Jabra Elite Sport – Der bessere Knopf im Ohr

Jabra Elite Sport – Der bessere Knopf im Ohr

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 28.11.2016
Die jüngste Generation der kabellosen Kopfhörer mit integriertem Fitness-Tracker ist hier. Ihr Vorreiter: Der Jabra Elite Sport. Ich hab die zwei Stecker im Ohr getestet, damit ihr nicht die Katze im Sack kaufen müsst.

Bisher hattest du bei digitec die Auswahl aus 841 In-Ear und 1292 Muschelkopfhörern. Bald nicht mehr. Nicht, weil wir das Angebot verkleinern, sondern weil Apple, HTC und andere Smartphone-Hersteller den Kopfhörer-Anschluss, der seit 1878 im Einsatz ist, abschaffen. Aus einer Auswahl aus tausenden Kopfhörern werden nun einige hundert, Tendenz steigend.

Kopfhörer
Jabra Elite Sport (In-Ear)
11

True Wireless Sportkopfhörer mit Herzfrequenzmessung, Bewegungssensor und In-Ear Audio-Coaching.

Darum wollen wir uns die neuesten Kopfhörer der Zukunft ansehen: Die Elite Sport von Jabra. Ich habe ein Testmodell angesehen, das laut dem Hersteller nicht die finale Version des Geräts ist. Daher werde ich das endgültige Modell beizeiten auch noch unter die Lupe nehmen.

Der High-Tech-Knopf im Ohr

Merkt euch dieses Video gut. Denn Jabra hat hier schon mal etwas recht Wundervolles geschafft und einen grossen Teil der Betriebsanleitung mit dem Video ersetzt. Das einzige, was fehlt, ist das initiale Pairing mit dem Smartphone. Das geht so:

  1. Stecker ins Ohr
  2. Drücke Volume Down auf dem linken Hörer und den Kreis auf dem rechten Hörer gleichzeitig für fünf Sekunden
  3. Folge den Anweisungen, die dir die Dame im Ohr gibt

Danach kannst du die Jabra Elite Sport als vertrautes Gerät hinzufügen und sie verbinden sich automatisch ab dem Moment, an dem du das kleine Charging Case öffnest. Das hat in meinem Test, der etwa einen Monat gedauert hat, jedes Mal funktioniert. Ohne Fehler, ohne Probleme.

Zu Beginn meines Tests hat die Jabra-App, die für die ganzen Fitness-Funktionen benötigt werden, die Elite Sport noch gar nicht gekannt. Support für das Gerät wurde erst etwa Mitte November der App hinzugefügt. Die App könnte etwas übersichtlicher sein, denn die Programmierer bei Jabra haben sich viel vorgenommen. Die App unterstützt viele Trainingsarten, gruppiert sie aber in vordefinierte Programme. Mein Favorit ist YouVsBarbell, also Du gegen die Hantel. Dieses Programm enthält:

  • Deadlifts
  • Cleans
  • Push Presses
  • Thrusters

Ihr wisst nicht, was das ist? Kein Problem, denn Jabra hat für jede Übung ein YouTube-Video erstellt, das ihr per Knopfdruck ansehen könnt. Die Deadlifts, auf deutsch Kreuzheben, sehen so aus.

Die Videos sind eigentlich nur per App zugänglich, ausser man hat den Direkt-YouTube-Link. Wenn ihr etwas detailliertere Informationen zum Deadlift wollt, ich kann euch die Videos von Fitnesscoach Alan Thrall empfehlen.

Das zeigt auch, dass Jabra sich nicht einfach mit einem Tracker für Ausdauersportler zufrieden gibt. Die Elite Sport haben sogar einen eingebauten Rep-Counter, also einen Zähler für Wiederholungen. Das erklärt auch, weshalb die Übungen in Programmen angeordnet sind. Diese spielen natürlich die Vorteile der App aus. Mit dem integrierten Rep-Counter musst du nur einmal das Headset bedienen, um den sogenannten Circuit und die Musik einzustellen und dann kannst du bis zum Ende des Trainings ohne Unterbruch durchpowern.

Im Alltag fast passabel

Für den Preis müssen die Jabra Elite Sport aber mehr können, als nur im Fitnesscenter zu bestehen. Sie müssen auch im Alltag funktionieren, denn wer hat schon das Geld und die Motivation, sich zwei paar Kopfhörer zu kaufen. Einige von euch wahrscheinlich, ich aber nicht. Ich finde die Kopfhörer im Training zwar recht unterhaltsam, aber nicht notwendig. Ich kann ganz gut ohne und bevor die Trackerfunktionen besser für Gewichtheber geeignet sind, sehe ich darin für mich persönlich keinen grossen Nutzen.

Im Alltag hingegen will ich gute Kopfhörer, denn der morgendliche Lärm im Pendlerverkehr ist mir oft einfach zu viel. Ich geniesse meine zehn Minuten Musik am Morgen, in denen ich im Bus Musik hören kann. Heute morgen, wenn wir schon mal dabei sind, lief bei mir «Scream Out» von The Unseen, basierend auf meiner Listening-History in Spotify.

Der Sound der Jabra Elite Sport ist sehr gut. Satte Bässe, schöne Hochtöne, gute Noise Cancellation. Die In-Ear-Hörer genügen wohl nicht dem Goldstandard oder definieren den Sound der Kopfhörer als Gerätetyp neu, aber sie klingen gut und machen Laune.

Einzig die Bedienelemente auf den Ohrhörern sind etwas seltsam. Was du für den folgenden Absatz wissen musst, ist dies: Es ist mir genau einmal passiert. Also, die Knöpfe auf den Hörern müssen gedrückt werden, anders als beim Konkurrenzprodukt Bragi Dash, wo die Entwickler eine touch-sensitive Oberfläche verbaut haben. Ich habe es geschafft, irgendwie zu fest zu drücken und einen Nerv in meinem Ohr zu treffen. Mir ist zwar nichts passiert, aber es hat extrem weh getan. Seid also vorsichtig, bis ihr euch an den Druckpunkt der Kopfhörerbedienelemente gewöhnt habt.

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Nichts für offene Felder

Was mir aber wesentlich mehr Kopfschmerzen bereitet, sind die regelmässigen Ausfälle, denn wie alle Bluetooth-Kopfhörer, die ich bisher getestet habe, sind die Jabra Elite Sport anfällig für Ausfälle. Das geschieht an den üblichen Orten, wo auch die anderen Hörer gescheitert sind. Sobald eine Wand fehlt, an der das Bluetooth-Signal abprallen kann, wirds schwierig. Vereinfacht gesagt, ist ein Bluetooth-Signal so aufgebaut, dass das Sendegerät einfach mal in alle Richtungen strahlt, dann von irgendwoher abprallt und dann auf das Empfangsgerät trifft. Wenn die Wand fehlt oder Oberflächen da sind, die das Bluetooth-Signal absorbieren, dann kann die Verbindung scheitern. Es gibt noch eine Vielzahl anderer Faktoren, die auf die Stärke des Bluetooth-Signals Einfluss nehmen können, doch die Orte, an denen die Elite Sport nicht funktionieren sind in der Regel solche, an denen keine Wände sind.

Das hier ist eine musikfreie Zone

Wenn eine direkte Sichtlinie zwischen dem Sende- und Empfangsgerät besteht, dann ist das Problem hinfällig, was die unsäglichen Lautsprecher in der Badi erklärt, aber wie oft hast du im Alltag eine direkte Sichtlinie zwischen deinem Handy und deinem Ohr?

Im Vergleich mit den Bragi Dash sind die Ausfälle kürzer und kommen weniger oft vor. Da die Dash schon einige Jahre auf dem Buckel haben und die Jabra Elite Sport brandneu sind, ist der technologische Fortschritt offensichtlich. Daher wage ich mal die gewagte These, dass sich das mit den Verbindungsschwierigkeiten im Laufe der kommenden Jahre erledigen wird.

Zeit für das Fazit

Die Jabra Elite Sport sind gute Kopfhörer für Städter und solche, die ihre Kopfhörer in einem Raum benutzen. Im Fitnessstudio zum Beispiel, denn die Knöpfe im Ohr bieten detaillierte Analysen, die mehr oder weniger passen. Mir fehlt zwar der Gegentest mit der Polar-Uhr, aber die Werte, die die Jabra Elite Sport ausgegeben haben, decken sich plusminus 10 Prozent mit den Werten, die ich damals erhalten habe.

Aber Vorsicht: Auch wenn die Jabra App Video-Instruktionen für Übungen bietet, welche die Elite Sport tracken können, ersetzen sie den Trainer im Fitnessstudio nicht. Gerade bei Übungen wie Deadlifts gilt: Wenn du nicht weisst, wie sie funktionieren, solltest du dich nicht auf ein YouTube-Video verlassen. Frag unbedingt einen Trainer in deinem Studio. Ich sage das nicht, weil die Videos in der App schlecht sind, sondern weil jede Deadlift-Technik anders aussieht und grosse Risiken für deine Gesundheit bestehen, wenn du sie regelmässig falsch machst. Stichwort hier ist Bandscheibenvorfall. Bitte halte dir Sorge.

Im Alltag sind die Jabra Elite Sport gute Musik-Kopfhörer, die nur in offenen Umgebungen scheitern. Für den Alltag sind sie aber absolut passabel.

Kurz: Wenn du einen guten Universal-Kopfhörer willst und etwas tiefer in die Tasche greifen willst, dann bist du mit den Jabra Elite Sport sicherlich gut unterwegs.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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