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Hintergrund

«Snowrunner» mit Pferden: «The Legend of Khiimori» will auch Fans ausserhalb des Stalls begeistern

Ein Game, das Fans von Pferden und von Fahrzeugsimulatoren anspricht: «The Legend of Khiimori» könnte dieser Spagat gelingen. Wie, verrät mir die Schweizer Pferde-Game-Expertin Alice Ruppert im Interview.

In «The Legend of Khiimori» spielst du eine mongolische Kurierreiterin im 13. Jahrhundert. Das Pferd und die Kultur stehen im Zentrum. Während du in den meisten Games mit Pferden die wildesten Manöver machen und sie endlos antreiben kannst, verhält sich dein vierbeiniger Begleiter in «The Legend of Khiimori» deutlich authentischer. Das Game ist eine Mischung aus Pferdesimulator und Open-World-Abenteuerspiel.

Damit will das Münchner Studio Aesir Interactive auch Spielerinnen und Spieler ausserhalb der klassischen Pferde-Community ansprechen.

Welche Herausforderungen ein Pferdesimulator mit historischem Einschlag mit sich bringt, wie sich das Pferde-Genre entwickelt hat und wieso Vergleiche mit «Red Dead Redemption 2» ein zweischneidiges Schwert sind, erklärt mir Alice Ruppert. Sie ist in verschiedenen Funktionen im Game-Bereich aktiv – früher als Spieledesignerin, heute vermehrt als Beraterin und Produzentin, so auch bei «Legends of Khiimori». Auch bei anderen Titeln wie «Equinox: Homecoming», «Horses of Hoofprint Bay» oder Okomotives neustem Spiel «Pinkeep» wirkt sie mit.

Mit ihrer Website «The Mane Quest» hat sie zudem eine wachsende Herde von Pferde-Game-Liebhabern um sich geschart. Längst gilt sie als die Genre-Expertin schlechthin.

Alice Ruppert hat sich als Pferde-Game-Expertin etabliert.
Alice Ruppert hat sich als Pferde-Game-Expertin etabliert.
Quelle: Alice Ruppert

Vor acht Jahren warst du bei uns zu Gast, um gemeinsam «Red Dead Redemption 2» zu spielen. Wie haben sich Pferdegames seither entwickelt?
Alice Ruppert, Beraterin und Produzentin bei «The Legend of Khiimori»: Im Jahr 2018 waren Pferdespiele noch eine Nische, primär von traditionellen Publishern für ein jüngeres Publikum entwickelt. Seither ist das Genre regelrecht explodiert. Auch der Indie-Sektor verzeichnet stetiges Wachstum. Viele Leute schwören allerdings immer noch auf «Red Dead Redemption 2», weil es das grösste Game mit den aufwändigsten Animationen ist. Und Spiele von Rockstar kommen schliesslich nicht alle Tage raus.

Kürzlich gab es sogar das erste Steam Horse Fest, das Pferdespiele in den Fokus gestellt hat. Warum ist das Genre plötzlich so populär?
Es ist schwierig, das an etwas Bestimmtem festzumachen. Es war aber längst überfällig. Das Interesse am Reitsport und das Interesse an Games existieren schon lange. Die Überschneidung ist daher nicht überraschend. Entwickler und Studios kommen oft auf mich zu, weil sie meine Community und mich gefunden haben. Ich behaupte nicht, dass diese Popularität nur mein Verdienst ist. Unsere Community wurde aber schon in einigen Pitches als wichtige Early Adopters aufgeführt.

Als Kurierreiterin lieferst du Ressourcen und Nachrichten an die Steppenbewohner.
Als Kurierreiterin lieferst du Ressourcen und Nachrichten an die Steppenbewohner.
Quelle: Aesir

Spiele über die Mongolei, die sich nicht um Dschingis Khan drehen, sind eine Rarität. Solche, in denen du eine mongolische Botengängerin spielst, sind vermutlich sogar einzigartig. Wie seid ihr zu der Idee gekommen?
Ursprünglich planten wir einen eher traditionellen Genrevertreter mit modernem, vage europäischem Setting, in dem Turniere bestritten und der eigene Stall ausgebaut werden. Der CEO von Aesir, Wolfgang Emmer, und ich begannen, das Konzept zu hinterfragen. Unsere Community war bereit für etwas Neues. Ich war skeptisch, ob wir erneut die üblichen Klischees bedienen sollten. Die Frage war: Was sind die Alternativen? Wir kamen schnell auf die mongolische Kurierreiterin. Das historische Setting erleichtert vielen den Zugang zu einem Pferdespiel, ohne die klassischen Pferde-Gamer zurückzulassen.

In «The Legend of Khiimori» geht es für einmal nicht um Dschingis Khan.
In «The Legend of Khiimori» geht es für einmal nicht um Dschingis Khan.
Quelle: Aesir

Ein Freund beschreibt das Spiel als «Snowrunner» mit Pferden. Hältst du diesen Vergleich für passend?
Das Spiel kenne ich zwar nicht, aber ich habe schon mehrfach gehört, «The Legend of Khiimori» sei «Euro Truck Simulator» mit Pferden. Die Fortbewegung ist ein zentraler Teil des Spiels. Zweifellos weist es Gemeinsamkeiten mit entspannten Liefersimulationen auf.

Auch die Planung der Strecke gehört dazu.
Auch die Planung der Strecke gehört dazu.
Quelle: Aesir

Im Spiel kann ich meine eigenen Pferde züchten. Wie wirkt sich das auf den Spielverlauf aus?
Man kann es sich wie einen Skill-Tree vorstellen. Durch die Kombination der richtigen Pferde werden neue Fähigkeiten freigeschaltet. Beispielsweise vereint ein Fohlen die Stärken des Hengstes und die Ausdauer der Stute – der eigene Stall wird so kontinuierlich aufgewertet. Ziel ist dabei nicht das ultimative Pferd, sondern ein passendes Pferd für jeden Auftrag. Wir implementieren verschiedene Pferderassen mit spezifischen Veranlagungen und Fähigkeiten. Während sich ein Pferd besser für eine Bergtour eignet, kommt ein anderes besser mit winterlichen Temperaturen zurecht. Strategisches Vorgehen ist gefragt; man würde auch keinen Ferrari für eine Fahrt über einen verschneiten Berg nehmen.

Selbst mir als völliger Pferdelaie fällt auf, wie ungewöhnlich sich das Pferd anfühlt. Es reagiert nicht sofort auf mein Kommando, wie ein Auto. Bei niedriger Ausdauer wirkt es schwerfällig und ist schwieriger zu steuern. Ich kenne auch kein anderes Game, in dem mein Pferd ausrutschen kann, wenn es falsch auf eine Steinplatte auftritt.
Das Pferd in «The Legend of Khiimori» ist keine Maschine, sondern ein Werkzeug. Du brauchst das richtige Werkzeug für die richtige Aufgabe. Die Mechanik geht über reine Geschwindigkeits-Upgrades hinaus. Nimmst du die Abkürzung durch den Schlamm oder bleibst du auf der Strasse? Das eine ist vielleicht schneller, es ist aber auch anstrengender fürs Pferd, es hat weniger Energie und es wird schmutzig. Dann musst du es wieder putzen. Das gibt dem Ganzen eine grössere Tiefe, als wenn du einfach auf den Sprint-Knopf hämmerst.

Pferde haben verschiedene Eigenschaften und können auch gezüchtet werden.
Pferde haben verschiedene Eigenschaften und können auch gezüchtet werden.
Quelle: Aesir

Ist «The Legend of Khiimori» das realistischste Pferdespiel?
Realismus kann vieles bedeuten, von Animation über Modelle bis zu Mechaniken. Gerade bei letzterem haben wir mit «The Legend of Khiimori» viel zu bieten. Trotzdem ist es fast unmöglich, mit Industrie-Giganten wie «Red Dead Redemption 2» mitzuhalten – das hat gemäss Schätzungen hundertmal mehr gekostet. Vergleiche mit solchen Blockbustern sind ein zweischneidiges Schwert: Wir freuen uns, dass das Spiel gut genug aussieht, um mit den «Grossen» mitzuhalten. Die Kehrseite ist, dass die Leute vielleicht mit viel zu hohen Erwartungen an das Spiel herankommen.

Aesir legen viel Wert darauf, dass die Pferde möglichst lebendig aussehen und sich auch so anfühlen.
Aesir legen viel Wert darauf, dass die Pferde möglichst lebendig aussehen und sich auch so anfühlen.
Quelle: Aesir

Apropos grosses Budget. Ihr steckt eure Pferde vermutlich nicht in Motion-Capturing-Anzüge wie Rockstar?
Nein. Grundsätzlich wäre dies auch für uns machbar, es bringt aber viele Herausforderungen mit sich. Motion Capturing ist nicht per se besser als Handanimation. Die Auswertung der Daten ist komplex, und ein Pferd stellt logistisch eine immense Herausforderung dar. Während für Menschen ein kleines Büro genügt, braucht ein Pferd eine spezielle Reithalle. Zudem muss das Pferd einen Anzug tragen, da die Marker nicht am Fell haften.

Motion Capturing gibt es zwar nicht, dafür kommen die Pferde auch mal zu Wort.
Motion Capturing gibt es zwar nicht, dafür kommen die Pferde auch mal zu Wort.
Quelle: Aesir

Bleiben wir kurz bei «Red Dead Redemption 2». Dort waren die Pferdehoden ein grosses Thema. Gibt es in «The Legend of Khiimori» auch Pferdegenitalien?
Darauf haben wir verzichtet. Mich haben schon sehr viele Leute zu den Pferdeeiern in «Red Dead Redemption 2» befragt. Das war einfach ein Marketingstunt. Dabei sehen sie erst noch schlecht aus: Sie wirken hölzern, hängen prominent und sind völlig steif. Es ist das Unrealistischste am ganzen Pferd. So viele Hengste gab es ohnehin nicht und bereits im Wilden Westen war Kastration weit verbreitet.

«The Legend of Khiimori» spielt in der Mongolei, hat mongolische Schrift, mongolische Sprachausgabe, Musik und Bräuche. Wo habt ihr die Expertise dafür hergenommen?
Wir wussten von Anfang an: Wenn wir uns an eine andere Kultur wagen, muss das mit Respekt, Vorsicht und Authentizität geschehen. Man kann in einem historischen Spiel nie von 100‑prozentiger Authentizität sprechen. Das ist unmöglich. Aber man kann seine Hausaufgaben machen. Das haben das Art- und das Game-Design-Team vom ersten Tag an getan. Neben umfangreicher Eigenrecherche arbeiteten wir mit Beratern zusammen, darunter Personen aus der Mongolei und Akademiker, die sich mit der Kultur befassen. Auch die mongolische Band, die beim Soundtrack mitwirkte, lieferte wichtige Inputs.

Wo habt ihr bei der Authentizität auch mal ein Auge zugedrückt?
In der Mongolei ist es unüblich, dem Pferd einen Namen zu geben. Es sind Nutztiere. Sie werden vielleicht als «der Braune» oder «der Weisse» bezeichnet. Wir wollten den Spielern dennoch die Namensgebung zu ermöglichen, da dies vielen Freude bereitet. Und ein Tabu ist das in der Mongolei auch nicht.

Gibt es etwas, woran ich sofort erkenne, dass ein Pferd unrealistisch animiert ist?
Am meisten ärgere ich mich darüber, wenn ein Pferd auf gebeugten Vorderbeinen steht. Dieses Merkmal ist in fast allen Spielen zu finden, einschliesslich «Red Dead Redemption 2». Es ist anatomisch inkorrekt: Ein Pferd muss sein Vorderbein durchstrecken, um Gewicht aufnehmen zu können. Dies ist ein fundamentaler Grundsatz der Funktionsweise von Pferde-Gelenken, -Sehnen und -Muskeln. Da Pferde im unteren Beinbereich keine Muskeln haben, funktioniert dieser Teil wie ein Federsystem. Titel wie «Ghost of Tshusima» und «Elden Ring» schneiden in diesem Punkt noch schlechter ab als «Red Dead Redemption 2».

Aber das Tier aus «Elden Ring» ist doch auch irgendein Zauberpferd.
Egal! Es mag von mir aus einen Doppelsprung beherrschen, aber es darf nicht auf gebeugten Beinen stehen (lacht).

«The Legend of Khiimori» ist ab dem 3. März im Early Access für PC erhältlich.

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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