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Luca Fontana
News & Trends

Google senkt Play-Store-Gebühren: Was steckt wirklich hinter dem Kurswechsel?

Luca Fontana
5.3.2026

Google senkt seine berüchtigte 30-Prozent-Kommission im Play Store – und öffnet Android erstmals für echte Konkurrenz. Was wie ein freiwilliger Kurswechsel aussieht, ist in Wahrheit das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits mit Epic Games.

Google dreht an einer der umstrittensten Stellschrauben der Digitalwirtschaft: Die 30-Prozent-Kommission, die der Konzern jahrelang auf Käufe im Play Store erhoben hat, gehört bald der Vergangenheit an. Das gab Google nun offiziell bekannt – und zwar nicht, weil der Konzern es besonders grosszügig meint, sondern weil ein US-Gericht ihn dazu verdonnert hat.

Was bedeutet das in der Praxis? Wenn jemand eine App für 10 Franken kaufte, blieben Google bisher 3 Franken. Künftig sind es noch 2 Franken oder weniger.

Weniger Provision, mehr Wettbewerb

Konkret: Bis Ende Juni 2026 sinkt die Standardgebühr in der EU, im Vereinigten Königreich und in den USA auf 20 Prozent. Wer an Googles neuen Programmen «App Experience» oder «Games Level Up» teilnimmt, gibt in bestimmten Fällen sogar nur 15 Prozent ab. Für Abonnements fällt die Provision auf 10 Prozent. Bis Ende 2027 sollen die Änderungen sogar weltweit gelten.

Ausgangspunkt ist ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Google und Epic Games, dem Entwickler hinter «Fortnite», der seinen eigenen Ingame-Store betreiben wollte. Epic klagte, weil Google Drittanbieter-Stores auf Android systematisch behinderte und mit seiner 30-Prozent-Gebühr eine Monopolstellung missbrauchte. Ende 2023 gab ein US-Gericht Epic recht. Aber das war nur der Anfang einer weiteren Runde gerichtlicher Tauziehen.

  • News & Trends

    Google verliert vor Gericht gegen Epic Games

    von Samuel Buchmann

Im November 2025 einigten sich beide Parteien schliesslich auf einen Vergleich. Doch Google entschied sich, für die versprochenen Reformen nicht erst auf eine richterliche Bestätigung des Vergleichs zu warten, sondern es direkt umzusetzen. So, dass die Änderungen freiwilliger wirken, als sie sind.

Android öffnet sich – aber nur halb

Parallel dazu öffnet Google Android offiziell für alternative App Stores. Mit dem neuen «Registered App Stores»-Programm können sich Drittanbieter bei Google registrieren lassen, müssen dafür Sicherheits- und Qualitätsanforderungen erfüllen und zahlen einmalig eine kleine Registrierungsgebühr «in der Grössenordnung von mehreren hundert Dollar», wie Google gegenüber The Verge erklärte. Im Gegenzug sollen Nutzerinnen und Nutzer solche Stores deutlich reibungsloser installieren können als bisher – kein mühsames Herunterladen aus dem Web mehr, keine ominösen Sicherheitswarnungen.

Das klingt nach einem echten Wandel. Ist es auch – mit einem grossen Aber. Denn Google bleibt die Instanz, die entscheidet, welcher Store das Programm überhaupt nutzen darf. Eine unabhängige Prüfstelle gibt es nicht. Wer abgelehnt wird, kann zwar Einspruch erheben, aber am Ende liegt das letzte Wort beim Konzern. Echte Marktöffnung sieht anders aus.

Der teuerste Maulkorb der Tech-Geschichte

Googles Android-Chef Sameer Samat formuliert den mit Epic abgesprochenen Vergleich naturgemäss anders: «Das ist nicht nur das Umsetzen von Anforderungen. Wir entwickeln uns proaktiv weiter, weil wir glauben, dass eine moderne Plattform auf Wahlmöglichkeiten und User-Sicherheit basieren muss.» Man darf das glauben – oder auch nicht. Dass ein US-Gericht als Katalysator nötig war, spricht eine eigene Sprache.

Besonders pikant ist die Rolle von Epic-CEO Tim Sweeney in diesem Deal. Der Mann, der Google jahrelang öffentlich als «gangsterartig» und «täuschend» bezeichnete, hat im Vergleich nicht nur Epics Klagerechte abgetreten – er hat auch sein Recht auf Kritik an Googles App-Store-Praktiken bis mindestens September 2032 wegverhandelt. Laut Vertragstext verpflichtet er sich sogar, öffentlich für Googles Ansatz zu werben und ihn als «wettbewerbsfördernd und vorbildlich» zu bezeichnen.

Man könnte es auch einen goldenen Maulkorb nennen.

Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.

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