Mesh-Abdeckung bis in die hinterste Ritze

Mesh-Abdeckung bis in die hinterste Ritze

Fabian Künzli
Fabian Künzli
Zürich, am 13.07.2018

Jeder kennt das (Luxus-)Problem: Sobald der Wifi-Router mehr als drei oder vier Räume versorgen soll, wird’s schwierig. Doch die Rettung in Not ist in Griffweite: Wifi-Mesh-Systeme. Wir haben drei Systeme im sonnigen Tessin für euch getestet.

VLAN? DynDNS? MU-MIMO? Keine Ahnung, was das ist? Zudem möchtest du am liebsten eine fixfertige Komplettlösung installieren und hast keine Lust, stundenlang googeln zu müssen? Dann bist du der perfekte Leser dieses Beitrags! Wir zeigen dir, wie kinderleichte Installation und perfektes Wifi, ohne aufwendige Verkabelung und Konfiguration, funktioniert.

Für diesen Test haben wir die drei folgenden Mesh-Systeme ausgewählt:

Velop Tri Band - 3er-Set
–28%
251,01statt 350,50
Linksys Velop Tri Band - 3er-Set
Orbi RBK53 Mesh WiFi Set
556,–
Netgear Orbi RBK53 Mesh WiFi Set
Multy X Mesh System - 3er-Set
Router
Zyxel Multy X Mesh System - 3er-Set
38

Um die technischen Spezifikationen zu vergleichen, klickst du hier.

Diese Produkte gefallen uns besonders gut. In erster Linie aufgrund der bequemen Einrichtung via App und in zweiter Linie, weil die Systeme ein dediziertes Wifi-Netz für die interne Kommunikation bieten. Dieses sogenannte Backhaul ist, zumindest in der Theorie, Ersatz für die aufwendige Verkabelung, welche einzelne Access Points miteinander verbindet. Im Vergleich zu Systemen ohne Backhaul, soll mehr Bandbreite ermöglicht werden.

300 Quadratmeter Testanlage

Um die Systeme zu testen, haben wir uns etwas Besonderes überlegt: Drei Teamkollegen und ich sind für den Test ins Tessin gefahren. Testanlage: Drei Wohnungen mit insgesamt über 300 Quadratmetern über vier Stockwerke.

Bei Sonnenschein testeten wir besonders gerne auf dem Balkon.
Bei Sonnenschein testeten wir besonders gerne auf dem Balkon.

Grafisch dargestellt, sieht die Situation wie folgt aus:

Ansicht von Süd-West
Ansicht von Süd-West
Ansicht aus der Vogelperspektive
Ansicht aus der Vogelperspektive

Vom Technikraum neben Wohnung 3 ausgehend, werden wir versuchen ein stabiles und schnelles WLAN über die ganze Anlage zu bieten. Der ausgegraute schräge Bereich auf der ersten Grafik soll den Verlauf des Berges zeigen. Vom Router bis zur äussersten Ecke in Wohnung 1 sind es ungefähr 25 Meter und bis zum höchsten Punkt in Wohnung 3 etwa die Hälfte davon. Die Wohnungen 1 und 2 befinden sich in einem gemauerten Haus, Wohnung 3 in einem Holzhaus. Der Technikraum hat Beton-Wände.

Nachdem alle drei Systeme mit einer kindlichen Vorfreude fein säuberlich ausgepackt wurden, konnte der Test beginnen.

Die drei Mesh-Syteme werden gleich entjungfert.
Die drei Mesh-Syteme werden gleich entjungfert.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme aller drei Systeme hat je zwischen 30 und 45 Minuten gedauert und war dank den Apps äusserst simpel. Bei Linksys Velop und Zyxel Multy war der erste und einzige Schritt auf den beiliegenden Papier-Anleitungen das Herunterladen der App. Zyxel lieferte mir sogar einen QR-Code, wodurch ich nicht einmal den Namen der App eintippen musste. Die Apps waren allesamt sehr ähnlich: Modem vom Stromnetz nehmen, wieder anstecken, Mesh System anstöpseln, warten.

Nachdem der Router hochgefahren war, hat mich die App jeweils instruiert, nach und nach die Satelliten in Betrieb zu nehmen. Nach kurzem Warten waren die Satelliten ebenfalls verbunden. Beim Linksys Velop musste ich den Verbindungsaufbau zu den Satelliten allerdings mehrere Male durchführen, bis es geklappt hat.

Die Zyxel-App ganz links bietet schöne Illustrationen, man kann fast nichts falsch machen. Aber auch die Apps von Linksys und Netgear tun ihre Arbeit.
Die Zyxel-App ganz links bietet schöne Illustrationen, man kann fast nichts falsch machen. Aber auch die Apps von Linksys und Netgear tun ihre Arbeit.

Auf der Papier-Anleitung des Netgear Orbi wurde ich zuerst durch jene Schritte gelotst, welche die anderen Hersteller mir nur via App mitgeteilt haben. Am Schluss der Netgear Orbi Papier-Anleitung wurde ich jedoch wiederum gebeten, die App herunterzuladen. Die Netgear-App wollte mich dann nochmals durch die gleichen Schritte führen, was die App für die Installation eigentlich überflüssig machte. Immerhin hat mir auch Netgear einen QR-Code für den Download geliefert.

Bei Netgear fordert Schritt 3b zum Download der App auf, worauf nochmals auf digitalem Weg die identischen Schritte instruiert werden, wie in der Papier-Anleitung.
Bei Netgear fordert Schritt 3b zum Download der App auf, worauf nochmals auf digitalem Weg die identischen Schritte instruiert werden, wie in der Papier-Anleitung.

Zusammenfassend: Alle drei Inbetriebnahmen haben nahezu reibungslos geklappt und alle drei Systeme konnten bis hierhin überzeugen.

Datendurchsatz

Insgesamt haben wir an 15 Messorten (fünf pro Wohnung) getestet. Immer auf dem Sofa, im Elternschlafzimmer, im Kinderschlafzimmer, auf der Toilette (weil wichtig) und auf dem Balkon. Jede Messung haben wir dreimal wiederholt. Die Zahlen auf der nachfolgenden Darstellung entsprechen den Messorten. Du findest diese weiter unten auch in der Ergebnistabelle. Neben dem Standort des Routers findest du nun auch die Standorte der Satelliten grün eingezeichnet.

Ansicht von Süd-West
Ansicht von Süd-West
Ansicht aus der Vogelperspektive
Ansicht aus der Vogelperspektive

Die Messungen wurden mit iPerf3 durchgeführt. Der als Server agierende Laptop war via LAN-Kabel an den Router angeschlossen, der Client jeweils via Wifi. Alle Messungen wurden mit dem exakt gleichen Setup durchgeführt.

Hier die Ergebnisse in Megabits pro Sekunde (bester Messwert jeweils hervorgehoben):

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Wie man sehen kann, konnte das Netgear Orbi über alle Messungen betrachtet am meisten überzeugen, gefolgt vom Zyxel Multy und dem Linksys Velop. Das zweitplatzierte Zyxel Multy erreichte zwar weniger Spitzenwerte als das Linksys Velop, konnte jedoch im Mittel die Datenpakete schneller befördern.

Auffallend beim Linksys Velop war, dass die Bandbreite in der Nähe des Routers im Vergleich zu den anderen Systemen höher war, jedoch mit steigender Distanz zum Router unter das Niveau der Konkurrenz fiel. Es ist anzunehmen, dass dieser Effekt auf die tiefere Antennenzahl für die interne Kommunikation zurückzuführen ist. Das Backhaul des Linksys Velop verfügt pro Gerät nur über zwei Antennen, jenes der Konkurrenz über vier.

Was bei allen drei Systemen enttäuschte, war der tiefere Datendurchsatz in Wohnung 2 gegenüber Wohnung 1. Obwohl Wohnung 2 näher am Router lag. Das Problem: Der Client war während der Tests in Wohnung 2 immer noch mit dem Satelliten aus Wohnung 1 verbunden. Offenbar hat sich der Client für das stärkere und nicht für das schnellere Signal entschieden. Die Verbindungskette «Satellit in Wohnung 1» zu «Satellit in Wohnung 2» zu «Router» ist langsamer, als eine Direktverbindung gewesen wäre. Offenbar ist die beworbene Mesh-Intelligenz doch noch nicht so weit, denn dies sollte gemäss Mesh-Werbung nicht passieren.

Bezüglich Netzstabilität geriet das Linksys Velop ins Hintertreffen: Leider musste es während der Durchführung der Messungen mehrere Male neu gestartet werden, da die Satelliten plötzlich die Verbindung verloren hatten. Da die App anfänglich eine ausreichende Distanz zum Router gemeldet hatte, gehe ich nicht davon aus, dass der Abstand zum Router das Problem war.

Fazit

Grundsätzlich überzeugten die Systeme Netgear Orbi und Zyxel Multy. Das Linksys Velop hatte bei uns Schwierigkeiten. Kleinere bei Inbetriebnahme, sowie Schwankungen in Sachen Netzstabilität. Das Gesamtergebnis wiederspiegelt die preisliche Abstufung der drei Systeme.

Wer am meisten Speed herausholen möchte – insbesondere in entlegenen Ecken – ist mit dem Netgear Orbi am besten bedient. Falls ein Kompromiss zwischen Preis und Leistung gewünscht wird, kann das Zyxel Multy empfohlen werden. Wer mit weniger grossem Datendurchsatz leben kann, erhält mit Linksys Velop eine Budget-Variante.

Die erreichten Bandbreiten waren aber allesamt eher ernüchternd. Die von den Herstellern (oder besser gesagt: von den Marketingabteilungen der Hersteller) genannten Geschwindigkeiten wurden bei weitem nicht erreicht: Netgear gibt 3.0, Zyxel ebenfalls 3.0 und Linksys 2.2 Gigabits pro Sekunde an. Eigentlich nicht verwunderlich, denn sie kumulieren die theoretisch maximal möglichen Bandbreiten aller Bänder und aller Antennen, was vollkommen realitätsfremd ist.

Der grosse Vorteil von Mesh-Systemen ist aber ohnehin die immens grosse Abdeckung, und nicht unbedingt die Geschwindigkeit. Während des Tests konnten wir in allen drei Wohnungen sowie auf den Balkonen mit perfekter Wifi-Abdeckung surfen. (Luxus-) Problem gelöst, leider geil!

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Fabian Künzli
Fabian Künzli

Category Sourcing Specialist, Zürich

In meiner Welt muss alles ordentlich, überschaubar und einfach sein. Darum lässt sich mein Anspruch an jegliche Gerätschaft meist in einem Wort zusammenfassen: Einfachheit. Seit jeher bin ich daher ein grosser Apple-Fan. Böse Zungen würden mich als Apple-Fanboy bezeichnen ;-)

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