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Kim Muntinga
Kritik

Karten-Krimi auf dem Rasen: Warum «Nutmeg!» leider nur die Ersatzbank hütet

Kim Muntinga
31.3.2026
Bilder: Kim Muntinga

Als Fußballmanager-Veteran weiß ich, was das Genre kann. «Nutmeg!» zeigt mir, was passiert, wenn eine mutige Idee an fehlender Tiefe und zu viel Zufall scheitert.

Ich bin mit Fußballmanagern aufgewachsen. Von den glorreichen Tagen eines «Anstoss» oder des «Bundesliga Managers» über EAs Hochglanz-«Fussball Manager»-Serie bis hin zum exzessiven Daten-Wahn des «Football Managers» von Sega. Ich habe sie alle gespielt. Es ging immer um Kontrolle: Zahlen verstehen, Systeme bauen und optimieren, besser planen als die Konkurrenz.

Und dann kommt «Nutmeg!».

Ein Spiel, in dem ich plötzlich Karten ziehe.

Ich starte wie gewohnt: kleiner Klub, große Ambitionen. Doch statt an Taktiken zu feilen, halte ich Boost-Karten in der Hand und merke schnell, dass nicht mehr nur meine Planung entscheidet, sondern auch das, was mir das Spiel gerade gibt.

Das überrascht und irritiert mich. Auch, weil ich Deckbuilder eigentlich mag. Kombinationen bauen, Synergien entdecken. Das kenne ich. Aber in einem Fußballmanager fühlt sich dieses Element anders an.

Ungewohnt, fremd und manchmal einfach falsch.

Die Übersicht zeigt Kader, Spielplan und Ziele für die laufende Saison auf einen Blick.
Die Übersicht zeigt Kader, Spielplan und Ziele für die laufende Saison auf einen Blick.

Ein Büro, das mich sofort verführt

Bevor ich über den Frust rede, muss ich über das Büro reden. Denn das ist das Beste an «Nutmeg!».

Ich sitze an einem Schreibtisch, der aussieht, als hätte ihn jemand direkt aus einem englischen Fußballverein der 80er- oder 90er-Jahre übernommen. Röhrenmonitor, Wählscheibentelefon, Rolodex. Der Fernseher in der Ecke zeigt per Videotext die Ligatabelle beziehungsweise kurze News, wenn ich ihn einschalte. Die Spielerkarten sehen aus wie echte Panini-Bildchen: grob, bunt, liebevoll übertrieben.

Ein Arbeitsplatz wie aus den 80ern, liebevoll und detailverliebt gestaltet.
Ein Arbeitsplatz wie aus den 80ern, liebevoll und detailverliebt gestaltet.

Ich habe in diesem Büro gesessen und gelächelt. Wirklich. Das ist kein aufgeklebtes Retro-Label, kein Marketing-Nostalgie-Kit. Das ist von Menschen gebaut worden, die diese Ära selbst geliebt haben. Ich spüre es in jedem Detail: in der Schriftart auf den Spielerkarten, im Ton des Telefons, in den Easter Eggs, die ich beim genauen Hinschauen entdecke. Als jemand, der mit «Anstoss 1» groß geworden ist und weiß, wie sich ein Ligastart in einem unterklassigen Verein anfühlt, hat mich dieses Büro sofort abgeholt.

Und dann öffne ich den Trainingsplan und das Lächeln wird schmaler.

Das System, das mich verloren hat

Der Kern von «Nutmeg!» funktioniert so: Was ich meine Mannschaft in der Woche trainieren lasse, bestimmt, welche Karten mir am Spieltag zur Verfügung stehen. Konditionstraining gibt Ausdauerkarten, ausgewogenes Training erzeugt Kombinationskarten für die Offensive, Defensive und den Torwart. Die Idee dahinter ist gut. Meine Co-Trainer und -Trainerinnen sollen auf dem Platz spürbar sein. Nicht durch Taktikmenüs, sondern durch Vorbereitung.

Im Training verdiene ich mir Karten für die Spiele.
Im Training verdiene ich mir Karten für die Spiele.

Das Problem: «Nutmeg!» erklärt mir das nicht. Das Tutorial streift die Oberfläche – klick hier, klick da, fertig – und dann stehe ich allein vor einem Trainingsplan, dessen Konsequenzen ich nur ahnen kann. Gleichzeitig ist das Menü extrem minimiert. Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, wie sich meine Spieler verbessern.

Spielerwerte sind sichtbar, doch wie sich meine Mannschaft verbessert oder zusammen spielt, bleibt weitgehend unklar.
Spielerwerte sind sichtbar, doch wie sich meine Mannschaft verbessert oder zusammen spielt, bleibt weitgehend unklar.
Die geringe Anzahl an Werten begrenzt jede Form von Tiefe.
Die geringe Anzahl an Werten begrenzt jede Form von Tiefe.

Zusätzlich stelle ich mir die Fragen: Wie baue ich ein Deck, das auf dem Spielfeld tatsächlich funktioniert? Wann und wie bekomme ich Zugang zu interessanten Bonuskarten? Dies gelingt aktuell nur über das Erreichen der To-Dos innerhalb von drei Monaten: So soll ich beispielsweise einen Co-Trainer einstellen oder einen neuen Torwart verpflichten. Ein Monat wiederum besteht aus einer Reihe von fünf Spielen. Das Spiel sagt mir schlichtweg zu wenig und ist an den für mich entscheidenden Stellen zu minimalistisch. Ich liebe Spielerentwicklung, das Justieren meiner Taktik.

Ähnliches gilt für den Transfermarkt. Spieler erscheinen und verschwinden in einer Weise, die ich nicht vorhersehen kann. Mehrfach sitze ich vor dem Bildschirm und frage mich, warum jemand, den ich gerade erst gescoutet habe, plötzlich nicht mehr verfügbar ist. Dazu gibt es immer nur eine sehr kleine Auswahl an Spielern, die zudem nach einem abgelehnten Angebot nicht mehr verfügbar sind.

Wenig Auswahl, wenig Transparenz: Der Transfermarkt fühlt sich zufällig an
Wenig Auswahl, wenig Transparenz: Der Transfermarkt fühlt sich zufällig an

Das Spiel enthält echte Fußballnamen der Ära. Deren Karriere beginnt 1980 und geht 20 Jahre. Gordon Strachan, Vinnie Jones und andere tauchen auf, und das ist durchaus reizvoll, keine Frage. Aber auch hier fehlt dem System die Transparenz, die ich brauche, um echte strategische Entscheidungen treffen zu können. Ich wähle zu oft ins Blaue.

Wenn der Spieltag zur Kartenschlacht wird

Am Spieltag wird aus meiner Vorbereitung ein Kartenstapel. Drei Formationen stehen mir im Spiel zur Auswahl – 4-4-2, 4-3-3 und 5-3-2 – ergänzt durch drei taktische Anweisungen: Halten, Aufrücken oder Zurückfallen. Wirkliche taktische Entscheidungen sind Mangelware. Stattdessen ziehe ich meine Hand und sehe, womit ich arbeiten muss. Angriff, Defensive, vielleicht eine Spezialkarte – oder eben auch nicht. Manche Karten lassen sich kombinieren und verstärken.

Das Spiel läuft dabei in wenigen, kleinen, verdichteten Momenten ab. Ein Angriff entsteht, das Momentum kippt und ich entscheide, ob ich eingreife. Spiele ich jetzt eine Karte oder halte ich sie zurück? Dabei verschiebe ich die Wahrscheinlichkeiten, ob ich einen Angriff abwehre, mein Torhüter eine Parade zeigt, ein Pass gelingt oder ich ein Tor erziele.

Der Angriff läuft, aber mit 44 Prozent ist das Tor alles andere als sicher.
Der Angriff läuft, aber mit 44 Prozent ist das Tor alles andere als sicher.
Ein einziger Karten-Effekt hebt die Torchance um 40 Prozent und kann den Angriff nahezu allein entscheiden.
Ein einziger Karten-Effekt hebt die Torchance um 40 Prozent und kann den Angriff nahezu allein entscheiden.

In diesen Momenten funktioniert «Nutmeg!» wirklich gut. Nur leider sind sie zu selten.

Ich bin teilweise näher am Geschehen als in vielen anderen Managern. Wenn ich im richtigen Moment die passende Karte spiele und mein Team daraus eine Torchance entwickelt, fühlt sich das überraschend direkt an. Fast so, als hätte ich das Spiel wirklich beeinflusst. Es sind diese Augenblicke, in denen «Nutmeg!» sein Potenzial zeigt.

Doch genau so schnell kippt dieses Gefühl.

Denn so sehr sich meine Entscheidungen nach Einfluss anfühlen, so stark hängen sie davon ab, was ich überhaupt auf der Hand habe. Ziehe ich die richtigen Karten, kann ich ein Spiel lenken. Ziehe ich die falschen, bin ich weitgehend machtlos.

Nach dem Spiel werden Resultat, Fanstimmung und wirtschaftliche Daten zusammengefasst.
Nach dem Spiel werden Resultat, Fanstimmung und wirtschaftliche Daten zusammengefasst.

Dann sitze ich da, sehe zu, wie mein Team unter Druck gerät, und habe schlicht keine passende Antwort. Nicht, weil ich falsch entscheide, sondern weil mir die Optionen fehlen. Das Spiel nimmt mir in diesen Momenten die Möglichkeit, überhaupt zu reagieren.

Saisons ohne Sogwirkung

Eine Saison in «Nutmeg!» ist schnell gespielt. In rund 60 Minuten habe ich eine komplette Saison hinter mir. Das sorgt für Tempo. Aber nicht für Bindung.

Denn trotz der Geschwindigkeit entsteht keine echte Langzeitmotivation. Fortschritt fühlt sich selten nachhaltig an, Entwicklungen verlaufen zu flach, um wirklich zu greifen. Ich spiele weiter, aber ohne das Gefühl, auf etwas hinzuarbeiten.

Hinzu kommt die begrenzte Spielwelt. «Nutmeg!» konzentriert sich ausschließlich auf den (für mich extrem langweiligen) englischen Fußball und selbst dort nur bis in die vierte Liga. Was zunächst wie ein klarer Fokus wirkt, entpuppt sich schnell als Einschränkung. Abwechslung fehlt, neue Reize bleiben aus.

Die Karriere spielt ausschließlich in England und verliert dadurch schnell an Vielfalt. Zu Beginn kann ich zudem nur eines aus vier Teams der vierten Spielklasse wählen.
Die Karriere spielt ausschließlich in England und verliert dadurch schnell an Vielfalt. Zu Beginn kann ich zudem nur eines aus vier Teams der vierten Spielklasse wählen.

So bleibt nach mehreren Saisons vor allem ein Eindruck zurück: Ich komme voran, aber es fühlt sich nicht danach an.

Und genau deshalb fehlt «Nutmeg!» das, was einen Manager eigentlich trägt: der Drang, noch eine Saison zu spielen oder gar den nächsten Spieltag zu starten.

«Nutmeg! A Nostalgic Deckbuilding Football Manager» wurde mir von Sumo Digital zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist seit dem 26. März für den PC verfügbar.

Fazit

Ein Spiel ohne taktisches Fundament

«Nutmeg!» ist eines dieser Spiele, die man eigentlich mögen will. Die Idee, Fußballmanagement mit Deckbuilding zu verbinden, ist mutig, frisch und in ihren besten Momenten sogar überraschend gut. Wenn Karten ineinandergreifen und ein Spiel kippt, entsteht genau die Art von Dynamik, die klassischen Managern oft fehlt.

Doch diese Momente sind zu selten, um das Spiel zu tragen. Zu vieles bleibt vage, zu vieles dem Zufall überlassen. Systeme greifen nicht sauber ineinander, wirken zudem stark vereinfacht, teilweise sogar unfertig. Es fehlt an Komplexität, an nachvollziehbarer Spielerentwicklung, an taktischer Tiefe. Entscheidungen fühlen sich selten nachhaltig an. Was als neue Form von Kontrolle gedacht ist, wirkt am Ende oft wie ihr Gegenteil.

Unterm Strich bleibt ein Spiel, das mehr verspricht, als es einlöst. «Nutmeg!» hat Ideen, Stil und Charakter, aber nicht ansatzweise die Tiefe und Klarheit, um langfristig zu fesseln. Für kurze Sessions funktioniert das Konzept, als vollwertiger Fußballmanager jedoch fehlt die Substanz.

Pro

  • originelle Mischung aus Fußballmanager und Deckbuilding
  • Retro-Stil mit Liebe zum Detail

Contra

  • viele Systeme zu minimalistisch und oberflächlich
  • Spielerentwicklung kaum nachvollziehbar, taktische Tiefe fehlt weitgehend
  • begrenzte Spielwelt (nur England, wenige Ligen)
  • fehlende Langzeitmotivation
  • zu hoher Zufallsfaktor im Spielverlauf
Titelbild: Kim Muntinga

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