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Mythos Enthaltsamkeit: Wie Männer unbemerkt ihre Spermien ruinieren

Anna Sandner
15.4.2026

Wer Spermien für den perfekten Moment aufspart, ruiniert unbemerkt deren Qualität. Eine groß angelegte Metaanalyse der Universität Oxford zeigt, dass die Samenzellen regelrecht einrosten, wenn sie zu lange im Körper bleiben. Das stellt nun die gängige Praxis in Fruchtbarkeitskliniken infrage.

«Viel hilft viel» ist beim Thema Kinderwunsch offenbar ein biologischer Trugschluss. Trotzdem bekommen Männer, die ihre Zeugungsfähigkeit in einer Klinik testen lassen oder Samen spenden möchten, bisher fast immer denselben ärztlichen Rat. Sie sollen sich vor der Abgabe der Probe zwei bis sieben Tage lang sexuell zurückhalten. Die Idee dahinter ist simpel. Damit mehr Spermien im Ejakulat sind, baut die Enthaltsamkeit erst mal ein Vorrat auf. Doch eine neue Studie der Universität Oxford offenbart nun einen gravierenden Nachteil dieses Ratschlags: Das Warten schadet der Spermienqualität erheblich.

Die Biologie der Enthaltsamkeit

Spermien sind biologische Minimalisten. Sie bestehen fast nur aus dem Schwanz als Motor und der wertvollen DNA als Fracht. Was ihnen fehlt, ist die klassische zelluläre Werkzeugkiste zur eigenen Reparatur und Energieversorgung, das sogenannte Zytoplasma. Genau hier liegt das Problem.

Studienautorin Dr. Rebecca Dean bringt die Krux dieser Bauweise auf den Punkt: «Weil Spermien hochbeweglich sind und nur über minimales Zytoplasma verfügen, erschöpfen sie schnell ihre gespeicherten Energiereserven und haben nur begrenzte Reparaturkapazitäten. Im Vergleich zu anderen Zelltypen macht sie das besonders anfällig für Schäden durch Speicherung. Unsere Studie zeigt, wie regelmäßige Ejakulation der männlichen Fruchtbarkeit einen kleinen, aber bedeutsamen Schub verleihen kann.»

Heißt also: Reife Samenzellen bauen beim Warten im Körper stetig ab. Sie werden ohne Energiereserven immer träger und gehen mangels eigener Reparaturmöglichkeiten zunehmend kaputt. Die treibende Kraft hinter diesem Verfall ist oxidativer Stress. Aggressive Sauerstoffmoleküle greifen die Samenzellen wie biologischer Rost an und schädigen so die DNA.

Ein universelles Gesetz der Natur

Für ihre Untersuchung fasste das Forschungsteam 115 bestehende Arbeiten mit Daten von knapp 55 000 Männern aus 31 Ländern zusammen. Um zudem zu prüfen, ob dieses «biologische Ablaufdatum» ein grundlegendes Gesetz der Natur darstellt, werteten sie zusätzlich 56 Studien zu 30 verschiedenen Tierarten aus. Das Spektrum reichte dabei von Fruchtfliegen bis hin zu Fledermäusen. Letztere tragen Spermien teils über einen monatelangen Winterschlaf hinweg ungenutzt in sich.

Bei Tieren waren die Konsequenzen der Lagerung sogar noch drastischer als beim Menschen. Hier senkt die lange Speicherung nicht nur die Qualität der Spermien. Sie führt außerdem zu einer schlechteren Befruchtungsrate und mindert die Qualität der entstehenden Embryonen.

Konsequenzen für die Kinderwunschbehandlung

Die Erkenntnisse aus der Studie fordern ein Umdenken in der Fortpflanzungsmedizin: Bislang orientieren sich viele Kliniken an der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, die eine mehrtägige Abstinenz für die künstliche Befruchtung im Reagenzglas vorsieht. Zwar erhöht langes Warten die reine Menge an Spermien in der Probe, das hilft aber wenig, wenn die Zellen dadurch schlechter werden. Wer Schäden an der DNA minimieren will, sollte demnach besser auf frischeres Sperma setzen.

Titelbild: TSViPhoto/Shutterstock

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Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.


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