Credits: NASA/Bill Ingalls
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«Lucy in the sky» (without diamonds) – NASA-Sonde zu den Jupiter-Trojanern gestartet

Martin Jud
Martin Jud
Zürich, am 18.10.2021

Die NASA hat am Samstag erfolgreich Lucy mit einer Atlas-V-Rakete auf ihren Weg gebracht. Die Sonde hat eine zwölfjährige Mission vor sich. Ihr Ziel sind die Jupiter-Asteroiden – sie soll neue Erkenntnisse zur Entstehung der Planeten liefern.

Lucy ist über 14 Meter lang und flitzt laut NASA gerade mit rund 108 000 km/h durch den Weltraum. Sie wird mit Treibstoff wie auch Akkus betrieben. Die Sonde zur Erforschung der Jupiter-Trojaner ist am Samstag erfolgreich mit einer Ariane-V-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. 90 Minuten danach entfaltete sie ihre über sieben Meter langen Sonnensegel, und begann damit die Akkus zu laden. Die National Aeronautics and Space Administration twitterte: «Lucy in the sky!».

Die NASA liebt Beatles-Songs. Das bewies sie bereits 2008, als sie den Song «Across The Universe» ins All zum fernen Polarstern übertrug. Und nun ist es der Song «Lucy In The Sky With Diamonds», welcher der zwölf Jahre dauernden Mission Glück bringen soll.

Die Lucy-Mission

Dass die Mission Lucy heisst, ist nicht ausschliesslich den Beatles zu verdanken. Der Name ist ebenso eine Anlehnung an das 1974 in Nordostafrika gefundene fossile Teilskelett eines Vormenschen. Dieses stammt vermutlich von einer Frau und wurde Lucy getauft. Und genau wie dieser Fund einen einzigartigen Einblick in die Evolution der Menschheit gewährte, soll nun die Sonde auch einen einzigartigen Einblick geben – in die Zeit der Entstehung der Planeten.

Sonne (gelb), Merkur (braun), Venus (weiss), Erde (blau), Mars (rot), Jupiter (orange), Trojanerschwärme (grün)
Sonne (gelb), Merkur (braun), Venus (weiss), Erde (blau), Mars (rot), Jupiter (orange), Trojanerschwärme (grün)
Credits: NASA

Die Animation zeigt im Zeitraffer, wie sich die Planeten unseres Sonnensystems und das Ziel von Lucy – die beiden Asteroidenschwärme auf der Umlaufbahn des Jupiter – während der Mission bewegen werden. Die Jupiter-Trojaner gelten als eine Art Zeitkapsel, als ein Überbleibsel aus der Geburtsstunde unseres Sonnensystems vor über vier Milliarden Jahren. Sie sollen aus dem Material bestehen, woraus sich die äusseren Planeten geformt haben. Lucy ist die erste Weltraummission überhaupt, welche diese Trojaner erforschen soll.

Damit es Lucy zu den Jupiter-Asteroiden schafft, nutzt die NASA die Erde dreimal als Gravity-Assist: Momentan fliegt Lucy mit ca. 108 000 km/h auf einer Bahn, welche die Sonne umkreist. Zurück zur Erde findet sie erstmalig im Oktober 2022. Beim dichten Vorbeiflug an der Erde nutzt sie jeweils deren Schwerkraft, um sie für ein Vorbeischwungmanöver zu nutzen. Beim sogenannten Gravity-Assist, wie das die NASA nennt, kann die Sonde ihre Flugrichtung verändern und dabei auch die Geschwindigkeit bedarfsweise steigern oder senken.

Credits: NASA
Credits: NASA
Hier gibt's das Bild in gross.

Nach einem zweiten Vorbeiflug an der Erde wird Lucy Kurs auf ihre ersten trojanischen Ziele (L4) nehmen und bereits auf dem Weg dahin als Bonus einen kleinen Asteroiden des Hauptgürtels namens Donaldjohanson (weiss) begutachten. Zwischen 2027 und 2028 trifft sie auf den ersten trojanischen Schwarm und fliegt an Eurybates (weiss) und seinem Satelliten Queta, an Polymele (rosa), an Leucus (rot) sowie Orus (rot) vorbei. Danach folgt der dritte Besuch der Erde und der Flug zum zweiten Asteroidenschwarm (L5). Im Jahr 2033 soll sie abschliessend auf den Doppelasteroiden Patroclus-Menoetius (rosa) treffen.

Insgesamt wird Lucy also, wenn alles gut geht, acht Asteroiden untersuchen. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit soll beinahe 63 000 km/h betragen. Beim Passieren der Asteroiden wird die Geschwindigkeit auf rund 24 000 km/h gedrosselt. Nach erfolgter Mission ist geplant, dass Lucy weiterhin alle sechs Jahre zwischen den beiden Trojanerwolken pendelt.

Computeranimation von Lucy.
Computeranimation von Lucy.
Credits: NASA

Ob Lucy eines Tages tatsächlich wichtige Hinweise für die Entschlüsselung der Geschichte des Sonnensystems finden kann?

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Martin Jud
Martin Jud

Editor, Zürich

Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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