

Heilt mein neues Tattoo mit dem Suprasorb-Folienverband besser?
Ein Tattoo tut zweimal weh: beim Stechen und beim Bezahlen. Damit wenigstens das Abheilen entspannt läuft, hat mir meine Tätowiererin zum Folienverband geraten.
Wir schreiben das Jahr 2026. Ich bekomme mein neuntes Tattoo. Einen kleinen Drachen an der linken Schulter. Direkt nach dem Tätowieren ist die Haut rund um das Motiv gerötet. Es blutet und nässt. Erinnerungen an früher werden wach.
Als ich vor 20 Jahren mein erstes Tattoo bekam, deckte der Künstler das fertige Motiv mit Frischhaltefolie ab und klebte die Ränder mit Pflaster fest. Die Folie kam aus dem Supermarkt, hygienisch fand ich das schon damals nicht. Das Pflaster löste sich nach wenigen Stunden, denn ich schwitzte unter der Frischhaltefolie wie Sau. Der ganze Farb-Blut-Matsch, der sich unter der «Verpackung» gesammelt hatte, landete auf meinem T-Shirt. Die Klamotte konnte ich in die Tonne treten.
Endlich keine eingesauten Klamotten mehr
Heute ist die Tattoo-Szene weiter. Viele Künstlerinnen und Künstler arbeiten mit selbstklebenden Folienverbänden. Es gibt sie von verschiedenen Anbietern, ein häufig verwendetes Produkt ist Suprasorb F. Die Folie klebt von allein auf der Haut, ist robust und wasserfest. Sie schützt die Wunde innen und die Kleidung außen. Außerdem soll sie dafür sorgen, dass mein frisches Tattoo schneller abheilt. Die Folie, die ich teste, ist nicht steril. Doch sauberer als Frischhaltefolie? Sicherlich.

«Für schwach exsudierende Wunden» steht in der Packungsbeilage. Das passt, denn ein frisches Tattoo ist nichts anderes als eine Schürfwunde. Meine Tätowiererin empfiehlt mir, die Folie nach spätestens drei Tagen zu entfernen. «Sonst wird es eklig» – mit diesen Worten klebt sie Suprasorb über meinen kleinen Drachen. Ich bin happy und fahre nach Hause.
Tattoos heilen bei mir erfahrungsgemäß schnell ab. Also lasse ich die Folie nur eine Nacht lang drauf. Auch, um meine Bettwäsche vor dem Gesiffe zu schützen. Die morgendliche Dusche übersteht Suprasorb einwandfrei, ebenso ein paar kleine Erledigungen inklusive Tütenschleppen. Nach etwa 30 Stunden bilden sich jedoch kleine Rinnsale und Wundflüssigkeit läuft unter der Folie hervor. Es ist an der Zeit, den Folienverband zu entfernen.
Ich lasse Wasser über meine Schulter laufen und ziehe parallel die Folie an einer Ecke hoch, um den Kleber zu lösen. Die Folie lässt sich rückstandslos entfernen. Jetzt bin ich neugierig. Das Motiv sieht gut aus: Die Haut ist längst nicht mehr so rot wie direkt nach dem Stechen und es tritt kaum noch Wundflüssigkeit aus. Ich entscheide mich, keine neue Folie aufzukleben. Stattdessen spüle ich das Motiv mit lauwarmem Wasser ab, trage eine Wund- und Heilsalbe auf und ziehe ein lockeres Shirt an.

Feuchte Wundheilung: Wie funktioniert das?
Nun will ich es genau wissen: Was passiert unter der Suprasorb-Folie mit meiner Haut? Laut Hersteller Lohmann & Rauscher hält der Klebeverband «ein feuchtes Wundmilieu aufrecht und unterstützt somit die Wundheilung.» Ich frage meine Kollegin Anna Sandner. Sie ist Biologin und kennt sich aus.
Wie funktioniert feuchte Wundheilung?
Anna: Damit eine Wunde heilen kann, müssen die neuen Hautzellen an die Wundoberfläche gelangen, um sich dort ansiedeln zu können. Damit sie sich dorthin bewegen können, benötigen sie Feuchtigkeit. Bei der feuchten Wundversorgung wird die Wunde mit speziellen Pflastern luftdicht abgeschlossen – wie deine Suprasorb-Folie. Das sorgt dafür, dass die natürliche Wundflüssigkeit (das sogenannte Exsudat) auf der Wunde bleibt und nicht verdunstet. In dieser nährstoffreichen Suppe können sich Botenstoffe, Abwehrzellen und Wachstumsfaktoren frei bewegen und genau dorthin schwimmen, wo sie gebraucht werden.
Welche Enzyme sind dabei aktiv?
In der Wundflüssigkeit arbeiten sogenannte Matrix-Metalloproteinasen (kurz MMPs). Die sind quasi sowas wie eine Aufräumkolonne. Sie zerkleinern beschädigtes Gewebe und Eiweißreste und bauen sie dann ab, damit Platz für neue Zellen frei wird. Sie brauchen ein feuchtes Milieu, um aktiv zu sein. Ist die Wunde zu trocken, können sie nicht arbeiten, dadurch wird die Heilung blockiert.
Warum ist das besser als trockene Heilung?
Das Problem bei der trockenen Heilung ist der Schorf, der wie ein Hindernis auf der Wunde liegt. Damit die Wunde sich schließt, müssen neue Hautzellen (Epithelzellen) über die Fläche wandern. Auf einer trockenen Kruste können sie das aber nicht, da vertrocknen sie. Deswegen müssen sie ins tiefere Wundgewebe abtauchen, um Feuchtigkeit aufzunehmen. Das ist aber ein Umweg, der die Zellen viel Energie kostet. Bei der feuchten Heilung gibt es keinen Schorf. Die Zellen können ohne Energieverlust quasi auf der Wunde dahin surfen, wo sie benötigt werden.
Also heilen Wunden feucht schneller ab?
Ja, viel schneller. Da ist sich die Forschung einig, das konnte in Studien gemessen werden. Wenn die Zellen nicht den Umweg unter dem Schorf nehmen müssen, schließt sich die Hautoberfläche etwa doppelt so schnell.

Wieso galt dann jahrelang die Devise, Wunden an der Luft heilen zu lassen?
Das lag wohl daran, dass Feuchtigkeit immer mit Infektionsrisiko verbunden war. Bereits 1962 hat der britische Forscher George Winter in einer Studie gezeigt, dass Wunden unter einer Folie viel schneller heilen als an der Luft. Es hat nur lange gedauert, bis es in den Köpfen der Menschen ankam.
Gibt es auch Risiken bei der Methode?
Das Hauptrisiko ist die sogenannte Mazeration. Das ist das, was passiert, wenn du zu lang in der Badewanne sitzt und die Fingerkuppen schrumpelig werden. Wenn zu viel Wundflüssigkeit auf die gesunde Haut am Wundrand gelangt, weicht sie auf. Die Hautbarriere geht kaputt und das ist dann ein Einfallstor für Bakterien und Pilze. Außerdem können die erwähnten MMPs bei chronischen Wunden zu aggressiv werden und statt des kaputten Zellmaterials das frisch gebildete Gewebe wieder abbauen. Deshalb sollte die Feuchtigkeit genau austariert werden – nicht zu trocken, aber auch nicht zu nass.
Ein guter Start fürs neue Tattoo
Mein neues Tattoo ist inzwischen knapp eine Woche alt. Die Starthilfe mit der Suprasorb-Folie hat ihm offenbar gut getan: Es bildet sich bereits neue Haut über dem Motiv und die Rötung ist komplett abgeklungen. Noch ein paar Tage fleißig eincremen – und die Sache sollte erledigt sein.
Und was mache ich nun mit dem Rest Suprasorb? Auf meiner Rolle sind noch locker 70 Zentimeter Folienverband. Tja, da «muss» ich wohl leider bald noch ein Tattoo machen lassen. Wäre ja sonst Verschwendung, gell?
Kleine Nachteile
Was wäre ein Galaxus-Produkttest ohne die negativen Aspekte. Schließlich wollen wir in der Redaktion transparent sein. Und tatsächlich hat Suprasorb zwei kleine Schönheitsfehler, wie ich finde.
Zum einen ist der Folienverband recht unflexibel. Das ist nervig, sobald du ihn über Gelenke klebst. Er schmiegt sich zwar super an meine Schulter an, bewegen kann ich mich aber nur eingeschränkt. Kein Wunder, denn der Verband besteht aus Polyurethan, einem Kunststoff. Polyurethan ist zwar elastisch, aber den Bewegungsradius eines Schultergelenks macht es nicht mit.
Wobei wir auch schon beim zweiten Nachteil sind. Dadurch dass der Verband nur bedingt dehnbar ist, spannt er auf meinem Tattoo, was unnötig weh tut. Allerdings ist die Schulter auch eine undankbare Stelle. Am Unterarm beispielsweise dürfte der Klebeverband weniger stören.
Was tun, wenn das Tattoo nicht heilt?
Kurzer Disclaimer: Dieser Beitrag hier ist ein Testbericht über einen Folienverband, kein medizinischer Ratschlag. Sollte dein neues Tattoo stark schmerzen, tagelang gerötet sein und nässen, geh zu einer Ärztin oder einem Arzt. Du könntest eine Infektion haben oder allergisch auf den Verband beziehungsweise den Klebstoff reagieren.
Womit schützt du dein frisches Tattoo? Verrate es mir in den Kommentaren!
Fazit
Super Folienverband für frische Tattoos
Pro
- wasserfest
- unterstützt feuchte Wundheilung
- klebt gut
- einfach zu entfernen
Contra
- nur bedingt flexibel (je nach Körperstelle)

Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
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