

Pias Picks: Warum ich meine Fliesen jetzt nach draussen verlege
Du putzt deine Keramikfliesen. Bewundert hast du sie dabei noch nie. Sie hängen im Bad, liegen auf dem Küchenboden, kleiden die Dusche aus – zuverlässig, unauffällig, meist vergessen. Dabei wären sie im Freien viel besser aufgehoben.
Den Anfang habe ich 2023 in Ausstellungen gesehen: Designstudios fliesten Tische, Hocker, Lampen – und machten Keramik vom Hintergrundrauschen zum Hauptdarsteller. Jetzt zieht der Trend nach draussen. Geflieste Gartentische fühlen sich dabei nicht wie ein Hype an, sondern wie eine längst überfällige Korrektur.
Das falsche Zimmer
Keramik ist kratz-, stoss- und fleckenbeständig. In Lissabon wissen sie das seit Jahrhunderten. Dort kleiden Azulejos ganze Hausfassaden aus, schutzlos Wind und Regen ausgesetzt. Das Material verblasst nicht in der Sonne und quillt nicht auf bei Nässe. Es ist fürs Freie gemacht. Und wir haben es hierzulande trotzdem jahrzehntelang ins Bad oder die Küche gesperrt.
Handwerk mit Wetterfestigkeit
Kave Homes «Maurina»-Tische sind ein gutes Beispiel für Outdoor-Keramik. Yonoh Studio hat die Tischplatte als Mosaik aus geometrischen Kacheln gestaltet. Das Duo Clara del Portillo und Alex Selma aus Valencia beschreibt seinen Stil so: «skandinavische Reinheit, aber mit mediterranem Mut». Passender könnte ein Satz für diese Tisch-Serie kaum sein. Das Stahlgestell ist verzinkt, die Beine haben Kunststoffschutz für alle Bodenarten, und die Modelle lassen sich kombinieren, was praktisch auf kleinen Balkonen ist.

Quelle: Kave Home

Quelle: Kave Home
Die «Dendi»-Tischreihe von Am.Pm geht einen Schritt weiter. Sie kombiniert ein Gestell aus Eukalyptus-Sperrholz mit handverlegten Keramikkacheln.
Weil jede Kachel einzeln aufgetragen wird, ist kein Stück wie das andere, was auf einem Balkon oder einer Terrasse viel mehr auffällt als auf einem Badezimmerboden. Sonnencreme, Rotwein, umgekipptes Glas – die Oberfläche bleibt unversehrt.
Ganz aus Keramik
Diese Entwürfe erinnern mich an Devin Wildes Arbeit. Der New Yorker Künstler baut seine Möbel komplett aus Keramik. Sein Stil ist eine Mischung aus klassischer Architektur, Art déco und postmodernen Referenzen; seine Glasuren erinnern an oxidiertes Metall und verwitterten Stein. Wilde, der an der Stanford Universität Architektur studiert hat, sagt laut Wallpaper Magazin, er schätze die gestalterische und technische Herausforderung, solche Formen stabil und proportional zu halten – «da steckt einiges drin, was man nicht sieht». Es sind Indoor-Stücke, aber sie zeigen, wohin die Reise gehen kann.
Näher dran am Balkon und am Alltag ist die «Mesquida»-Serie von Kave Home: Tische aus Zement und Terrazzo, emailliert, in verschiedenen Formen und Farben. Jedes Stück hat eine leicht andere Textur und Porosität, wirkt also nie ganz gleich und genau das kommt im Aussenbereich erst richtig zur Geltung, wo Licht und Schatten die Oberfläche immer anders aussehen lassen.

Quelle: Kave Home
Vielleicht ist es Zeit, die Fliese neu zu denken – als Möbelmaterial, das draussen mehr leistet, als es drinnen je könnte. Und dabei noch gut aussieht. Das Bad kommt damit schon klar. Es hat ja auch noch Keramikfliesen.
Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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