Fünf Cyborgs, die dein Verständnis von Normalität auf die Probe stellen

Fünf Cyborgs, die dein Verständnis von Normalität auf die Probe stellen

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 31.05.2018

Cyborgs stellen unser Körperbild auf den Kopf. Wo hört der Mensch auf und wo beginnt die Maschine? Wer steckt hinter diesen Technologien und was bewegt die Menschen dazu, sich zu cyborgisieren?

Vom Farbenblinden über Amputierte bis zu «Mister Wearable»: Verschiedenste Elemente machen Menschen zu Cyborgs. Wichtige Exponenten der Cyborgisierung der Gesellschaft stelle ich dir hier kurz vor.

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Welt der Cyborgs: Gesellschaft der Gleichen oder Ungleichen?

Neil Harbisson

Den kennst du schon aus einem der obigen Artikel. Harbisson sieht die Welt nur in Schwarz-Weiss-Grau-Tönen. Dank dem Eyeborg kann er Farben hören. Ein Farbsensor nimmt die Farbe wahr und sendet diese an einen Chip. Dieser wandelt die Farbfrequenz in eine hörbare Frequenz um und leitet sie an einen Kopfhörer weiter.

Harbisson ist inoffiziell als Cyborg anerkannt. In seinem Pass ist er mit «Eyeborg» abgebildet. Auf Passfotos von Grossbritannien dürfen keine technischen Geräte abgebildet werden. Nach längerem Ringen hat Harbisson die Behörden davon überzeugt, dass der Eyeborg ein Teil seines Körpers ist.

Kevin Warwick

Der Professor für Kybernetik an der Reading University hat sich bereits 1998 ein RFID-Chip implantiert. Damals konnte er damit das Licht durch Fingerschnippen an- und ausschalten. Auch seine Frau liess sich einen Chip installieren. Dadurch fühlt Warwick, wenn sie jemand anfasst. Warwick ist Gründer des «Project Cyborg».

Für ihn sind die Erweiterungen aber mehr als Spielerei. Warwick ist davon überzeugt, dass wir Menschen uns durch künstliche Erweiterungen verbessern müssen. Er befürchtet ein «Terminator»-Szenario in der die Maschinen an die Macht kommen. Nur durch künstliche Erweiterungen können wir den Maschinen zumindest ebenbürtig bleiben, so Warwick.

Nigel Ackland

Ackland arbeitete als Schmelzer, bevor er einen Unfall mit einem Industriemixer hatte. Daraufhin musste er sich beinahe den ganzen Unterarm amputieren lassen. Ackland steht hier stellvertretend für Menschen mit Prothesen.

Nach mehreren unangenehmen Erfahrungen mit altmodischen Prothesen, war Ackland der erste, der den bebionic3 verpasst bekam. Dabei handelt es sich um eine der fortschrittlichsten Prothesen überhaupt. Damit können Amputierte viele alltägliche Bewegungen ausführen. Auch die Griffkraft lässt sich regulieren: Ob Betroffene nun ein Ei halten oder bis zu 45 Kilogramm schwere Lasten tragen.

Steve Mann

Steve Mann wird als «Mister Wearable» bezeichnet. Er experimentierte bereits in den 1970er Jahren mit Wearable-Computing. Das sah so aus:

Bild: http://cyborganthropology.com/Steve_Mann
Bild: http://cyborganthropology.com/Steve_Mann

Heute sieht das Ganze dann so aus:

Nicht nur die Form der Brillen hat sich verändert, sondern auch die Funktionen. Einige Brillen besitzen Radar, während andere Wärmebilder zeigen. Neuere Modelle sind direkt mit seinem Gehirn verbunden. Und Google dachte doch tatsächlich, dass sie mit ihrem Glass etwas Neues entwickelt hätten…

Mann wurde 2012 Opfer des wohl ersten Angriffs auf einen Cyborg. McDonalds-Angestellte wollten ihm seine Brille vom Kopf reissen, weil sie befürchteten, dass er sie filmte. Da Teile seiner Brille mit seinem Körper verbunden waren, liess sie sich aber nicht so einfach entfernen.

Stelarc

Stelarc ist ein Performance-Künstler. Er beschäftigt sich mit dem Verhältnis Mensch/Maschine. Der gebürtige Zyprer sieht den Cyborg nicht als ein Körper, sondern als System: Eine Vielzahl von Körpern, die übers Internet miteinander verbunden sind.

Am bekanntesten ist Stelarc für sein drittes Ohr, das er sich auf den linken Unterarm transplantieren liess. Er will darin auch noch ein Mikrophon verpflanzen, damit die ganze Welt jederzeit hören kann wo er sich befindet und was er tut. Privatsphäre ade! Aber zumindest zieht er seine Interpretation von Cyborg konsequent durch.

Fehlt dir ein Cyborg in dieser Liste? Dann schreib’s doch in die Kommentarspalte.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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