

Dr. Martens: 4 Paar Stiefel, 4 Geschichten
Von wegen alt und abgelatscht. Getragene Dr. Martens sind ein Stück Nostalgie – und erzählen vom Leben.
Dr. Martens: Das sind nicht einfach nur ein Paar Stiefel. Nein, sie sind Lebensabschnittsgefährtinnen. Begleiterinnen in glücklichen und traurigen Zeiten. Klar, der Anfang ist oft schwer. Du musst sie einlaufen und das schmerzt. Aber dann, dann sind sie dein! Perfekt an deine Füße angepasst. Gemeinsam mit dir erleben die Docs viele Geschichten. Hier liest du einige davon, denn auch in der Galaxus-Redaktion gibt es Fans.
Florian: Auf Socken durch Budapest
Meine zehn Jahre alten Chelsea Boots sehen aus wie Ronaldos Kickerschlappen am Ende der Saison: durchgetreten, dreckig, zerlöchert. Gekauft habe ich sie in Budapest – aus einer Not heraus. Mein rechter Schuh hat sich nämlich in den Kammzähnen einer Rolltreppe verfangen. So fest, dass ich den Nothalt drücken musste und sich die Sohle beim Rausziehen verabschiedete. Ein dramatischer Abgang. So stand ich also in der Budapester U-Bahn – ohne Schuhe.

Quelle: Florian Bodoky
Also ging ich los. In Socken marschierte ich durch Budapest und kaufte mir im ersten Laden, den ich fand, neue Schuhe. Im Doc-Martins-Store am Kristóf-Platz. Direkt danach betrat ich in voller Festivalmontur – ich kam gerade von einem Openair – ins Fünf-Sterne-Hotel Corinthia zu einem Launch-Event. Ein vorheriger Besuch bei meinem Onkel, zwecks Kleiderwechsel, lag wegen des Stiefel-Gates zeitlich nicht mehr drin. Mein erster offizieller Auftritt mit den Docs: Business as Punk.

Danach wurden sie jahrelang durch Schnee, Matsch, Bierpfützen und Fußballstadien gezerrt. Bereits zweimal hat sie der Schuster Fulginiti in Winterthur wieder zusammengeflickt. Jetzt erleben sie ihren letzten Winter. Wenn sie gehen, geht ein Kapitel. Eines mit schlechtem Wetter, guten Nächten und viel Bodenhaftung.
Michelle: Viele erste Male in London
London waren meine ersten Ferien, die ich damals mit 18 gebucht habe. Und wo bekomme ich schon mal so eine Auswahl an Dr.-Martens-Schuhen, wenn nicht in der Hauptstadt Großbritanniens? Direkt verliebt habe ich mich in ein weinrotes Paar mit inwendig bedruckten Blumen. Das Modell: Dr. Martens 1914 Triumph Aimilita. Damit man die Blumen auch sieht, kannst du die hohen Stiefel einfach nach unten falten und binden. Zwei Styles in einem. Perfekt.

Quelle: Etsy
Blöd nur, dass ich die Schuhe genau an jenem Tag in London zum ersten Mal getragen habe, als wir uns nahe des Piccadilly Circus’ völlig verliefen. Damals noch ohne Google Maps, dafür mit dicken Blasen am Fußrücken, schafften wir es ein paar Stunden später in unser Appartement zurück. Immerhin waren die Docs danach gut eingelaufen und ich habe sie fortan fleißig zu Festivals und bei Regenwetter getragen. Da ich aber äußerst faul bin, entschied ich mich nach ein paar Jahren, sie gegen Schuhe einzutauschen, die ich nicht mühselig binden muss.
Als ich für diesen Beitrag das Modell auf Etsy wiederfinde, blicke ich nun doch etwas reumütig zurück. Ich genoss damit schließlich einige coole Konzerte, tanzte durch Regenpfützen und naja – überlebte meine ersten Ferien damit. Danke, liebe Stiefel!
Stephan: Schmerzhafte Liebe auf den ersten Blick
Kiki war schuld. Meine beste Freundin Charlotte schleppte mich in einen Schuhladen mitten auf St. Pauli in Hamburg. Und da waren sie: ein Paar schwarze Stiefel. Mit Schnürung. Und genau die wollte mein 15-jähriges Ich als Krönung eines Military-Outfits haben. (Ja, so was trugen wir damals. So in den 80ern. Wir hatten ja nix.)
Preis geteilt durch monatliches Taschengeld: Die Zahl war ernüchternd. Sieben Monate später standen die Dinger endlich in meinem Schrank. Die klassischen Doc Martens. Schwarz und schmerzhaft. Blasen ohne Ende, aber aufrecht und mit Haltung durchzustehen.

Quelle: Stephan Lamprecht
Die nächsten Jahre zog ich die Dinger gefühlt nicht mehr aus. Die haben Sachen gesehen, die willst du lieber nicht wissen. Durchgetanzte Nächte im «Front»-Club, ein heimliches Rendezvous unter der Weltzeituhr in (damals noch) Ost-Berlin, Matsch auf Fest- und Festivalwiesen.
Ein Brand bei meinen Nachbarn, der auf meine Wohnung übergriff, hat sie mir geraubt.
Seit rund fünf Jahren liegt ein neues Paar im Schuhschrank. Das sind aber «nur noch» Schuhe für mich, keine Verlängerung meiner Persönlichkeit. Und weil meine Kollegin kaum glauben kann, dass die Treter schon fünf Jahre auf dem Buckel haben, lüfte ich das Geheimnis. Du solltest sie mindestens (!) einmal pro Jahr, am besten häufiger, mit farblosem Lederfett einreiben, einwirken lassen und polieren. Dann bleibt das Material schön elastisch.
Anika: Zurück zu den Wurzeln
Als ich ein Paar Pascal 1460 Mono gekauft habe, fühlte es sich wie ein Nachhausekommen an. Seit meinem Abitur hatte ich keine Docs mehr getragen. Weil: zu unfein, zu klobig, im Job nicht tragbar. Dachte ich. Damals. Wie dumm ich war. Zum Glück wurde ich älter und mir Fashion-Regeln egal. Immer öfter tippten meine Finger die Suchbegriffe «Dr. Martens + schwarz» ins Suchfeld meines liebsten Online-Shops. Und was soll ich sagen? Die Stiefel trugen mich anschließend durch viele aufregende Lebensjahre.
Die Docs haben einen chaotischen Umzug von München nach Hamburg mitgemacht, eine (teure) Scheidung, einen Urlaub auf Mallorca, Ausflüge an die stürmische Nordsee, viele nasskalte Winter und noch mehr Spaziergänge. Außerdem haben mich die Schuhe zu meinen Wurzeln zurückgeführt. Ich war schon immer im Herzen ein Grunge-Girl der 90er. Auch wenn ich inzwischen seltener in schäbigen Kellerkneipen headbange, dieses Gefühl der Unabhängigkeit von damals trage ich weiterhin in mir. Und Dr. Martens sind einfach der Inbegriff der Rebellion.
Ich habe mir gerade übrigens ein neues Paar gekauft – nein, nicht die Gummistiefel. Meine «alten» 1460 werde ich natürlich trotzdem nicht wegwerfen.

Quelle: Anika Schulz
Hast du auch Dr. Martens und viel mit ihnen erlebt? Erzähl es uns in den Kommentaren.
Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
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