Ein Impfstoff gegen Ernteausfälle
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Ein Impfstoff gegen Ernteausfälle

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 28.08.2019
Bisherige Pflanzenschutzmethoden schützen nur teilweise gegen hartnäckige Krankheitserreger. Die Leidtragenden sind die Bauern sowie die gesamte Weltbevölkerung. Durch eine neue Methode soll es nun möglich sein, Pflanzen gegen Viren zu impfen.

Impfstoffe für Menschen gibt’s schon längst und sind eine gute Sache – zumindest für die Mehrheit. So konnte zum Beispiel Polio fast komplett ausgerottet werden. Pflanzen hingegen werden bis jetzt mit giftigen Chemikalien vollgespritzt oder genmanipuliert, um sie gegen Krankheiten resistent zu machen. Neben den gesundheitlichen und ethischen Bedenken kommt hinzu, dass die Methoden nicht wirklich effektiv sind, da sich die Viren schnell weiterentwickeln. Ernteausfälle sind die Folge, was wiederum eine Bedrohung für die weltweite Nahrungsmittelsicherheit darstellt.

Nun aber haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, Pflanzen schnell und einfach zu impfen. Und zwar mit den eigenen Antigenen wie das auch bei Menschen üblich ist. Denn wenn Pflanzen von einem Virus befallen werden, setzt die Zelle oft Ribonukleinsäure (RNS) frei, die dem Virus bei der Replikation, also Verbreitung, hilft. Abwehrproteine in der Pflanzenzelle erkennen diese viralen RNS, worauf Enzyme diese wie kleine Scheren auseinanderschneiden. Diese verbleibenden Stückchen werden small interfering RNS (siRNS) genannt. Diese arbeiten mit Proteinen zusammen, die den Virus dann zerstören.

90-prozentiger Schutz

Das Problem: die Methode ist nicht immer erfolgreich, da nur wenige siRNS die richtigen Eigenschaften haben, um den Virus zu bekämpfen. Und genau dort setzen Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg an. Sie haben Tests entwickelt, um die effizienten siRNS zu bestimmen und diese dann als Impfstoff einsetzen zu können. Getestet wurde die Methode an Tabakpflanzen, die vom «tomatenbuschigen Stuntvirus» befallen waren. Das Ergebnis überzeugt: 90 Prozent der Pflanzen wurden geschützt. Und dafür reichte es, die Pflanzen mit den siRNS zu besprühen oder die Blätter damit einzureiben.

Momentan arbeiten die Wissenschaftler daran, den einfachsten und kostengünstigsten Weg zu finden, um den Impfstoff an die Pflanzen zu verabreichen. Sollte sich die Technologie durchsetzen, wäre es für Bauern einfacher, mit den sich ständig ändernden Krankheitserregern Schritt zu halten. Einfacher und schneller, als Pflanzen genetisch zu manipulieren, ist die Impfung allemal.

Sollte dein Impfausweis noch leer sein, kannst du dir hier die geballte Ladung Do-It- und Gartenwissen einimpfen.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger

Editor, Zürich

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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