Im Bann der Erotik
Meinung

Im Bann der Erotik

Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Zürich, am 12.08.2020
Bilder: Thomas Kunz
Eine halb nackte Frau in den Armen eines halb nackten Mannes. Die Buchcover der sogenannten Nackenbeisser-Romane sind so austauschbar wie die Love-Storys dahinter. Aber eins muss man diesen Juwelen der Unterhaltungsliteratur lassen: Ihr Mut zur kitschigen Erotik fesselt.

Energisch wendete Eleanor ihr Gesicht von seinem ab und legt damit die zarte Alabasterhaut an ihrem Hals frei. Sein Griff, immer noch stark und unnachgiebig, umklammerte ihre Schultern, während sein Blick der pulsierenden Ader an ihrem Hals entlang hoch wanderte und an ihren geröteten Wangen innehielt. Es war dieselbe Röte, aus jener Nacht, als sie sich ohne Scheu vor Konsequenzen ihrer verbotenen Leidenschaft hingegeben hatten. Ach wäre diese Frau doch nicht so stur und eigensinnig, dachte sich Rufus. Sie könnten gemeinsam auf seine Burg ziehen, zahlreiche Nachkommen zeugen und bis in alle Ewigkeit in der Wonne ihrer unergründlichen Liebe baden. Bei dem Gedanken huschte ihm ein spitzbübisches Schmunzeln übers Gesicht, das Eleanor nicht entging. Ihr Kopf schnellte zurück und ihre Augen blitzten ihn herausfordernd an. «Was bitte amüsiert dich Rufus?», zischte Eleanor herausfordernd, während sie versuchte, das bittersüsse Glühen auf ihren Schultern zu ignorieren, für das seine Hände verantwortlich waren. Eigentlich wollte sie sich nur heimlich mit ihm treffen, um über die missliche Lage zu sprechen, in der sie steckten. Dass sie in seiner Nähe keinen klaren Gedanken fassen konnte, hätte sie sich eigentlich denken können.

In Sachen seichter Unterhaltung toppt nichts einen «Nackenbeisser». Diese kitschigen Liebesromane drehen sich immer um dieselben Themen: eine verbotene Leidenschaft, ein dunkles Geheimnis und bedingungslose Liebe. Und obwohl sie literarisch gesehen anspruchslos sind, wie die von mir kurz zusammengedichteten Zeilen zeigen, kann ich meine Finger nicht von ihnen lassen. Weshalb? Sie erzeugen Spannung. Aber nicht durch ihre Rahmenhandlung, sondern mithilfe schnörkelhaft beschriebener Sex-Szenen, auf die ich als Leser hinfiebere.

Rufus stahlharte Brust schmiegte sich an ihre weichen Rundungen. Benebelt von seinem Atem, schloss sie kurz die Augen, um sich zu sammeln. Ehe sie ihre Augen wieder aufschlagen konnte, fühlte sie bereits seine weichen Lippen auf ihren, während ihr die kalte, nasse Steinmauer hinter ihr einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Seine Zunge arbeitete sich spielerisch in ihren Mund und sie liess ihn gewähren. Eleanors Körper erwiderte sein Verlangen, das wie ein Gewitter über sie hereinbrach. Ihr Körper wölbte sich unwillkürlich seinen fordernden Händen entgegen, die sich an ihrem Kleid zu schaffen machten. Mit einem Ruck riss er den Stoff entzwei und entblösste ihre Weiblichkeit. Ihre Bedenken taten es ihrem Kleid gleich und glitten zu Boden. Eleanors zierliche Finger tanzten zielstrebig über sein Leinenhemd in Richtung Lederhose, bis sie schliesslich fanden, wonach sie suchten.

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Editor, Zürich
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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