

Lampen als Schmuck: Der neue Beleuchtungstrend aus Mailand
Silber-Elemente, die schimmern. Lampen, die in Ecken pendeln – fast wie ein Anhänger an einem Ohrring. Auf der Mailänder Designwoche war ein Trend unübersehbar: Licht wird zum Schmuck.
Mailand, April 2026. Überall Leuchten, aber keine davon hängt dort, wo du sie erwartest. Statt in der Raummitte: in einer Nische und die volle Höhe einnehmend. Weniger Beleuchtung, mehr Geste.
Interior Designerin Barbara Reimelt – bekannt aus dem Architectural Digest und Business of Home – hat dafür bereits einen Begriff: «Lighting like Jewelry». Leuchten sollen sich besonders anfühlen, geschwungen, vielschichtig, aus gemischten Materialien – eben wie Schmuck.


Reimelt trifft damit etwas, das ich schon länger beobachte. Designer Federico Stefanovich sagte es in unserem Gespräch so: «Das Deckenlicht kann gerne aus bleiben». Stattdessen: verschiedene Lichtquellen auf verschiedenen Höhen, als Komposition im Zimmer. Was bisher Ausnahme war, ist plötzlich Programm.
Das zeigen auch diese drei Leuchten der Designwoche, die meine Favoriten sind.
36 Stunden Druck für einen Schatten
Das Studio Dérive denkt Licht von der Strasse her – Kanten, Fugen, Gebrauchsspuren, Dinge, die du normalerweise übersiehst. Es kombiniert 3D-Druck mit industriellen Bauteilen. Ihr Beitrag auf der Designwoche, gezeigt bei Comune im Spazio Ivy, hiess «Stratum»: ein Geflecht aus 14 «Nautilus»-Leuchten.

Der Kronleuchter wirkt alles andere als von der Strasse geholt. Jeder Schirm wird über 36 Stunden 3D-gedruckt, Schicht um Schicht, in fraktalen Mustern, die das Licht formen und streuen.
Talisman statt Deckenfluter
Die Alcova ist eine der eigenwilligsten Ausstellungsplattformen der Mailänder Designwoche: verlassene Industriegebäude, alte Villen – ein Rahmen, der für sich selbst schon eine Aussage ist. Was da perfekt passte: die Kollektion «Totemic» von Andrea Claire Studio. Die Hängelampen bestehen aus Hanji-Papier. Das traditionelle koreanische Material ist bekannt für Langlebigkeit und warm wirkende Transparenz. Die Leuchten kommen in Naturtönen mit Blattsilber auf Messing daher. In verschiedenen Grössen, geschichtet wie Perlen auf einer Kette, nehmen sie den ganzen Raum ein. In vielen Kulturen sind Totems Bedeutungsgefässe, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Hier übernimmt die Lampe diese Rolle.


Das Andrea Claire Studio steht für skulpturale Beleuchtungssysteme an der Schnittstelle von Kunst und Architektur. Mit «Totemic» blickt Claire auf über ein Jahrzehnt Erforschung von Papier als Leuchtmaterial zurück. Doch nicht alles, was an der Designwoche begeisterte, war neu.
Ein Vintage-Fund als Zeichen
Das dritte Beispiel ist kein Neuentwurf, sondern ein Wiedersehen: eine Hängeleuchte namens «Sirray» von Kazuhide Takahama, entworfen für Sirrah 1970 in Italien. Wieder hervorgeholt wurde sie von Dimore Studio – eines der einflussreichsten Mailänder Inneneinrichtungsbüros, das Räume inszeniert, die sich keiner Epoche zuordnen lassen.

Dass Dimore ein Vintage-Stück ins Zentrum rückt, ist kein Zufall: Das Studio gilt als Seismograph. Was dort auftaucht, findest du bald auch anderswo.
Ob neu entworfen oder 50 Jahre alt: Was alle drei verbindet, ist dieselbe Idee. Leuchten dürfen wieder auffallen. Sie dürfen hängen, wo sie wollen, zahlreich – und pendeln wie Charms. Die Decke bleibt der Ausgangspunkt. Aber das Ziel ist die Nische.
Das könnte auch bei dir zu Hause baumeln
Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
Alle anzeigen






