Nest Hub im Test: Google Assistant mit Bildschirm

Nest Hub im Test: Google Assistant mit Bildschirm

Jan Johannsen
Hamburg, am 22.02.2021
«OK Google, wie wird das Wetter?» Wenn du die Antwort auf diese Frage nicht nur hören, sondern auch sehen willst, dann ist der Nest Hub ein Gerät für dich.

Nest ist Googles Marke für Hardware, die die Bereiche Smarthome und Audio verbindet. Du kannst ihn dir als kleines Tablet auf einem Standfuß mit eingebautem Lautsprecher vorstellen. Allerdings läuft auf ihm nicht Android, sondern nur der Google Assistant. Und das macht ihn ziemlich uninteressant, wenn du die Sprachsteuerung nicht benutzt.

«OK Google, wo soll ich dich hinstellen?»

Zuerst gilt es einen Platz zu finden, an dem der Nest Hub stehen kann. Er hat keinen Akku und ist mit dem Kabel in der Steckdose nicht besonders flexibel. Für den Test landet er bei mir vorerst auf dem Schreibtisch, so habe ich ihn im Homeoffice immer an meiner Seite. Wo würdest du ihn hinstellen?

Wetter und Kalendereinträge, der Nest Hub ist ein kleines Info-Display.
Wetter und Kalendereinträge, der Nest Hub ist ein kleines Info-Display.

Die Einrichtung erfolgt über die «Home»-App von Google (Android/ iOS) und funtioniert ohne Probleme. Verbindung herstellen, einen Raum festlegen und falls noch nicht geschehen, Streamingdienste mit dem Google Assistant verknüpfen. Für Musik stehen Spotify, Deezer und Youtube Music zur Auswahl, für Videos Netflix, Disney+ und Maxdome. Youtube ist als Google-Dienst sowieso mit an Bord. Die Dienste von Amazon und anderen Anbietern bleiben allerdings außen vor.

Die Bedienung des Nest Hub erfolgt per Stimme und über den Touchscreen. Die einzigen Tasten dienen der Steuerung der Lautstärke und zum Ausschalten des Mikrofons. Die Bedienung über den Touchscreen kann nicht viel. Du kannst laufende Songs oder Videos stoppen und überspringen. Bei verbundenen Streamingdiensten steht dir mit den Fingern keine Suche zur Verfügung. Du kannst nur auf Empfehlungen zugreifen. Die Suche gibt es nur über die Sprachsteuerung. Startest du einen Anruf über Google Duo, musst du einen Namen sagen. Eine anklickbare Auswahl an Kontakten gibt es nicht.

Wenn du noch Ideen brauchst, was der Google Assistant für dich machen kann.
Wenn du noch Ideen brauchst, was der Google Assistant für dich machen kann.

«Hey Google, schönes Display hast du da»

Vereinfacht gesagt, kann der Nest Hub das, was der Google Assistant kann. Und nur das. Du kannst Musik, Filme und Videos von Youtube und den verbundenen Streamingdiensten starten und dafür deren deren Suchfunktionen nutzen. Aber besonders bei Hörspielen hat zum Beispiel Spotify massive Probleme auf Ansage eine klar benannte Folge zu spielen und bei Disney+ klappt es nicht gezielt, eine Folge der Simpsons zu starten. Da hilft dann nur noch die integrierte Chromecast-Funktion, über die du Filme, Serien und Musik von der Smartphone-App auf dem Nest Hub abspielen kannst.

… was maximal absurd wäre. Dafür gibt es Fernseher.

Nur Empfehlungen auf dem Touchscreen, die Suche bei Youtube gibt es nur über die Sprachsteuerung.
Nur Empfehlungen auf dem Touchscreen, die Suche bei Youtube gibt es nur über die Sprachsteuerung.

Der Nest Hub ist aber nicht nur Abspielstation. Er ist auch Uhr und Wecker, zeigt Wetterinformationen und deine Kalendereinträge an und lässt sich als digitaler Bilderrahmen einrichten. Das ist alles irgendwie ganz nett, aber nichts, was ich dringend bräuchte. Da erscheint es mir noch am sinnvollsten, den Nest Hub für die Steuerung von Smarthome-Geräten zu benutzen. Sofern diese über die Home-App integriert sind, klappt das gut.

Zum Beispiel: Licht an, Heizung runter, den Song in der Küche abspielen und das Video auf dem Fernseher streamen. Das kannst du zwar alles schon über dein Smartphone, aber mit dem Nest Hub kann das jeder in der Wohnung – ohne dein Smartphone in Hörweite zu haben oder auf dem eigenen die Home-App einzurichten.

Sieben Zoll misst der Touchscreen des Nest Hub. Das ist als Info-Anzeige für die Wettervorhersage, als digitaler Bilderrahmen oder für gelegentliche Youtube-Videos ausreichend. Für ganze Serienfolgen oder Filme dann aber doch etwas klein. Immerhin: So langweilig ich einen digitalen Bilderrahmen finde, der Nest Hub schafft es, die Bilder besonders effektvoll aussehen zu lassen. Durch Kontraste und Konturen entsteht ein 3D-Effekt. Dies gilt aber nicht für Videos.

Auf einem Foto lässt sich der 3D-Effekt nicht richtig einfangen.
Auf einem Foto lässt sich der 3D-Effekt nicht richtig einfangen.

Angenehm ist, dass sich die Helligkeit automatisch an das Umgebungslicht anpasst. Das Display geht sogar aus, wenn es richtig Dunkel ist und zeigt nur noch dezent die Uhrzeit an. Für das Schlafzimmer ist mir das aber immer noch zu hell.

«OK Google, kannst du auch gut klingen?»

Im Nest Hub steckt ein Breitbandlautsprecher. Der Name hört sich gut an, ist aber eine schöne Umschreibung für Kompromisse. Es handelt sich um einen Lautsprecher, der alleine fast den gesamten hörbaren Bereich wiedergeben soll. Diese Art von Lautsprechern sind in der Regel klein und günstig und befinden sich zum Beispiel auch in Radios. Aber du ahnst es schon, wenn ein einzelner Lautsprecher einen möglichst großen Frequenzbereich abdecken soll, dann klingt das nicht so gut, wie wenn für Höhen, Mitten und Tiefen entsprechend dafür spezialisierte Treiber zum Einsatz kommen.

Im Standfuß befindet sich der Lautsprecher. Die Mikrofon-Taste signalisiert auch farblich, dass es ausgeschaltet ist.
Im Standfuß befindet sich der Lautsprecher. Die Mikrofon-Taste signalisiert auch farblich, dass es ausgeschaltet ist.

Das bedeutet konkret, dass der Sound kein Grund ist, sich den Nest Hub zuzulegen. Für die Sprachausgabe des Google Assistant und um nebenbei Musik laufen zu haben, reicht es aber. In einem Multiroom-Setup mit weiteren Lautsprechern geht der Nest Hub zum Glück unter und stört nicht. Höher als Stufe 3 von 10 habe ich seine Lautstärke nicht gestellt. Mit zunehmender Lautstärke wurde der Sound unangenehmer. Kannst du auf das Display verzichten, ist selbst der Nest Mini ein besser klingendes stationäres Gerät für den Google Assistant.

«Hey Google, ich muss schon ein Fan von dir sein»

Der Nest Hub lohnt sich nur, wenn du Google Assistant intensiv nutzt und seine Rückmeldungen unbedingt auf einem Display sehen willst. Andernfalls sind dein Smartphone oder Lautsprecher mit Google Assistant wegen der niedrigeren Kosten oder dem besseren Sound die bessere Wahl. Auf den erwähnten Nest Mini trifft beides zu und er lässt sich ebenfalls von allen Anwesenden in der Wohnung benutzen. Die Touch-Bedienung des Nest Hub ist zu eingeschränkt, um sie als Kaufargument gelten zu lassen, und die Zeiten von digitalen Bilderrahmen sind eindeutig vorbei..

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Jan Johannsen
Jan Johannsen
Content Development Editor, Hamburg
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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