
Hintergrund
Trendsport Foilen: Atemberaubende Rennen im Indoor-Pool
von Siri Schubert

Spektakuläre Manöver und extrem knappe Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Indoor Pumpfoil World Cup auf der weltweit grössten Wassersportmesse zog hunderte Interessierte in seinen Bann. Das Ergebnis: ein Schweizer Doppelsieg.
Die Spannung steigt im 50-Meter-Becken in der Funsport Halle der internationalen Bootsmesse in Düsseldorf. Denn die «Boot» ist nicht nur Showcase für Superyachten und neue Wassersportgeräte, sondern auch Austragungsort des Saisonauftakt-Rennens der Surf Foil World Tour (SFT).
Das Startsignal ertönt: 16 Männer und acht Frauen treten in den nächsten Stunden in Ausscheidungsrennen gegeneinander an. «Best of three» nennt sich der Modus. Je zwei Foilerinnen oder Foiler müssen den Slalom-Kurs um die Bojen mindestens dreimal absolvieren. Wer zwei der Rennen für sich entscheidet, kommt eine Runde weiter.
Dabei geht nicht immer alles glatt: Beinahe-Kollisionen, Fehlstarts und andere Missgeschicke verlängern die Rennen, so dass nicht nur das technische Können und die Schnellkraft, sondern auch die Kondition auf eine harte Probe gestellt wird.

Das Rennen ist ein Treffpunkt der internationalen Szene: Das Schweizer Team misst sich unter anderem mit Fahrerinnen und Fahrern aus Australien, Frankreich, Tahiti, Spanien, Deutschland und Österreich, darunter die olympischen Kitesurferin Alina Kornelli.
Nach rund zwei Stunden Action pur steht fest: Bei den Frauen gewinnt die Schweizerin Sarah Spalinger und verteidigt so ihren Titel aus dem vergangenen Jahr. Bei den Männern siegt der 19-jährige Schweizer Edan Fiander vor dem Australier Kai Thompson, der sich als Top-Downwind-Foiler bei den Ozean-Rennen in Hawaii einen Namen gemacht hat.
«Die Stimmung ist einzigartig auf diesem Event», sagt Sarah nach ihrem Sieg. «Ich war extrem nervös und die Bedingungen sind nicht einfach.» Es waren nicht nur die geringe Höhe des Starterdocks, die eng gesteckten Bojen und die mangelnde Wassertiefe des Pools, die der Spitzenathletin zu schaffen machten. Auch der Fehlstart beim ersten Durchlauf zerrte an ihren mentalen Kräften. Denn beim Pumpfoilen kommt es sehr stark auf das Gefühl fürs Gleiten und die Konzentration an. Sind die nicht spot-on, wird es schwierig.

«Jetzt bin ich erstmal erleichtert», sagt Sarah, die hauptberuflich als Ärztin arbeitet, nach ihrem Sieg. Besonders schön: Sie gewann auf einem Board, das sie selbst designt und gemeinsam mit dem Shaper Andi Widmann für den Schweizer Wassersport Brand Indiana umgesetzt hat. Die Fishtail-Form repräsentiert für sie die Freude und das Spielerische beim Wassersport.
Für Edan Fiander ist sein Sieg der beste Saisonauftakt, den er sich wünschen konnte. «Ich bin sehr glücklich», strahlt er, «und das ist ja erst der Anfang». Für ihn war die mentale Challenge entscheidend. «Wenn du nervös wirst und nicht perfekt startest, ist es vorbei», sagt er. Ruhig zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen, sei deshalb sein Erfolgsrezept gewesen. Leichter gesagt als getan, denn selbst erfahrene Pros sind bei diesem besonderen Rennformat ins Straucheln gekommen.

Gleich zwei Siege für die Schweiz? Wie ist das möglich? «Die Stimmung hier ist super und wir haben einen tollen Teamspirit», sagt Christian Müller, Präsident der Swiss Foiling Tour. Er unterstützt die 12 Schweizer Athletinnen und Athleten auf der «Boot». «Auf dieser Bühne zu zeigen, was möglich ist, motiviert auch den Nachwuchs», sagt er. Zwei der jüngsten Teilnehmenden (14 Jahre alt) kommen aus der Schweiz, wo Swiss Foiling gezielt in die Arbeit mit jungen Talenten investiert.

Tatsächlich ist es für die Schweizer Crew ein Highlight, vor einem begeisterten Publikum auf der Bootsmesse zu performen. Nach dem erfolgreichen Debut im vergangenen Jahr hat sich der weltweit einzige Indoor-Pumpfoil-Contest zum Publikumsmagneten entwickelt. Hunderte Zuschauer – von Kindern bis Senioren – säumen den Beckenrand, um einen Blick auf die Spitzenleistungen in der Trendsportart zu erhaschen. So nah an der Action zu sein, ist eine aussergewöhnliche Chance. Denn die anderen Wettkämpfe finden auf Seen oder dem Meer statt, mit dem Publikum in sicherer Distanz auf dem Trockenen.

Der Schweizer Balz Müller, der sich als Foil-Freestyle-Pionier einen Namen gemacht hat, kommentiert: «Das hier ist die Chance, im Winter als Community zusammenzukommen und unseren Sport zu leben. Wir wollen motivieren und inspirieren – und es ist krass, wie stark sich der Sport weiterentwickelt hat.»

Wenn du Lust hast, bei Rennen zuzuschauen oder selbst an den Start zu gehen, findest du die Termine für die Swiss Foiling Tour hier. Daten für die internationalen Rennen der Surf Foil World Tour (SFT) mit den Disziplinen Pumpfoiling, Surffoiling, Wakefoiling, E-Foiling und Downwindfoiling kannst du hier erfahren.
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Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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