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Sony Pictures
Meinung

Ein neuer «Spider-Man»-Trailer – und ich fühle nichts

Luca Fontana
20.3.2026

Spider-Man hat mich durch die Jugend begleitet. Jetzt ist der neue Trailer da und ich fühle: nichts. Das beschäftigt mich mehr, als mir lieb ist.

Der neue Trailer zu «Spider-Man: Brand New Day» ist da. Ein Moment, der mich früher elektrisiert hätte. Stattdessen sitze ich vor dem Bildschirm, schaue mir die Szenen an – und warte darauf, dass etwas passiert. Nicht auf der Leinwand, sondern in mir. Dass dieses Kribbeln einsetzt, diese Mischung aus Vorfreude und kindlicher Euphorie, die Superheldenfilme bei mir jahrelang ausgelöst haben.

Sie kommt nicht.

Stattdessen macht sich ein komisches, nüchternes Gefühl breit: Ja, das sieht nach einem «Spider-Man»-Film aus. Schick inszeniert, vollgepackt mit bekannten Figuren, technisch makellos. Alles gut. Aber eben auch erstaunlich … beliebig.

Früher hätte mich das komplett abgeholt

Das irritiert mich mehr, als ich zugeben möchte. Spider-Man ist keine beliebige Figur für mich. Er ist einer dieser Charaktere, die mich durch meine Jugend begleitet haben und für mich das Herzstück der Marvel-Welt bilden. Wenn ein neuer Film angekündigt wurde, war das früher kein blosser Termin im Kalender. Es war ein Ereignis.

Nichts übertrifft den düsteren OG-Spider-Man-Trailer mit der Musik aus «The Matrix». Nichts.

Umso seltsamer fühlt es sich an, wenn genau dieser Film jetzt erscheint und mich emotional kaum erreicht. Dabei bin ich kein MCU-Verweigerer. «Fantastic Four» und «Thunderbolts*» fand ich grossartig. Und noch vor wenigen Wochen schrieb ich begeistert über «Spider-Noir», wo uns Nicolas Cage als brütender Detektiv in Film-Noir-Ästhetik und ohne Multiversums-Geschacher erwartet. Geil.

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«Brand New Day» hingegen wirkt wie das Gegenteil davon: vertraut bis zur Austauschbarkeit. Dabei hat der Film eine der stärksten Ausgangslagen seit Jahren. Peter Parker ist nach «No Way Home» isoliert, von der Welt vergessen und auf sich allein gestellt. Sein Leben als Spider-Man funktioniert, während er als Mensch leidet. Das ist eigentlich gutes Drama.

Aber dann fährt der Trailer alles auf, was das Marvel-Regal hergibt: Scorpion, Boomerang, die Hand – jene Ninja-Organisation, die viele aus der Netflix-Serie «Daredevil» kennen –, dazu Bruce Banner in seiner Nicht-Hulk-Form, was auch immer das diese Woche bedeutet, und mittendrin Frank Castle, der Punisher. Ein Ensemble, das auf dem Papier beeindruckend klingt, aber im Trailer eher nach Inventur aussieht als nach Erzählung.

Auf den Skorpion freuen sich Fans seit «Spider-Man: Homecoming»
Auf den Skorpion freuen sich Fans seit «Spider-Man: Homecoming»
Quelle: Sony Pictures

Wer lange genug Marvel schaut, ahnt bereits, was das bedeutet: Am Anfang wird es direkt eine Montage geben, bei der Spider-Man ein paar Bösewichte der Reihe nach abarbeitet, um dem Publikum zu zeigen, was er die letzten vier Jahre getrieben hat. Danach folgt die erste grosse Actionsequenz mit dem Punisher. Dann etwas Drama um seine Kräfte, die sich weiterentwickeln. Bruce Banner kommt als weiser Ratgeber. Dazwischen ein paar Shots, die ikonische Comic-Cover nachahmen, weil das die Kommentarspalten zum Explodieren bringt. Und am Ende ein grosser Showdown, bei dem alles zusammenläuft.

Kommt das hin? Es würde mich ehrlich überraschen, wenn ich mit dieser Vorhersage den Plot nicht zu mindestens 80 Prozent getroffen hätte.

Der Punisher bekommt einen Maulkorb

Das Schlimmste am Trailer ist, wie Peter Parker dem Punisher mit einem Spinnennetz den Mund verschliesst, bevor dieser «Motherf*cker» sagen kann. Das ist nicht nur eine kleine Gag-Szene. Das ist Programm. Ein Statement darüber, was dieser Film mit Frank Castle vorhat – nämlich ihn zähmen, domestizieren und Sony-tauglich machen.

Dem Punisher nicht nur einen metaphorischen, sondern buchstäblichen Maulkorb gegeben – ganz schön mutig. Und schade.
Dem Punisher nicht nur einen metaphorischen, sondern buchstäblichen Maulkorb gegeben – ganz schön mutig. Und schade.
Quelle: Sony Pictures

Ich habe eine feste Überzeugung, die ich immer wieder verteidige und die ich auch heute nicht aufgebe: Es gibt vier Figuren im Marvel-Universum, die ohne ein R-Rating schlicht nicht funktionieren. Das sind Blade, Deadpool, Daredevil – und der Punisher. Nicht weil Gewalt um der Gewalt willen gut wäre, sondern weil diese Charaktere von ihrer moralischen Kompromisslosigkeit leben oder zumindest mit ihr kämpfen.

Der Punisher etwa ist kein Held, der ab und zu flucht. Er ist ein Spiegel des Systems, das ihn erschaffen hat. Einer, der einen Ein-Mann-Krieg gegen das organisierte Verbrechen führt, ohne Rücksicht, ohne Gnade und ohne die moralischen Grenzen, die andere Superhelden definieren. Darum sein Name. Er bestraft. Er tötet. Nicht als letzten Ausweg, sondern aus Prinzip.

Genau das macht ihn so faszinierend – und so unvereinbar mit einem Film, der auch Zehnjährige ins Kino locken will. Es trotzdem zu versuchen, bedeutet, den Charakter auszuhöhlen und mit einer aufgeklebten Punisher-Maske auszustatten.

Marvel als System statt Überraschung

Vielleicht ist es genau das, was mich am meisten beschäftigt: das Gefühl, dass «Spider-Man: Brand New Day» nicht überraschen will, sondern funktionieren muss. Der Trailer wirkt weniger wie ein kreativer Ausbruch als wie ein sorgfältig zusammengestelltes Paket. Ein bisschen Nostalgie hier, ein bisschen Fanservice da, ein paar bekannte Namen dort, und zum Schluss noch eine Prise emotionaler Konflikt.

Et voilà, flambé!

In etwa so stelle ich’s mir vor, wenn Marvel-Produzenten mir das zigste One-Pot-Menü nach Schema F servieren wollen.

Das ist nicht per se schlecht. Es erklärt auch, warum diese Filme nach wie vor ein riesiges Publikum erreichen. Aber es erklärt auch, warum sie sich immer seltener wie ein Ereignis anfühlen. Eher wie Fast Food, das zuverlässig das liefert, was man erwartet. Mehr nicht.

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Habe ich einfach aufgehört, Marvel zu lieben?

Das ist die eigentliche Frage, die mich umtreibt. Nicht «Ist der Film gut?» – das wissen wir noch nicht. Sondern: Warum reagiert mein Nervensystem auf diesen Trailer mit der Aufgeregtheit eines Menschen, dem man eine Steuererklärung unter die Nase hält?

Vielleicht bin ich einfach übersättigt. Womöglich habe ich zu viele dieser Filme gesehen, berufshalber bis ins letzte Detail analysiert und entsprechend immer und immer wieder die gleichen Muster erkannt. Es wäre die einfachste Erklärung. Aber sie überzeugt mich nicht ganz, weil mich andere Marvel-Projekte weiterhin packen können. Das ungewöhnliche «Spider-Noir», zum Beispiel. Oder «Wonder Man», eine der schönsten Serien-Perlen des bisherigen Jahres.

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«Brand New Day» könnte trotzdem gut werden. Wirklich. Vielleicht bin ich schlicht nicht die Zielgruppe dieses Trailers, während mich der fertige Film komplett umhauen wird. Aber bis dahin sitze ich mit meinem Kaffee am Tisch und schaue mir den Trailer mit der gleichen Leidenschaft an, die den legendären Jeremy Clarkson erfasst, wenn der neue Dacia Sandero mal wieder verschoben wird.

Deine Meinung

Ist der «Spider-Man: Brand New Day»-Trailer langweilig?

Titelbild: Sony Pictures

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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