sogar zum Raumtrenner werden kann. Sie ist in verschiedenen Grössen und Farbvarianten erhältlich und steht auf Metallbeinen, die das kleine Interior-Label bei einem Metallbauer aus der gleichen Region verschweissen lässt.

«Nevi» eignet sich für Pflanzen, Bücher, Hefte und anderen Kleinkram.
«Nevi» eignet sich für Pflanzen, Bücher, Hefte und anderen Kleinkram.
Foto: Pia Seidel
Die Box besteht aus MDF-Platten und steht auf einem Metallgestell.
Die Box besteht aus MDF-Platten und steht auf einem Metallgestell.
Foto: Pia Seidel

3. Radikales

Extreme Wechsel in der Formsprache eines Labels finden selten statt. Noch seltener sind sie in der Gestaltung ein- und desselben Stücks. Der «radikale Sihl Stuhl» von Studio Krach ist die Ausnahme. Seine runde Sitzfläche kontrastiert hart mit der eckigen Rückenlehne. Er wird aus massiver Esche in einer Zürcher Schreinereihandgefertigt. Anlässlich der Messe hat der Kreuzzargenstuhl ausserdem einen handgewebten Polsterbezug von der Textildesignerin Vera Lynn erhalten, die ebenfalls in Zürich ansässig ist. Neben dem radikalen Design und der durchgängig lokalen Produktion fällt auch auf, wie sicher das Studio unterschiedlichste Farben miteinander kombiniert. Die meisten Leute stellen einen Stuhl viermal in derselben Farbe an den Esstisch. Doch Studio Krach bringt gerne mal, wie in diesem Beispiel, vier kontrastreiche Farben zusammen. Mit Erfolg: Dank der zurückhaltenden Form harmonieren selbst Schaumrosa, Ubootgelb, Tiefblau und Bachgrün miteinander.

Die Rückenlehne vom «Sihl Stuhl» hat mit 17 Grad einen Neigungswinkel, der bequemes Sitzen ermöglichen soll.
Die Rückenlehne vom «Sihl Stuhl» hat mit 17 Grad einen Neigungswinkel, der bequemes Sitzen ermöglichen soll.
Foto: Pia Seidel
Auch seine Sitzfläche hat ein leichtes Gefälle nach hinten für mehr Komfort.
Auch seine Sitzfläche hat ein leichtes Gefälle nach hinten für mehr Komfort.
Foto: Pia Seidel

4. Natürliches

Marmor ist ein Klassiker. Trotzdem scheinen sich manche kreative Köpfe langsam daran sattgesehen zu haben. Immer häufiger setzen sie auf eine Alternative, die über die Jahre in Vergessenheit geraten ist: Travertin. Der leicht zu bearbeitende Kalkstein ist wandelbar und frostsicher. Wenn er draussen steht, entwickelt er eine einzigartige Patina. Der Schweizer Möbelhersteller Walter hat aus dem Material zum Beispiel einen Couchtisch angefertigt. «Tivoli» steht auf pulverbeschichteten Metallbeinen, die die massive Tischplatte aus Travertin luftig leicht wirken lassen. Der Naturwerkstein kann auch poliert oder gefärbt werden. Letzteres hat Christian Haas erstmals für die Lowboard-Serie «Matéria» der Münchner Marke Classicon mit der Farbe Indigo gemacht. So kommen die Poren auf der Oberfläche besser zur Geltung und werden zur Dekoration.

Obwohl die Travertinplatte von «Tivoli» kein Leichtgewicht ist, scheint sie je nach Perspektive beinahe zu schweben.
Obwohl die Travertinplatte von «Tivoli» kein Leichtgewicht ist, scheint sie je nach Perspektive beinahe zu schweben.
Foto: Pia Seidel
Die Vertiefungen im Tisch «Matéria» werden durch ein Indigoblau betont.
Die Vertiefungen im Tisch «Matéria» werden durch ein Indigoblau betont.
Foto: Pia Seidel

5. Stapelbares

Einen Hocker auf einen anderen zu stapeln, ist nichts Neues. Einen Hocker platzsparend auf einer Sitzbank unterzubringen aber schon. Die dänische Marke Form and Refine hat die Möbelreihe «Lightweight» mit so geringem Gewicht gestaltet, dass das Stapeln ein Leichtes ist. Das ist bei beengten Wohnverhältnissen oder beim Staubsaugen ein Vorteil. Ausserdem stellen die sich überlappenden Holzleisten ein optisches Highlight dar.

Die Hocker, Couchtische und Sitzbänke aus der Reihe «Lightweight» sind besonders leicht.
Die Hocker, Couchtische und Sitzbänke aus der Reihe «Lightweight» sind besonders leicht.
Foto: Pia Seidel
Ihre kompakte Form lässt Raum für andere Dinge.
Ihre kompakte Form lässt Raum für andere Dinge.
Foto: Pia Seidel

An allen Arbeiten dieser Designlabels hat mich einerseits der Mut, in Sachen Inneneinrichtung etwas Neues auszuprobieren, überrascht. Andererseits, dass der Grossteil lokal und alles von Hand produziert wird. Das zeugt davon, dass Design in ihren Augen Qualität in der Form und Handhabung sowie eine Haltung ist, die sich nicht auslagern lässt.

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Pia Seidel

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.
– Albert Einstein


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