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Hintergrund

Kein Rückzug, kein Lizenzmodell: Was Sony mit TCL wirklich plant

Luca Fontana
23.1.2026

TCL-Fernseher mit Sony-Logo? Diese Sorge machte nach der Medienmitteilung schnell die Runde. Doch wer genauer hinschaut, merkt: Von einer Abgabe des TV-Geschäfts kann (noch) keine Rede sein. Was hinter dem geplanten Joint Venture tatsächlich steckt.

In den letzten Tagen ist rund um Sony und TCL eine Geschichte entstanden, die ziemlich schnell ein sehr klares Narrativ bekommen hat: Sony gibt das TV-Geschäft ab. Sony zieht sich zurück. Und am Ende kaufen wir bald TCL-Fernseher, auf denen einfach ein Sony-Logo klebt.

Faktisch wäre das eine Art Lizenzmodell, bei dem Sony zwar noch als Marke existiert, aber technisch und strategisch keine grosse Rolle mehr spielt.

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Dieses Bild hat sich in der Berichterstattung auch deshalb erstaunlich schnell gefestigt, weil die offizielle Medienmitteilung von Sony und TCL typisch Corporate Language ist: viel Vages, wenig Konkretes. Genau diese Unschärfe lässt viel Raum für Interpretation. Deshalb habe ich bei meinen Sony-Kontakten nochmals nachgehakt: Was wollte Sony denn wirklich mit dieser Medienmitteilung sagen – und was nicht?

Ganz wichtig vorneweg: Das, was ich aus diesen Gesprächen mitgenommen habe, sind keine offiziellen Sony-Statements, Zitate oder verbindliche Aussagen. Es sind Einordnungen aus Gesprächen mit Personen, die nah am Thema sind und mehr wissen als wir von aussen. Trotzdem gilt: Das hier ist keine finale Wahrheit, sondern ein aktueller Wissensstand, der sich noch verändern kann.

Was Stand heute wirklich gesichert ist

Fangen wir mit dem an, was man ziemlich klar sagen kann. Stand heute gibt es keinen abgeschlossenen Deal. Sony und TCL haben noch keine Firma gegründet, noch nichts verkauft und noch nichts übernommen. Was es gibt, ist eine Absichtserklärung – ein sogenanntes Memorandum of Understanding.

Diese Absichtserklärung sagt im Kern:

  • Sony und TCL wollen bis im Frühjahr 2026 ein Joint Venture gründen.
  • Eine neue Firma also, die künftig das Home-Entertainment-Geschäft beider Unternehmen verantworten soll. Fernseher, Audio, das ganze Home-Entertainment-Paket.
  • Die angedachte Beteiligung ist dabei 51 Prozent für TCL und 49 Prozent für Sony.

Rein formal hätte TCL damit die Mehrheit an der neuen Firma und damit auch das Sagen. Aber: Alles Weitere – wie diese Firma konkret arbeitet, wer wo entscheidet, wie Produkte entstehen, wo sie entstehen, und wie die Marken im Markt auftreten, ist Stand heute noch nicht final definiert.

Genau dafür sind die nächsten Monate da. Erst wenn diese Verhandlungen abgeschlossen sind, soll das Ganze tatsächlich umgesetzt werden. Realistisch sprechen wir hier von einem operativen Start frühestens 2027. Das ist wichtig. Es zeigt nämlich, dass wir nicht über eine vollendete Tatsache, sondern über einen Prozess reden.

Die Sony-Botschaft aus den Gesprächen

Was Sony mir gegenüber sehr deutlich macht, ist der Punkt, dass man dieses Joint Venture nicht als Abgabe des TV-Geschäfts versteht. Sprich: Sony will sich weder aus dem Markt zurückziehen noch zur reinen Lizenzmarke werden. Auch das Bild vom «TCL-Fernseher mit Sony-Logo» wird sehr klar zurückgewiesen.

Das sagt übrigens auch eine international anerkannte TV-Grösse wie Caleb Denison, der seine eigenen Quellen hat

Aus Sonys Sicht geht es um etwas anderes: um eine strategische Neuaufstellung, bei der zwei Firmen mit sehr unterschiedlichen Stärken versuchen, diese Stärken zusammenzubringen. Sony sieht sich weiterhin als Premium-Marke, als technologischer Taktgeber bei Bildverarbeitung, Prozessoren, Motion Control, Audio und Software. TCL wiederum ist stark bei industriellen Themen, also Massenproduktion, Skalierung, Kostenkontrolle und vertikalen Lieferketten.

Die Idee dahinter sei also nicht: Einer verschwindet, der andere übernimmt. Sondern: Beide machen das, was sie am besten können – gemeinsam in einer neuen Struktur.

Was explizit noch offen ist

Jetzt kommt der Teil, der in vielen Artikeln zu kurz kommt: Es gibt im Moment eine ganze Reihe von Fragen, die noch niemand abschliessend beantworten kann. Nicht nur wir, offenbar auch Sony und TCL nicht.

Zum Beispiel: Wer entscheidet künftig konkret über die Produktstrategie? Über Preise? Über Modellabstufungen? Wie viel Einfluss hat TCL wirklich im operativen Alltag, trotz 51 Prozent Beteiligung? Und wie viel Sony mit seinen 49 Prozent? Wo lässt man den anderen machen und wo will man selbst kontrollieren? Wie werden Umsätze und Margen verteilt? Verliert Japan seine Sony-Produktionsstätten? Was ist mit dem Personal? Und für uns vielleicht am spannendsten:

Wie wollen Sony und TCL künftig im Handel auftreten?

Das sind keine unbequemen Fragen, sondern genau die Punkte, die erst bis Mitte 2026 ausgehandelt werden. Deshalb ist es wichtig, vorsichtig zu sein mit absoluten Aussagen. Wie gesagt: Wer nächstes Jahr einen neuen Fernseher kauft, wird weiterhin sowohl Sony- als auch TCL-Fernseher finden.

Also: Ordnen wir jetzt sauber ein

Wichtig: Was jetzt kommt, ist meine persönliche Einschätzung. Und die sagt, dass TCL einer der wenigen Hersteller weltweit ist, der eine extrem tiefe vertikale Integration mit eigenen Display-Fabriken, eigenen Backlights, eigenen Panels und riesigen Stückzahlen hat. Dafür gelten Prozessoren, Bildverarbeitung und Ansteuerung von Panels und Hintergrundbeleuchtung seit Jahren als Schwachstelle des Konzerns.

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Sony hingegen verfolgt seit Jahren den umgekehrten Ansatz: Panels und zentrale Komponenten werden extern eingekauft – bei LG, bei Samsung, teilweise auch bereits bei TCL – und anschliessend mit eigenen Prozessoren, eigener Bildverarbeitung, Motion-Control und Audio-Abstimmung veredelt. Das bisherige Narrativ war klar: Wir nehmen von jedem die beste verfügbare Hardware und machen daraus mit Sony-Intelligenz ein Premium-Produkt. Voilà.

Das mag im hochpreisigen Premium-Segment funktionieren, wo die Margen hoch und die Stückzahlen überschaubar sind. Der Massenmarkt lässt sich mit dieser Strategie allerdings kaum beherrschen, weil sie zu teuer ist. Das hat Sony lange Zeit auch offen kommuniziert: Vergangenes Jahr sagte Shoji Charlie Ohama, Head of TV und Home Audio Video für Europa, man fokussiere sich bewusst auf das Premium-Segment und überlasse den Rest des Marktes der Konkurrenz – «freiwillig».

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Nun, ganz so zufrieden scheint man mit dieser Selbstbeschränkung allerdings nicht mehr zu sein: Sony will (oder muss) wohl doch mehr vom Massen-Kuchen abbeissen. Darum ergibt die Partnerschaft mit TCL in dieser Logik durchaus Sinn: Der chinesische TV-Gigant liefert industrielle Power, auch wenn sich Sony künftig in der Auswahl der Partner auf einen einzigen beschränkt. Der japanische TV-Gigant liefert dafür Intelligenz und Feinschliff an TCL.

Für die Kundschaft soll das Ergebnis weiterhin ein Sony-TV sein, nur vielleicht zu Preisen oder in Segmenten, in denen Sony bisher Mühe hatte, mitzuhalten. Theoretisch. Inwiefern umgekehrt der Technologie-Transfer zu besseren Prozessoren für TCL führt – um ein potenziell mögliches Szenario zu nennen – und ob man sich auf der Ladenfläche trotz Joint Venture weiterhin offen konkurrieren oder stärker aus dem Weg gehen will, bleibt offen.

Sicher ist nur: Antworten wird es erst nächstes Jahr geben, wenn die ersten Sony- und TCL-Geräte aus dieser neuen Struktur tatsächlich im Regal stehen.

Apropos: Auch in unserem digitec-Podcast «Tech-Telmechtel» haben wir ausgiebig über das Thema diskutiert:

Titelbild: Shutterstock

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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