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Ann-Kathrin Schäfer
Hintergrund

Hund und Katze: So werden sie Freunde

Du willst dir zu deinem Hund eine Katze anschaffen – oder andersrum? Zwei Expertinnen erklären, wie daraus eine Freundschaft entstehen kann.

«Wie Hund und Katze» sagt man, wenn zwei gar nicht miteinander können. Und trotzdem leben beide Tiere nicht selten im selben Haushalt zusammen. Auch ich spiele mit dem Gedanken, zusätzlich zu meinem Hund Katzen zu adoptieren.

Kann das gut gehen – und wenn ja, wie? Ich frage bei zweien nach, die es wissen müssen, zumal sie schon zahlreiche Hund- und Katzen-Vergesellschaftungen begleitet haben: Astrid Becker, Präsidentin des Aargauischen Tierschutzes (ATS), und Mercy Effila, Tierheimleiterin des ATS in Untersiggenthal.

Astrid Becker vor dem Tierheim in Untersiggenthal mit Katze …
Astrid Becker vor dem Tierheim in Untersiggenthal mit Katze …
Quelle: Ann-Kathrin Schäfer
... und Mercy Effila mit Hund. Die beiden Frauen setzen sich für alle Haustierarten ein.
... und Mercy Effila mit Hund. Die beiden Frauen setzen sich für alle Haustierarten ein.
Quelle: ATS

Kommt es im Tierheim öfter vor, dass Menschen Hund und Katze vergesellschaften wollen?
Mercy: Ja, das kommt immer mal wieder vor.

Warum kommen Menschen überhaupt auf die Idee, die zwei Tierarten zusammen zu halten?
Mercy: Schon früher auf den Bauernhöfen hielt man Hund und Katze zusammen: den Hund als Begleiter und die Katze als Maus- und Rattenfängerin. Dort konnten sich die Tiere frei bewegen. Heute leben die meisten in Wohnungen oder kleinen Häusern. Trotzdem ist der Wunsch nach der Gesellschaft der Tiere geblieben.

Die Traumvorstellung wäre ja, dass Hund und Katze zusammen in einem Bett kuscheln. Wie realistisch ist das?
Astrid: Meistens funktioniert es sehr gut. Und manchmal liegt dann die Katze im grossen Hundebett und der Hund im kleinen Katzenbett. (lacht)

Weggegangen, Platz vergangen!
Weggegangen, Platz vergangen!
Quelle: ATS

Wie kann solch eine Freundschaft überhaupt entstehen? Draussen reagieren Hund und Katze ja meist nicht besonders freundlich aufeinander.
Mercy: Es sind doch beides Säugetiere. Wenn sie zusammenleben, entwickeln sie untereinander ihre eigene Kommunikation. Ich würde behaupten, sie können miteinander besser kommunizieren als wir Menschen mit ihnen. Hunde beschützen zudem alles, was zu ihrem Rudel gehört – und sie lernen, dass auch Katzen dazugehören.

Wo kommt es zu Missverständnissen zwischen den beiden Tierarten?
Mercy: Ein grosser Unterschied in der Kommunikation ist der direkte Augenkontakt. Ein Hund versteht es als Bedrohung, wenn man ihn direkt anschaut, für eine Katze ist das ein Zeichen von Freundlichkeit. Katzen schauen in die Augen und zwinkern, wenn sie einem wohlgesinnt sind, Hunde drehen den Kopf weg.

Was sind eurer Erfahrung nach gute Voraussetzungen für eine Freundschaft zwischen Hund und Katze?
Mercy: Welpen und Kitten gewöhnen sich sofort aneinander. Gut sind auch Tiere, die schon positive Erfahrungen gemacht haben. Eine Katze, die draussen von einem Hund gejagt wurde, wird selten mit einem Hund kuscheln. Vielleicht wird sie ihn akzeptieren – aber Freundschaft wird schwierig. Astrid: Die Hunderasse spielt auch eine Rolle. Retriever sind zum Beispiel sehr sozial, klassische Jagdhunde eignen sich weniger.

Was entscheidet letztlich darüber, ob das Zusammenführen klappt?
Mercy: Geduld. Und positive Verstärkung.

Habt ihr Beispiele, wo die Vergesellschaftung überraschend gut funktioniert hat?
Mercy: Ja, wir haben kürzlich einen kräftigen American Bulldog vermittelt. Ich hätte nie gedacht, dass er mit Katzen kann. Der Besitzer hat zwei Büsi und war überzeugt, dass es klappen würde. Wir hatten alle Bedenken. Jetzt liegen sie zusammen auf dem Sofa und fressen aus demselben Napf. Der Halter hat das gespürt – und seine positive Einstellung und sein Glaube, dass das klappt, haben sicher geholfen. Astrid: Wir haben schon herzige Sachen erlebt, beispielsweise dass ein Golden Retriever die Katzen abgeschleckt hat, bis sie klitschnass waren.

Hattet ihr auch schon Fälle, in denen es nicht funktioniert hat?
Mercy: In einem Fall zog ein Hund neu ein. Danach kam die Katze kaum mehr nach Hause und urinierte in die Wohnung. Wenn die Katze zuerst da ist, ist es immer schwieriger.

Wieso?
Mercy: Mit dem Hund kann man arbeiten, er ist auf den Menschen sozialisiert und ein Rudeltier. Die Katze will ihr Zuhause nicht unbedingt teilen, sie ist eigenständiger.

Katzen sind, bleiben oder werden Chef, ob mit Hund oder ohne. Dieses Schild prangt neben dem Tisch im Tierheim, wo wir unser Gespräch führen.
Katzen sind, bleiben oder werden Chef, ob mit Hund oder ohne. Dieses Schild prangt neben dem Tisch im Tierheim, wo wir unser Gespräch führen.
Quelle: Ann-Kathrin Schäfer

Ich habe schon einen Hund: einen Labrador, der knapp zehn Jahre alt ist und noch nie mit Katzen zusammengelebt hat. Wie stehen die Chancen, dass er sich mit Katzen arrangieren könnte?
Mercy: Sehr gut. Meine Hündin war im gleichen Alter, als ich eine Katze adoptierte.

Oh, schön. Und das ging gut?
Mercy: Ja. Und das, obwohl sie draussen regelmässig Katzen jagte. Als ich die Katze heimbrachte, hatte meine Hündin vor allem Angst: Dass das Jagdobjekt plötzlich in der Wohnung war, irritierte sie. Aber die Katze rannte nicht weg und daher machte auch das Jagen keinen Spass. Eine tiefe Freundschaft entstand nicht, aber sie akzeptierten sich – das ging tipptopp.

Zusammenführung geglückt: Mercy Effila auf dem Sofa mit Hund und Katze.
Zusammenführung geglückt: Mercy Effila auf dem Sofa mit Hund und Katze.
Quelle: Mercy Effila

Welche Vorbereitungen können Tierhaltende treffen, damit die Vergesellschaftung gelingt?
Mercy: Wir empfehlen einen Geruchsaustausch: den Hund mit einem Handtuch abreiben und den Katzen geben – und andersrum. Noch besser ist es, Haare aus der Bürste zu tauschen, ohne den Geruch von Parfüm und Waschmittel. Astrid: «Ich mag dich riechen» klingt komisch, aber das gilt für Tiere ganz besonders. Der Geruch ist für Tiere das Wichtigste.

Wie geht man vor, wenn das neue Tier einzieht?
Mercy: Am Anfang trennen, zum Beispiel mit einem Babygitter. Astrid: Dadurch können sie sich beschnüffeln. Später nimmt man den Hund an die Leine und öffnet das Gitter. Mercy: Zuerst nur kurz, vielleicht zehn Minuten. Ruhiges Verhalten belohnt man mit ruhiger Stimme und Leckerlis. Wenn das gut läuft, steigert man die Dauer.

Woran merke ich, dass es gut läuft?
Mercy: Wenn sich der Hund entspannt, sich hinlegt, die Augen schliesst. Wenn die Katzen sich normal bewegen und nicht geduckt laufen.

Die Dogge hat immer noch keinen Schlafplatz, aber wohl fühlen sich die drei offenbar miteinander.
Die Dogge hat immer noch keinen Schlafplatz, aber wohl fühlen sich die drei offenbar miteinander.
Quelle: ATS

Was sind Alarmsignale, bei denen man ein Aufeinandertreffen abbrechen sollte?
Mercy: Wenn sie aufeinander losgehen. Der Hund knurrt und prescht nach vorne. Die Katze bekommt einen buschigen Schwanz, richtet die Ohren nach vorne und rennt Richtung Hund, dann muss man die Augen des Hundes schützen. Letzteres passiert aber eigentlich nur draussen, wenn wilde Katzen von Hunden verfolgt werden. Astrid: Wichtig ist in solchen Momenten, ruhig zu bleiben. Tiere riechen unseren Stress, bevor wir ihn überhaupt wahrnehmen. Die Tiere trennen – aber nicht schimpfen, sondern die Situation verändern, zum Beispiel mit dem Hund spazieren gehen. Wenn man die Tiere bestraft, macht man mehr kaputt. Stattdessen durchatmen, ignorieren, bis zehn zählen.

Wie lange dauert es in der Regel, bis sich Hund und Katze aneinander gewöhnen?
Mercy: Wenn Katzen einziehen, gilt die 3-3-3-Regel: Drei Tage in Ruhe ankommen lassen, drei Wochen akklimatisieren, nach drei Monaten fühlen sie sich zu Hause. Die Regel kann man auch gut auf die Vergesellschaftung von Hund und Katze anwenden. Bei jungen Tieren geht es schneller. Astrid: Zu viel einmischen sollte man sich übrigens nicht, solange es keine Verletzungen gibt. Tiere klären die Rangordnung untereinander. Auch Geschwister streiten sich mal und lieben sich trotzdem.

Mensch, für dich ist jetzt halt kein Platz mehr auf dem Sofa, sorry gell.
Mensch, für dich ist jetzt halt kein Platz mehr auf dem Sofa, sorry gell.
Quelle: Mercy Effila

Woran erkennt man, dass sich die Tiere miteinander nicht wohlfühlen?
Mercy: Ein Hund zeigt Frustration. Manche markieren am Katzenbaum. Die meisten Hunde akzeptieren aber jeden neuen Mitbewohner mit der Zeit. Astrid: Katzen ziehen sich zurück, spielen nicht mehr oder werden unsauber. Tiere können ja nicht sprechen und zeigen uns anders, wenn sie unzufrieden sind. Oft kann man kleine Dinge anpassen und es bewirkt schon viel. Funktioniert es wirklich gar nicht, sollte man das Tier abgeben, das neu dazu kam. So schwer es fällt.

Welchen Punkt findet ihr am wichtigsten, damit eine Vergesellschaftung von Hund und Katze gut gelingt?
Mercy: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Astrid: Wichtig finde ich auch, dass das erste Tier die Nummer eins bleibt. Es muss gleich viel Aufmerksamkeit und Liebe bekommen wie vorher, damit keine Eifersucht aufkommt.

Manchmal endet das Ganze genauso, wie man es sich vorstellt: Der Hund teilt sein Zuhause und sein Bett.
Manchmal endet das Ganze genauso, wie man es sich vorstellt: Der Hund teilt sein Zuhause und sein Bett.
Quelle: Mercy Effila

So gelingt die Vergesellschaftung von Hund und Katze – Tipps vom Aargauischen Tierschutz

  • Geruchsaustausch: vor dem Einzug den Hund mit einem Handtuch abreiben und den Katzen geben – und andersrum. Oder Haare aus der Bürste des jeweils anderen ins Bett legen.
  • Hohe Kratzbäume mit erhöhten Liegeflächen, an die der Hund nicht herankommt – und viele Versteckmöglichkeiten für die Katze bereitstellen.
  • Die Katze muss in einem separaten Bereich, erhöht auf einer Kommode oder auf einem tiefen Regalbrett in Ruhe essen können.
  • Das Katzenklo muss an einem Ort stehen, zu dem der Hund keinen Zugang hat. Oder man wählt ein geschlossenes WC und platziert den Eingang an der Wand, sodass nur die Katze durchpasst.
  • Anfangs die Tiere trennen, zum Beispiel durch ein Babygitter. Wenn sie entspannt wirken, dürfen die ersten Begegnungen stattfinden. Dabei bleibt der Hund an der Schleppleine, bis man merkt, dass es keine Verletzten geben wird. Erst wenn die Treffen entspannt ablaufen, lässt man die Schleppleine weg. Klappt das über längere Zeit problemlos, dürfen die beiden auch mal unbeaufsichtigt bleiben.
  • Das Tier, das zuerst da war, gleich gut behandeln wie vor dem Einzug des Neuankömmlings.
  • Ganz wichtig: viel Geduld!
Titelbild: Ann-Kathrin Schäfer

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Eigentlich bin ich Journalistin, in den letzten Jahren aber auch vermehrt als Sandkuchenbäckerin, Familienhund-Trainerin und Bagger-Expertin tätig. Mir geht das Herz auf, wenn meine Kinder vor Freude Tränen lachen und abends selig nebeneinander einschlafen. Dank ihnen finde ich täglich Inspiration zum Schreiben – und kenne nun auch den Unterschied zwischen Radlader, Asphaltfertiger und Planierraupe. 


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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