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Produkttest

«Koi» im Test: wunderschönes Teichbau-Spiel mit Tiefgang

Das reizende Spielmaterial von «Koi» sieht nach leichter Kost aus. Doch in der Schachtel steckt ein strategisches Brettspiel, das Konzentration erfordert. Wieso ich es mag.

Der Einstieg kostet mich viel Durchhaltevermögen. Ich muss über 250 Plättchen, Münzen und Dekorationen mühselig aus den gestanzten Kartonscheiben drücken und zusammensetzen. Die 21 bunten, auf durchsichtige Acrylplättchen gedruckten Fische sind zwar mein Highlight, aber ich ziehe bei jedem einzelnen Koi vorne und hinten eine Schutzfolie ab. Nervig.

42 Folien von den Acrylplättchen abziehen – und das ist nur ein Teil der Vorbereitungsarbeit.
42 Folien von den Acrylplättchen abziehen – und das ist nur ein Teil der Vorbereitungsarbeit.

Nur schon für die Vorbereitungen vor der ersten Partie brauche ich mindestens eine halbe Stunde. Das Studium der 15-seitigen Anleitung dauert nochmals so lange.

Ich merke: Trotz verspielter Gestaltung, Teichlandschaft und Kois ist das Spiel keine leichte Kost, sondern ein Titel für versierte Brettspieler und -spielerinnen ab 12 Jahren.

Ein Leben aus Meditieren oder Arbeiten

Das Spielprinzip ist zum Glück deutlich weniger kompliziert. Ziel ist es, meinen Teich so zu bauen, dass er mehr Siegpunkte abwirft als die Projekte der Mitspielerinnen und Mitspieler. Dafür entscheide ich mich in jedem Zug zwischen zwei Aktionen: «meditieren» oder «arbeiten».

Meditieren: Ich nehme eine der Aktionskarten, die auf einem von fünf Feldern ausliegt. Je nachdem, wo sie liegt, bekomme ich dafür Münzen, Teichplättchen – oder die Aktionsmöglichkeit, mit meinem Geld einen Koi zu kaufen. Die Karten selbst haben auch eine Wirkung: manche erweitern mein Lager, andere geben mir Material. Wichtig sind auch die Karten mit Gehilfen, die mir in der zweiten Zugvariante zur Hand gehen.

Arbeiten: Die Teichplättchen, die ich beim Meditieren erhalte, landen in meinem Lager. Mit diesem Zug kann ich nun meinen Teich, der zum Start aus den fünf Quellenfeldern besteht, ausbauen. Ich kann aber nur ein Plättchen platzieren, ausser ich habe Gehilfen. Diese ermöglichen jeweils eine zusätzliche Aktion, so dass ich im besten Fall in einem Zug mit mehreren Gehilfen das gesamte Lager wieder räumen kann.

Mein Lager (links) und daneben eine ganze Heerschar an Gehilfen.
Mein Lager (links) und daneben eine ganze Heerschar an Gehilfen.

Für alles gibt es Punkte

Die Krux am einfachen Spiel: Jede Spielaktion bringt am Ende Siegpunkte, ich muss mich aber entscheiden, welche Strategie zum Sieg führt.

Ich kann meinen Fokus beispielsweise auf einen Teich mit möglichst vielen Kois legen. Diese platziere ich neben Seerosen und schaue, dass rundherum Wasserplättchen liegen – denn dies ergibt weitere Zusatzpunkte. Oder ich baue das Ufer mit Laternen aus und kassiere dann Siegpunkte für einen möglichst langen Wasserweg direkt vor der Laterne.

Damit es niemandem langweilig wird, liegen noch drei Zusatzaufgaben aus. Erfülle ich gewisse Bedingungen wie etwa drei Seerosen nebeneinander, bekomme ich automatisch weitere Siegpunkte.

Sind alle Karten im Umlauf oder alle Kois platziert, endet das Spiel und alle Siegpunkte werden gezählt. Das ist so komplex, dass der Verlag einen vorgedruckten Abrechnungsblock beigelegt hat. Finde ich gut, denn so geht nichts vergessen.

Der Teichausbau bringt Siegpunkte, etwa für Fische neben Seerosen, die ganz von Wasser umgeben sind. Ob es die beste Strategie ist?
Der Teichausbau bringt Siegpunkte, etwa für Fische neben Seerosen, die ganz von Wasser umgeben sind. Ob es die beste Strategie ist?

Dieses Spielkonzept hat Vor- und Nachteile. «Koi» bietet Abwechslung und jede Partie ist anders. Weil die Karten jedes Mal in anderer Reihenfolge aufgedeckt werden und weil zufällig drei von zehn Zusatzaufgaben ausliegen. Allerdings müssen die Spielerinnen und Spieler auch sehr flexibel darauf reagieren können und wollen. Wer ohne Plan vor sich hin baut – oder zu stur an einem Plan festhält, ist schnell frustriert.

Haben alle diese Lernkurve geschafft, sind die Partien schön ausgeglichen, bis zum Schluss spannend und so knapp, dass sich alle bereits auf die nächste Runde freuen.

Die Qual der Wahl

Eigentlich interagieren die Spielerinnen und Spieler nur wenig miteinander. Alle erweitern ihren Teich für sich alleine. Nur wenn andere einem die gewünschte Karte vor der Nase wegschnappen, gibt es etwas Konfrontation. Trotzdem kommt bei mir nie das Gefühl auf, alleine zu spielen. Denn da ich immer nur eine Aktion ausführen kann, wechselt es schnell hin und her.

Das Autorenteam hat übrigens auch leicht abgeänderte Regeln für eine Solopartie beigelegt. Ich versuche, ganz alleine möglichst viele Siegpunkte zu sammeln. Diese Variante macht mir ebenfalls Spass und ist schon fast meditativ – wenn mich die Qual der Wahl nicht dauernd beschäftigen würde.

Das ist auch genau das, was jene in den Testrunden überfordert hat, die nicht regelmässig Strategiespiele auf dem Tisch haben. Die vielen Wege zu Siegpunkten bedeuten auch viele Karten, Plättchen und Dekorationen. Auch wenn die Regeln erklärt werden, sitzen Einsteigerinnen und Einsteiger ratlos vor diesem Materialberg – mag er auch noch so schön sein.

Mir hat diese Kombination aus leichtem Thema und anspruchsvollem Strategie- und Aufbausspiel sehr gut gefallen. «Koi» ist optisch ein Genuss, beansprucht aber auch das Gehirn.

Ein Highlight sind die schönen Kois auf durchsichtigen Plättchen.
Ein Highlight sind die schönen Kois auf durchsichtigen Plättchen.

Über das Schachteldesign werden sich übrigens auch erfahrene Spielerinnen und Spieler ärgern. Der Kosmos-Verlag packt einfach alles in eine Box und legt ein paar Plastiksäckchen dazu. Diese reichen aber längst nicht für alle Teile, sodass ich bei jedem Spielstart mühsam Teile suchen muss. Die zusammengesteckten Dekorationen fallen zudem gerne wieder auseinander. Und das gesamte Material findet auch nur knapp in der Schachtel Platz.

Ich hätte gerne ein paar Franken mehr bezahlt und dafür eine Schachtel mit Fächern für alle Teile bekommen, die auch als Vorrat während des Spiels dient. So nehmen Auf- und Abbau zu viel Zeit in Anspruch.

Das viele Material passt kaum in die Schachtel.
Das viele Material passt kaum in die Schachtel.

Fazit

Teichbau für Fortgeschrittene

Das Thema täuscht: «Koi» ist nicht nur meditativer Gartenbau, sondern strategische Arbeit für Logistiker und Planer. Wer das mag, wird sich über die schöne Aufmachung freuen. Vor allem die auf Acrylplättchen gedruckten Fische sind eine Augenweide.

Die Partien laufen immer wieder anders ab und sind am Schluss oft recht knapp. Denn Siegpunkte bekommst du für fast alles: Manchmal ist der Bau eines Teiches mit vielen Fischen erfolgversprechender, manchmal räumt die Person ab, die sich auf die Bonus-Dekorationen stürzt.

Abzug gibts für die Mängel im Schachtelkonzept und dafür, dass die Einstiegshürde für nicht so geübte Brettspielfans recht gross ist. Wer sich durch die ersten Partien durchbeisst, bekommt ein schönes, ausgewogenes und spannendes Aufbauspiel.

Pro

  • schönes Material
  • stimmiges Thema
  • grosse Variabilität der Partien
  • gut ausbalanciert

Contra

  • zu kleine Schachtel
  • Aufbau und Abbau dauert zu lange
  • hohe Einstiegshürde

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Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.


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