In-Ear-Sportkopfhörer im Test: Powerbeats und Powerbeats Pro

In-Ear-Sportkopfhörer im Test: Powerbeats und Powerbeats Pro

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 30.04.2020
Klarer Sound, angenehmer Sitz und eine lange Batterielaufzeit. Das zeichnen die Sportkopfhörer Powerbeats und Powerbeats Pro von Apple aus – sogar unter der Dusche.

Wer schlägt, Verzeihung beats, meine SoundSport Free? Seit zwei Jahren schwöre ich, egal ob Jogging oder Gym, auf die True-Wireless-Sportkopfhörer von Bose. Sie sitzen angenehm in meinen Ohren, der Sound passt, ebenso die Batterielaufzeit und sie sind einfach zu bedienen. Was will ich mehr? In dieser Zeit sind jedoch einige neue Produkte diverser Hersteller hinzu gekommen. Unter anderem von Beats by Dr. Dre respektive von Apple.

Und da ist mir hier kürzlich dieser Kommentar besonders ins Auge gestochen: «Qualität gibt's fürs Geld nur von Bose und Sony.»

Vorurteile: über Bord werfen

Cooles Design, mittelmässiger Sound und teuer. Das war, kurz gesagt, bisher meine Haltung zu den Kopfhörern von Beats. Ich hatte vor einigen Jahren mal Powerbeats der ersten Generation. Fazit damals: cooles Design, mittelmässiger Sound, teuer und schlechte Batterielaufzeit. Jeder verdient eine zweite Chance und Vorurteile wollen widerlegt oder bestätigt werden. Also, auf geht’s: Ich teste die Powerbeats und Powerbeats Pro.

Powerbeats Pro (Black)
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224,91statt 249,99
Beats Powerbeats Pro (Black)

Design: stark

Das Design war bei Apple Produkten noch nie die Schwäche. Im Gegenteil. Sowohl die Powerbeats als auch die Pro Variante überzeugen mich mit ihrem Äusseren. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Ich finde: Keiner kann Design wie Apple. Und die Werbung für ihre Produkte? Vielleicht ist Werbung generell darauf aus, uns zu veräppeln. Die von Apple kann sich auf jeden Fall wie immer sehen lassen:

Specs: H1 Power

Soviel zum Äusseren. Was steckt im Inneren der beiden In-Ear-Kopfhörer? Unter anderem der H1 Chip, den du möglicherweise bereits von den AirPods der neuen Generation kennst. Er ist das Herzstück und in beiden Modellen verbaut. Der Chip sorgt unter anderem dafür, dass sich die Kopfhörer schnell über Bluetooth mit den gekoppelten Geräten verbinden. Egal, ob Android-Phone, iOS-Tablet oder Garmin-Sportuhr: Das funktioniert bei beiden Modellen tadellos. Die Verbindung ist stabil und es gibt keine nennenswerten Unterbrechungen.

Ausserdem punkten die Hörer bei der Reichweite. Auch wenn mein Phone im Schlafzimmer liegt, habe ich in der Küche beim Kaffee kochen Musik in den Ohren. Das ist tatsächlich Musik in meinen Ohren, denn das Schlafzimmer und die Küche sind die am weitesten voneinander entfernten Räume in meiner Wohnung. Dazwischen liegen gut 25 Schritte. Und das klappt bei den eingangs erwähnten SoundSport Free von Bose nicht. Da ist spätestens an der Küchentüre Schluss und die Verbindung unterbricht.

Bei voller Ladung liefert die Lithium-Ionen-Batterie der Powerbeats bis zu 15 Stunden, diejenige der Powerbeats Pro bis zu 9 Stunden Musikwiedergabe. Mit dem Ladecase kommst du bei den Pros sogar auf 24 Stunden. So oder so; genug Saft für ein langes Workout oder einen Marathon.

Beide Modelle sind je 5.6 Zentimeter hoch, wobei die Powerbeats mit 26.3 Gramm etwas schwerer sind als die Pros mit 20.3 Gramm. Ein Wermutstropfen ist hier das Ladecase. Einerseits kommt es, typisch Apple, sehr stylisch daher. Andererseits ist es mit 7.7 Zentimetern Höhe eher klobig.

Filigrane Buds, klobiges Case und ein bisschen Schattenspiele
Filigrane Buds, klobiges Case und ein bisschen Schattenspiele

Im Lieferumfang enthalten sind:

  • Powerbeats Pro In-Ear-Kopfhörer komplett ohne Kabel oder kabellose Powerbeats In-Ear-Kopfhörer
  • Ladecase oder Etui
  • Ohreinsätze in vier verschiedenen Grössen
  • Lightning auf USB-A Ladekabel
  • Kurzanleitung
  • Garantiekarte

Bedienung: kinderleicht

Sind die Kopfhörer konfiguriert, werden sie automatisch von den Geräten erkannt, die bei iCloud angemeldet sind und iOS 10 oder neuer, macOS Sierra oder neuer und watchOS 3 oder neuer verwenden. Wenn du ein Android-Gerät hast, lade die Beats-App für Android im Google Play Store herunter. Beide Powerbeats stellen automatisch eine Verbindung zum letzten Gerät her, mit dem sie verwendet wurden. Um sie mit einem anderen Gerät zu verbinden, befolgst du die Schritte auf dem jeweiligen Gerät. Um die Firmware der Hörer auf dem aktuellsten Stand zu halten, verwendest du entweder den Beats Updater oder die Beats App für Android.

Powerbeats und Powerbeats Pro verfügen über eine Sprachsteuerung. Diese funktioniert auf iOS Geräten freihändig via «Hey Siri». Bei allen anderen Geräten aktivierst du die Sprachsteuerung über eine der beiden b-Tasten an den Seiten der In-Ear-Kopfhörer. Keine meiner Lieblingsfunktionen, da ich weder beim Intervall-Training im Wald noch beim Jumping Squad im Wohnzimmer Anrufe entgegennehme oder rasch den Börsenkurs checke. Beim Sport mache ich Sport und sonst nichts. Währenddessen mit Siri oder sonst wem zu sprechen, lenkt mich ab. Das mag ich nicht.

Apropos Lieblingsfunktionen: Davon haben die Powerbeats Pro einige. Beide Buds verfügen zum Beispiel über eigene Bedienelemente. Du kannst deine Musik, Anrufe etc. einzeln links und rechts steuern. Oder die automatische Wiedergabe: Die Kopfhörer erkennen über Sensoren, ob sie sich in deinen Ohren befinden und beginnen automatisch mit der Wiedergabe. Nimmst du einen der Buds auf dem Ohr, unterbricht die Musik. Setzt du ihn wieder ein, läuft die Musik weiter.

Bei den Powerbeats funktioniert die Steuerung klassisch. Links schaltest du die Kopfhörer ein und aus. Ausserdem steuerst du hierüber das Pairing. Rechts bedienst du die Lautstärke, tippst dich durch deine Musik und nimmst Anrufe entgegen.

Sound: für den Sport gemacht

Das ist so eine Sache mit dem Sound. Ich bin kein Tontechniker. Daher masse ich mir nicht an, den Klang der beiden Kopfhörer abschliessend beurteilen zu wollen. Die einen mögen mehr Bässe, die anderen weniger. Für die einen schwächelt das Klangbild in der Mitte, für die anderen in den Höhen. Vielleicht hörst du während des Trainings Old School Hip Hop, vielleicht Mozart. Was weiss ich.

Nur soviel: Der Hersteller verspricht für beide Modelle einen kraftvollen, ausgewogenen Sound mit dynamischem Klangspektrum und Geräuschisolierung. Für mich passt das. Sowohl die Powerbeats wie auch die Pros liefern einen für den Sportgebrauch satten, klaren Sound mit anständig Bass. Ausserdem kommt es beim Streamen zu keiner wahrnehmbaren Latenz. Bild und Ton laufen synchron. Insgesamt bin ich vom Sound dieser In-Ear-Kopfhörer positiv überrascht.

Eher Hip Hop statt Mozart
Eher Hip Hop statt Mozart

Tragekomfort: kabellos oder doch True-Wireless?

Frage: Wann ist ein Kopfhörer kabellos? Ich bin kein Kabelexperte, aber Texter. Und da will es mir einfach nicht in meinen Texterkopf, dass das erste was ich sehe, wenn ich die Verpackung der kabellosen Powerbeats öffne, ausgerechnet ein Kabel ist. Auch wenn dieses Kabel nur die beiden Ear-Buds miteinander verbindet. Ja, ich weiss, bei den Powerbeats Pro handelt es sich dann um sogenannte True-Wireless-Kopfhörer. Dann müssten die anderen konsequenterweise Untrue-Wireless-Kopfhörer heissen oder so. Okay, genug gemotzt. So wichtig ist dieses Detail dann doch wieder nicht.

Das Verbindungsstück des Anstosses
Das Verbindungsstück des Anstosses

Die Kabellosen, also die mit dem Kabel, sind beim Joggen angenehm zu tragen. Das Kabel stört mich nicht. Ich bin aufs Laufen und die Musik konzentriert. Das passt. Zuhause im Wohnzimmer bei Liegestütz und Jump Squad sieht das leider anders aus. Da nervt mich das Teil in meinem Nacken. Auch wenn es von Apple überarbeitet wurde, neuerdings rund daher kommt und im Herstellerjargon Verbindungsstück heisst. Das klebende Plastikdings stört mich.

Ganz im Gegensatz zu den Powerbeats Pro, den True-Wireless-Kopfhöhrern, die sowohl beim Joggen als auch beim Bodyweight-Training zuhause angenehm in meinen Ohren sitzen. Sie verrutschen nicht, fallen nicht heraus und führen auch nach über zwei Stunden zu keinen unangenehmen Druckstellen. So muss das sein. Sogar an die Ohrbügel habe ich mit unterdessen gewöhnt.

Beide Modelle sind schweiss- und wasserbeständig. Ich mache die Probe aufs Exempel und gehe mit ihnen unter die Dusche. Vorsichtig zwar, ich halte nicht gleich den Kopf unter die Brause, aber ich dusche damit. Und das machen beide Kopfhörer mit. Chapeau.

Fazit: Zeit, die Vorurteile loszulassen

Ich habe die Powerbeats und Powerbeats Pro während zwei Wochen getestet. Habe damit zuhause Bodyweight-Training betrieben, war mit ihnen joggen und sogar unter der Dusche. Wie eingangs erwähnt, sollte ein Sportkopfhörer mit klarem Klang, angenehmem Sitz und langer Batterielaufzeit überzeugen. Beide Powerbeats haben einen klaren Klang, einen guten Akku und sitzen angenehmem.

Sie sind einfach zu bedienen, speziell die Pros überzeugen mich mit der unabhängigen Steuerung über den linken und rechten Bud. Egal, ob iOS oder Android: Koppeln und Verbinden über Bluetooth funktioniert problemlos und die Verbindung ist jederzeit stabil. Abzüge gibt's bei den Powerbeats für das Kabel, das mich beim Workout stört. Bei den Pros ist es die Grösse des Ladecase, die negativ auffällt.

Mit 150 respektive 200 Franken (Euro) kosten die Powerbeats und Powerbeats Pro eine Stange Geld. Die vergleichbaren Modelle von Bose sind nur unwesentlich günstiger. Jene von Sony kosten in der kabellosen Variante rund 30 Franken, als True-Wireless-Kopfhörer etwa 60 Franken (Euro) weniger.

Vorurteile wollen widerlegt oder bestätigt werden. Ja, ich hatte meine Vorbehalte gegen die Powerbeats von Apple. Nun, zwei Wochen und einige Stunden Sport später, muss ich meine Meinung revidieren. Speziell die Pros haben es mir mit ihren Features angetan. Und wenn schon kabellos, dann bitte in der True-Wireless-Variante. Dafür investiere ich auch gerne ein paar Franken mehr.

Qualität gibt's fürs Geld eben nicht nur von Bose und Sony. Sondern auch von Apple.

Neben diesen zwei Sportkopfhörern findest du hier rund 2600 weitere Modelle diverser Marken. Und einem von rund 270 Autoren bei digitec Galaxus folgst du hier.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Senior Editor, Zürich
Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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