Ein Design für sicheres Socializing
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Ein Design für sicheres Socializing

Pia Seidel
Pia Seidel
Zürich, am 15.05.2020
Die DIY-Decke «Here Comes The Sun» soll uns Social Distancing erleichtern. Sie ist so gestaltet, dass du und deine Mitmenschen zwei Meter voneinander entfernt zusammensitzen könnt.

Ob Kreise, Pfeile oder Striche – die Symbole, die zwei Meter kennzeichnen, häufen sich im öffentlichen Raum. Sie sollen uns dabei unterstützen, die vom BAG empfohlenen Hygiene- und Verhaltensregeln einzuhalten. Ich bin dankbar für diese Leitplanken. Zum einen, weil ich manchmal nicht weiss, ob zwei Meter richtig einschätze. Zum anderen, weil mir die eine oder andere Kreidezeichnung auf der Strasse schon ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Besonders charmant finde ich die Decke «Here Comes The Sun» des britischen Designers Paul Cocksedge. Anders als die meisten Zeichen markiert dieses Design nicht nur einen Zwei-Meter-Abstand für Situationen, in denen wir Schlange stehen. Es soll uns auch in sozialen Situationen wie einem Picknick helfen, den empfohlenen Abstand einzuhalten.

Normalerweise entwirft der Designer und Mitgründer des Unternehmens Paul Cocksedge Studio Raumskulpturen für Design Festivals. Doch die wurden in diesem Jahr wegen des Lockdowns reihenweise abgesagt. Um sich beschäftigt zu halten, geht Paul seit Beginn der Corona-Pandemie stattdessen täglich einmal durch das Londoner Quartier namens Hackney. «Es ist fast so, als würdest du dir eine Netflix-Serie ansehen – wir befinden uns in einer surrealen Zeit», erklärt mir Paul. Mit der Zeit bekommt er das Gefühl, dass sich seine Mitmenschen trotz der Einschränkungen danach sehnen, wieder in öffentlichen Räumen und Parks zusammenzukommen. Er entschliesst sich kurzerhand herauszufinden, wie Design dazu beitragen kann, Gruppenansammlungen zu ermöglichen – ohne die Verhaltensregeln zu missachten.

«Mein Haus hat sich in eine kleine Werkstatt verwandelt, in der ich Prototypen herstelle und Dinge ausprobiere, um neue Ideen zu entwickeln. Ich wollte etwas Positives schaffen, das in die Zukunft gerichtet ist», meint Paul. Nachdem er drei oder vier andere Prototypen gestaltet hat, kommt er auf Decken als Lösung, die zum Leitfaden für Menschen werden sollen, während sie zusammen sitzen oder sich sonnen. «Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Zwei-Meter-Bereich zu kennzeichnen, aber ein Kreis fühlte sich am schönste und natürlichste an. Die Form ahmt nach, wie sich Menschen auf natürliche Weise versammeln.»

Der Stoff für die Decke sollte aus einem Material wie Filz sein, das nicht ausfranst. Bild: Paul Cocksedge Studio
Der Stoff für die Decke sollte aus einem Material wie Filz sein, das nicht ausfranst. Bild: Paul Cocksedge Studio
Eine Nähmaschine und Zubehör sowie etwas handwerkliches Geschick sind alles, was es für das Decken-Design braucht. Bild: Paul Cocksedge Studio
Eine Nähmaschine und Zubehör sowie etwas handwerkliches Geschick sind alles, was es für das Decken-Design braucht. Bild: Paul Cocksedge Studio

Die Stoffdecke besteht aus einem Verbindungskreis sowie vier separaten Sitzplätzen. Diese können mit einem Abstand von circa zwei Metern um den Umriss gelegt werden. Paul entscheidet sich, das Schnittmuster zum Herunterladen via Instagram anzubieten, damit sich jede*r eine eigene Sonnendecke schneidern kann. Das «demokratische Design» soll Menschen, die sich noch im Lockdown befinden, zum Basteln animieren. «Ich freue mich darauf zu sehen, was die Leute aus dem Entwurf machen», sagt Paul.

Das geht mir genau gleich. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob sich dieses Design durchsetzen wird: Bei der Vorstellung, dass sich Wiesen zukünftig mit den bunten Kreisdecken füllen könnten, geht bei mir als Liebhaberin runder Dinge die Sonne auf.

Here Comes The Sun

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Pia Seidel
Pia Seidel

Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein

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