
Kritik
«Dispatch»: ein leises, aber wirkungsvolles Superhelden-Adventure
von Kim Muntinga

Zum heutigen Verkaufsstart der Switch-Versionen von «Dispatch» herrscht Frust. Nintendo überdeckt explizite Szenen konsequent mit schwarzen Balken und lässt Spielern keine Wahl, die Zensur zu deaktivieren.
Wer sich auf das preisgekrönte Superhelden-Abenteuer «Dispatch» für die Nintendo Switch oder das neue Nachfolgemodell gefreut hat, erlebt zum heutigen Verkaufsstart eine unschöne Überraschung. Während Spieler und Spielerinnen auf dem PC und der Playstation 5 in den vollen Genuss der ungeschönten Workplace-Comedy kommen, verpasst Nintendo den Versionen für seine Konsolen einen digitalen Maulkorb.
Das Werk von AdHoc Studio thematisiert das chaotische Leben rehabilitierter Superschurken. In der ursprünglichen Fassung gehören derbe Sprüche und nackte Haut zum festen Repertoire. Auf den Nintendo-Plattformen trüben nun massive Eingriffe das Bild. Anatomische Details wie Penisse und Brüste, die auf anderen Konsolen Teil der Inszenierung sind, werden konsequent mit schwarzen Balken überdeckt. Selbst harmlose Gesten wie ein ausgestreckter Mittelfinger fielen der Schere zum Opfer.
Besonders absurd: Bestimmte Szenen, in denen sexuelle Lust akustisch angedeutet wird, bleiben auf der Switch komplett stumm.

Auf Playstation 5, PC und anderen Plattformen haben Spieler die Möglichkeit, diese Inhalte über eine Einstellung zu zensieren oder unzensiert anzuzeigen. Auf der Switch und Switch 2 existiert diese Option nicht mehr. Die Zensur expliziter Inhalte ist standardmäßig implementiert, die entsprechende Option wurde aus dem Spiel entfernt.
AdHoc Studio erklärt die Einschränkung mit unterschiedlichen Plattformrichtlinien. Das Studio arbeitete mit Nintendo zusammen, um sicherzustellen, dass die Inhalte die Kriterien für eine Veröffentlichung auf deren Plattformen erfüllen.
Das zentrale Spielerlebnis und die Erzählung bleiben laut Entwickler davon unberührt. Dennoch stellt sich die Frage: Warum diese Bevormundung bei einem Spiel, das ohnehin eine Altersfreigabe ab 18 Jahren trägt?
Die Zensur betrifft nicht nur das Spiel selbst. Bereits im Dezember 2025 fiel auf, dass das digitale Artbook von «Dispatch» im Nintendo eShop unterschiedlich dargestellt wird. Auf der nordamerikanischen Seite tragen die Charaktere deutlich konservativere Outfits.

In Europa und Australien blieb die Grafik hingegen unverändert. Das deutet darauf hin, dass Nintendo of America besonders restriktiv vorgeht, möglicherweise um ein familienfreundliches Image zu wahren.

Diese Praxis ist kein Einzelfall. Im November kündigte der Herausgeber von «Brave x Junction» an, dass die Veröffentlichung in Nordamerika und Europa verschoben wurde. Dies, nachdem Nintendo das Fantasy-Rollenspiel wegen sexuell anzüglicher Darstellungen von Minderjährigen beanstandete. Der Publisher musste einige freizügige Kostüme anpassen, bevor das Spiel erscheinen durfte.
Anders als «Dispatch» erlebte «Cyberpunk 2077» einen nahezu uneingeschränkten Launch auf der Switch 2. Das dystopische Rollenspiel von CD Projekt Red erschien im Juni 2025 für Nintendos neue Konsole und überzeugte trotz technischer Kompromisse. Die Ultimate Edition beinhaltet die «Phantom Liberty»-Erweiterung und zeigt explizite Inhalte wie Nacktheit und Gewalt. Ohne Zwangszensur.

Der Unterschied liegt möglicherweise im Ansatz: Während «Cyberpunk 2077» seine erwachsenen Inhalte als integralen Teil der dystopischen Welt präsentiert, setzt «Dispatch» auf eine humorvollere Darstellung von Superhelden. Diese comedyhafte Herangehensweise könnte Nintendo kritischer bewerten. Dennoch bleibt es eine Doppelmoral, wenn ein Spiel wie «Cyberpunk» unzensiert erscheinen darf, während «Dispatch» beschnitten wird.
Trotz der Debatte bleibt «Dispatch» ein spielerisch herausragendes Adventure. Die Erzählung rückt den Büroalltag eines gefallenen Helden in den Mittelpunkt und schafft durch starkes Storytelling sowie hervorragend geschriebene Charaktere eine emotional packende Erfahrung. Die Sprecherleistungen von Aaron Paul und Laura Bailey, das atmosphärische Sounddesign und die clevere episodische Struktur machen das Spiel zu einem Pflichtkauf.
Wie gut das Gesamtpaket spielerisch funktioniert, beleuchte ich ausführlich in meiner Spielkritik.
Doch die Zensur auf Nintendo-Plattformen hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Wer «Dispatch» in seiner ursprünglichen, künstlerischen Form erleben möchte, kommt an den PC- oder Playstation-5-Versionen nicht vorbei.
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