Entweder Kraft oder Ausdauer – entscheide dich
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Entweder Kraft oder Ausdauer – entscheide dich

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 21.08.2019
Krafttraining verringert deine Ausdauermuskulatur. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Forschergruppe am Biozentrum der Universität Basel. Soll ich jetzt mein Fitness-Abo kündigen?

«Warum Krafttraining für Läufer wichtig ist.» Oder: «die fünf wichtigsten Kraftübungen für Ausdauersportler.» Sowas habe ich in den letzten Jahren auf den gängigen Plattformen jeden Tag zu lesen bekommen. Alles falsch? Vielleicht, wenn ich der Forschergruppe um Professor Christoph Handschin vom Biozentrum der Uni Basel glauben darf.

Kraft oder Ausdauer

Insgesamt unterscheiden wir zwei verschiedene Formen von Muskeln, abhängig von den Fasertypen, aus denen sie bestehen: Zum einen gibt es die langsam kontrahierenden, ausdauernden Fasern. Diese werden vor allem beim Ausdauersport gebildet. Bei Marathonläufern sind in erster Linie diese Ausdauermuskeln trainiert. Weitaus weniger gut untersucht wurde bisher die zweite Muskelform, die aus schnell kontrahierenden Fasern besteht. Diese Muskeln legen beim Krafttraining an Volumen zu und bringen im Vergleich grössere Kraft auf.

Was im Muskel passiert, wenn du ihn trainierst

Der Botenstoff «Brain-Derived Neurotrophic Factor», kurz BDNF, verringert beim Krafttraining die Ausdauermuskulatur. Professor Handschin und sein Team haben den Botenstoff aus der Gruppe der Myokine genauer untersucht. Sie konnten zeigen, dass dieser vom Muskel hergestellt wird und wie er auf Muskeln und Synapsen einwirkt. Die Resultate wurden im Fachblatt PNAS veröffentlicht.

BDNF bewirkt demnach nicht nur, dass die Kraftmuskulatur zunimmt, sondern sorgt im Gegenzug auch dafür, dass die Ausdauermuskulatur abgebaut und damit verringert wird.

Handschin und Team haben nun einen hormonähnlichen Botenstoff aus der Familie der Myokine an Mäusen untersucht. Myokine werden vom Muskel bei seiner Kontraktion ausgeschüttet. Der neu identifizierte BDNF wird gemäss Handschin vom Muskel selbst gebildet und wirkt nicht nur auf diesen ein. Gleichzeitig wandelt er auch die neuromuskulären Synapsen um, also die Verbindungen zwischen Nervenzelle und Muskel.

BDNF wandelt Ausdauermuskeln in Kraftmuskeln um

Diese Umformung der neuromuskulären Synapsen beim Krafttraining hat zur Folge, dass der Körper vermehrt Kraftmuskulatur aufbaut. Jedoch erfolgt der Zuwachs an Kraftmuskeln auf Kosten der Ausdauermuskulatur. «Genauer gesagt werden durch die Ausschüttung des BDNF die Ausdauermuskeln in Kraftmuskulatur umgewandelt», wird Handschin auf der Webseite der Uni Basel zitiert. Damit sei BDNF ein Faktor, dem nachgewiesen werden könne, dass er eigens vom Muskel hergestellt würde und Einfluss auf die Muskelfaserform hätte.

Die neuen Erkenntnisse über den Botenstoff BNDF liefern eine mögliche Erklärung für die verringerte Ausdauermuskulatur als Folge des Krafttrainings. Dieser Zusammenhang wird bereits in Trainingsplänen von Hochleistungssportlern berücksichtigt. Zumal Sportarten wie das Rudern, die auf Kraft und auf Ausdauer ausgerichtet sind, im Training die Muskelumformung berücksichtigen müssen.

Mein Abo im Fitness-Studio kündige ich trotzdem nicht. Denn wie soll schon Oscar Wilde gesagt haben: «Alles Bekannte ist falsch.»

Es ist ein Kraftakt und braucht Ausdauer, ich weiss. Klicke dich nichtsdestotrotz zu meinem Autorenprofil und drücke mit Nachdruck auf «Autor folgen». Dein BDNF wird es dir danken.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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