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Warner Bros. Ent.
Kritik

«Lee Cronin’s The Mummy»: Nur eklig sein reicht nicht

Patrick Vogt
16.4.2026

Die Neuerfindung des Mumien-Horrors. Das verspricht uns Regisseur Lee Cronin mit seinem neusten Film, der uns das Fürchten lehren soll. Ich mache mich schon mal ans Einbalsamieren.

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Lee Cronin’s The Mummy» läuft seit dem 16. April im Kino.

Nein, Kollege Luca ist kein Schisser. Ganz bestimmt nicht! Er hat’s nur nicht so mit Horrorfilmen. Deshalb ist er auch geneigt, die Pressevorführung von «Lee Cronin’s The Mummy» sausen zu lassen, weil schon der Trailer ziemlich Gas gibt.

Bevor Luca noch länger mit seiner Entscheidung hadern muss, nehme ich sie ihm ab und schaue mir den Streifen an. Horror und ich sind schliesslich alte Freunde.

  • Hintergrund

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Darum geht’s in «Lee Cronin’s The Mummy»

Weil die Handlung auf einen Bierdeckel passt und ich wie eingangs erwähnt keinesfalls was spoilern möchte, halte ich mich einfach mal an den offiziellen Pressetext zum Film:

«Die junge Tochter eines Journalisten verschwindet spurlos in der Wüste. Die zerrüttete Familie ist fassungslos, als das Mädchen acht Jahre später plötzlich wieder bei ihnen auftaucht. Doch was eigentlich ein freudiges Wiedersehen sein sollte, verwandelt sich schnell in einen wahren Albtraum.»

Diese Mumie wickelt mich nicht um den Finger

Horrorfilme haben gerade Hochkonjunktur. Ryan Cooglers «Sinners» mit Michael B. Jordan hat vier Oscars abgeräumt und mit 16 Nominierungen im Vorfeld der Verleihung einen neuen Rekord aufgestellt. Mit «Weapons», «Together» oder «Bring her back» flimmerten 2025 weitere Genrevertreter über die grosse Leinwand, die sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikerinnen und Kritikern gut bis sehr gut ankamen.

Diese Welle will «Lee Cronin’s The Mummy» nun ganz offensichtlich weiterreiten … und landet ganz schön auf dem Bauch. Warum das so ist? Nun, da kommt einiges zusammen:

Trailer

Zunächst einmal: «Lee Cronin’s The Mummy» ist eine klassische Trailer-Falle. Die Vorschau ist nicht ohne, da gebe ich Kollege Luca recht. Doch sie weckt Erwartungen, die der Film nicht erfüllt. Luca hatte Schiss, ich hoffte auf einen guten Horrorfilm. Tja. Nachdem ich den Film gesehen habe, bestätigt sich mein Verdacht, dass der Trailer schon ganz schön viel gezeigt hat – vielleicht sogar etwas zu viel.

Laufzeit

Immerhin ist der Trailer sec zusammengeschnitten, wie es sich für eine schmissige Vorschau gehört. Daran hätte sich der Film selbst lieber mal eine ordentliche Scheibe abgeschnitten (no pun intended). Mit einer Laufzeit von 133 Minuten fordert er nämlich ordentlich Sitzfleisch.

Ich mag Slow-Burner – «Lee Cronin’s The Mummy» ist keiner. Der Film nimmt sich zwar angemessen viel Zeit für seine Exposition. Dann lädt er sich jedoch mit unnötigen Längen und vermeintlich bedeutungsschwangeren Handlungssträngen auf, um in der letzten halben Stunde komplett zu eskalieren und unter der Last aller angedeuteten Elemente zusammenzubrechen.

Diese Geschichte wäre ohne unnötigen Firlefanz locker in 90 Minuten erzählt gewesen und hätte nicht darunter gelitten – im Gegenteil!

Darf ich vorstellen: die Mumie 2026. Oder ist es Gollums Tochter?
Darf ich vorstellen: die Mumie 2026. Oder ist es Gollums Tochter?
Quelle: Warner Bros. Ent.

Der Faktor Mensch

Horror ist nicht das Filmgenre, in dem sich die Beteiligten vernünftig verhalten. Entscheidungen dienen hier häufig dazu, den Plot voranzutreiben. Auch wenn sie diametral dem entgegenstehen, was gemeinhin unter dem «gesunden Menschenverstand» verstanden wird. Nimmt sich ein Film nicht allzu ernst, verzeiht man das gerne mal. Doch in «Lee Cronin’s The Mummy» liefern die Protagonistinnen und Protagonisten geradezu eine neue Referenz, wenn es darum geht, falsche oder zumindest fragwürdige Entscheidungen zu treffen. «So blöd kann keiner sein», hat Klaus Kinski jedenfalls mehrmals während des Films in meinem Kopf geschimpft.

«Was hat unsere Tochter in einem 3000 Jahre alten Sarkophag gemacht?», fragt Familienvater Charlie Cannon (Jack Reynor) an einer Stelle. Gute Frage, Charlie. Und warum öffnet ihr dem Unheil freiwillig Tür und Tor und ignoriert jede eindeutige Warnung? Ich bin selbst Papi und hätte – Elternliebe hin oder her – von Anfang an anders gehandelt, bei den vorliegenden Familienverhältnissen sowieso.

Apropos Familie: Dass die Familie nach Katies Verschwinden zerrüttet sein soll, wie es der Pressetext beschreibt, davon merke ich zunächst nichts. Erst als Katie zurück ist, tun sich nach und nach menschliche und familiäre Abgründe auf. Angedeutet werden Schuld und Wiedergutmachung. Als Metapher dafür hält «Lee Cronin’s The Mummy» nicht stand. Das wäre zu viel in einen Film hineininterpretiert, der nur an der Oberfläche kratzt.

Zahnfleischbluten oder zu viel Ketchup, man weiss es nicht.
Zahnfleischbluten oder zu viel Ketchup, man weiss es nicht.
Quelle: Warner Bros. Ent.

Grusig du, wäh!

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lee Cronin an einen Stoff mit Kultcharakter wagt. 2023 inszenierte er «Evil Dead Rise». Das merkt man «Lee Cronin’s The Mummy» deutlich an. Der «Evil Dead»-Vibe schwingt immerzu mit, gepaart mit einer gehörigen Portion «The Exorcist». Und so vielversprechend sich diese Kombination auf Anhieb anhört, so sehr scheitert sie in der Umsetzung, weil nichts Eigenes daraus entsteht. Die grossen Vorbilder stehen wie Elefanten im Raum und machen sich so breit, dass Lee Cronins Handschrift nicht zu erkennen ist. Schade.

Als Horrorfilm möchte «Lee Cronin’s The Mummy» natürlich spannend und gruslig sein. Die Bemühungen sind da, zumindest für die Ohren. Denn die Soundeffekte sind das Beste am ganzen Film. Da wird geknackt, unheilvoll gebrummt und gekrabbelt, was das Zeug hält. Vielleicht ist es des Guten sogar etwas zu viel. Fast jede Einstellung oder Aktion und jeder Handgriff werden soundtechnisch begleitet, als wären sie bedeutsam oder gar entscheidend. Kurz: Der Film versucht so sehr, spannend zu sein, dass es ermüdend ist. Allfällige Jumpscares habe ich drei Meilen gegen den Wind gerochen.

Wenn «Lee Cronin’s The Mummy» etwas ist, dann: eklig, wenigstens teilweise. Die paar Ekelszenen sind dann auch jene, in denen das Pendel vollends zugunsten «Evil Dead» ausschlägt. Ich habe einen Saumagen, deswegen hat mich das nicht wirklich gestört. Thematisch tragen sie nichts zur Geschichte bei. Die eine oder andere Ekelszene erweckt vielmehr den Eindruck, als wären dem Regisseur endgültig die Zügel entglitten. Eklig sein um des Ekligseins willen, dafür hagelt es reihenweise hohe Altersfreigaben. Na ja, kann man machen.

Für den etwas angestaubten Grusel-Charme der Mumien-Filme von Universal aus den 1930er-Jahren oder denen von Hammer Films ein paar Jahrzehnte später hat’s in «Lee Cronin’s The Mummy» keinen Platz. Auch die Leichtigkeit und den Witz der «The Mummy»-Reihe mit Brendan Fraser suchst du vergebens.

Grosi, deine Haut ist so zart wie ein Babypopo. Wie machst du das bloss?
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Quelle: Warner Bros. Ent.

Fazit

Überambitionierter Mumien-Horror

«Lee Cronin’s The Mummy» sei eine gewagte und abgedrehte Neuinterpretation einer der berühmtesten Horrorgeschichten aller Zeiten, heisst es im Pressetext. Davon kann keine Rede sein. Zu sehr wird die Klaviatur des Schreckens auf Nummer sicher gespielt und ein Horror-Klischee nach dem anderen durchgeorgelt, ohne zu klingen. Das einzige, was flöten geht, ist der Mythos Mumie.

Lee Cronin hat nicht nur Regie geführt, er hat auch das Drehbuch geschrieben. Er hat sich viel vorgenommen und scheitert daran, dass er sich nicht traut, über den Schatten berühmter Vorbilder zu springen. «Lee Cronin’s The Mummy» ist Horror von der Stange. Explizit – und doch harmlos. Schade.

Titelbild: Warner Bros. Ent.

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Ich bin Vollblut-Papi und -Ehemann, Teilzeit-Nerd und -Hühnerbauer, Katzenbändiger und Tierliebhaber. Ich wüsste gerne alles und weiss doch nichts. Können tue ich noch viel weniger, dafür lerne ich täglich etwas Neues dazu. Was mir liegt, ist der Umgang mit Worten, gesprochen und geschrieben. Und das darf ich hier unter Beweis stellen. 


Kritik

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