Mimimi: Warum ich Konsolenupdates hasse

Mimimi: Warum ich Konsolenupdates hasse

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 30.06.2018

Gewisse Dinge gehen uns so richtig auf den Sack. Dem Ärger Luft zu verschaffen, tut gut. Das haben wir uns auch auf der Redaktion gedacht. Deshalb lassen wir uns immer mal wieder über Nerviges aus. Heute: Updates auf Konsolen.

Mein Sohn schläft, meine Frau ist ausser Haus. Endlich habe ich das Wohnzimmer ein paar Minuten für mich. Also werfe ich die Konsole an. Abschalten und ein paar Typen virtuell um die Ecke bringen. Grossartige Unterhaltung. Ich kann es kaum erwarten.

Nein! Ich muss die neuste Softwareversion für die Konsole installieren. Verdammt, jetzt verliere ich bestimmt eine Viertelstunde! Naja, das liegt drin. Dann game ich halt etwas weniger lang. Automatische Updates habe ich deaktiviert. Als ökologisch und ökonomisch sparsamer Mensch nehme ich der Konsole bei Nichtgebrauch den Saft. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist das Update endlich installiert.

Screen des Hasses Nummer 1
Screen des Hasses Nummer 1

Nein! Verd#?*te Sch3!22e! Auch das verf17#%e Spiel muss aktualisiert werden. Jetzt hätte ich es wirklich nötig, einem Gegner die virtuelle Birne wegzublasen. Aber nein, ich muss wieder eine weitere Ewigkeit warten, bis das be2ç1223n3 Update installiert ist.

Ach Konsole, was ist bloss aus dir geworden?

Screen des Hasses Nummer 2
Screen des Hasses Nummer 2

Beginn einer Liebe

Ende Achtziger sah ich zum ersten Mal den Klempner in roter Kleidung – der heute gar kein Klempner mehr sein will – auf dem NES hüpfen. Da war es um mich geschehen. Ich hatte eine neue Leidenschaft entdeckt: das Gamen. Nach einigen schönen Jahren mit meinem NES hatte ich auf den PC zum Zocken gewechselt.

Diese Beziehung hielt nicht lange. Mich nervte es, dass viele Spiele einfach nicht liefen und ich ständig meine Kiste aufrüsten musste. Deshalb habe ich innert Kürze wieder auf die Konsole, damals die Playstation, oder PSone wie sie später hiess, gewechselt.

Was habe ich diesen Komfort genossen: Einfach die CD-ROM einlegen und loslegen. Okay, mit dem Wechseltrick für US- oder Japan-Importe ging’s etwas länger, aber immer noch schneller und reibungsloser als auf dem PC. Endlich konnte ich mich wieder auf’s Gamen statt Installieren konzentrieren.

Meine Vorliebe für Konsolen hielt einige Jahre an. Ab und zu bin ich für ein Spiel auf dem PC fremdgegangen, aber doch immer wieder zu meinen Liebsten – Playstation 2, Dreamcast, Gamecube, Xbox – zurückgekehrt. Tolle Zeiten, tolle Spiele. Aber dann kam der Anfang vom Ende mit der Playstation 3.

Beginn einer Hassliebe

Geliebt, gehasste Konsole: die Playstation 3
Geliebt, gehasste Konsole: die Playstation 3

Zugegeben ein interner Massenspeicher hat so seine Vorteile. Die Spiele kann ich mir einfach aus dem Store runterladen. Der Gang in den Laden oder das Warten auf’s Paket erübrigt sich . Was ich will, ist sofort verfügbar. Aber zu was für einem Preis? Und damit meine ich nicht die damaligen Anschaffungskosten.

Meine goldenen Gamer-Zeiten sind durch. Kind, Partnerin und Arbeit nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Und der Jüngste bin ich auch nicht mehr. Der Rücken zwickt und die Sauerstoffzufuhr funktioniert auch nicht mehr wie früher. Sport wird immer wichtiger und frisst auch Zeit.

Zeit, die mir zum Gamen fehlt. Und die ist kostbar. Updates sind für mich als Casual-Gamer pure Zeitverschwendung. Da kann ich auch gleich wieder auf den PC umsteigen. Und sowieso: Updates sind für die Spielindustrie willkommene Ausreden, unfertige Spiele rauszugeben. Mit einem, zwei oder auch hundert Updates können Kinder- oder eben auch Erwachsenenkrankheiten ja ganz einfach behoben werden.

Endlich ist auch das Update des Games fertig. Jetzt kann’s losgehen. Mit der Knarre in den Händen mache ich mich auf, meinen Gegnern das Leben auszuhauchen. Wäh-wäh! Mist, mein Sohn ist aufgewacht. Ich pausiere das Spiel und kümmere mich um ihn.

Ohne die verdammten Updates hätte ich bereits den so dringend benötigten Game-Fix bekommen und könnte mich entspannter um meinen Sohn kümmern. Aber nein, die Videospielindustrie will’s mir künstlich kompliziert machen.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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