So machst du aus einem Server einen Budget-Gamer-PC
HintergrundGaming

So machst du aus einem Server einen Budget-Gamer-PC

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 28.06.2017
Ein Gamer-PC muss weder viel kosten noch musst du dafür zum Hardware-Experten werden. Mit wenigen Handgriffen machst du aus einem Server eine ordentliche Gaming-Machine fürs kleine Portemonnaie.

Gamer-PCs kannst du entweder selber basteln oder ab der Stange kaufen. Ersteres erfordert entsprechende Vorkenntnisse und letzteres kostet je nach Ausstattung deutlich mehr. Wie wärs mit einem Kompromiss? Mein Kollege aus der Hardware-Abteilung hatte die Idee, doch einfach einen günstigen Server aufzupeppen. Praktisch ohne Bastelei und äusserst Budget-schonend. Mit rund 600 Franken Investitionskosten bist du zwar nicht für 4K-Spielereien gewappnet, aber in Full-HD-Auflösung sollte jedes Spiel ein zufriedenstellendes Ergebnis liefern. Und zwar ohne die Grafik-Einstellungen auf ein Minimum reduzieren zu müssen.

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Das Gehäuse ist angenehm platzsparend.

Die Hardware

Als Grundgerüst dient uns ein kompakter Server von Dell. Der verbaute Prozessor ist ein Intel Xeon E3-1225, der mit 3.2Ghz genügend Leistung für unseren Zweck liefern sollte. Mit der integrierten Grafikkarte und 4GB RAM kommen wir hingegen nicht weit. Für unseren Budget-PC habe ich eine GTX 1050 Ti und einen zusätzlichen RAM-Riegel mit 8GB eingebaut. Ideal wären natürlich zwei identische Module. Es funktioniert allerdings auch so problemlos und es kommt am günstigsten. Damit der PC etwas flotter startet und die täglichen Arbeiten schneller verrichtet, spendiere ich dem Dell zusätzlich eine 120GB-SSD. Damit kommt das 290W-Netzteil noch gut zurecht.

Hardwarekenntnisse brauchst du für den Einbau praktisch keine. Einfach die Grafikkarte vorsichtig in den blauen PCI-E-Slot einstecken und den RAM-Riegel zu seinem bereits vorhandenen Bruder gesellen. Verwende dabei den gleichfarbenen Slot wie der bestehende Riegel. Die SSD braucht dann natürlich ebenfalls Strom sowie ein SATA-Kabel zum Mainboard. Als Orientierung dient dir im Zweifelsfall die schon vorhandene 1TB-Festplatte.

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Das Innere ist schön aufgeräumt. Die Grafikkarte sowie der RAM-Baustein kannst du daher problemlos installieren.

Da noch kein Betriebssystem installiert ist, musst du bevor du mit dem Zocken loslegen kannst, noch ein Windows besorgen und aufsetzen. Da im Dell kein Disc-Laufwerk verbaut ist, brauchst du einen bootfähigen USB-Stick mit Windows.

Aber kommen wir nun zu den Games. Schliesslich soll der Server ja zum Zocken genutzt werden. Ich hab dafür ein paar der geläufigsten Spiele darauf installiert und geschaut, wie er bei einer Auflösung von 1920x1080 Pixel performt. Die Grafikeinstellungen habe ich dafür meistens aufs Maximum gestellt und V-Sync ausgeschaltet.

CS:GO

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Min: 110fps, Max: 220fps, Av: 180fps , bei maximalen Details

«Counter-Strike: Global Offensive» gehört zu jeder Zeit zu den meistgespielten Titeln auf Steam. Da es schon einige Jahre auf dem Buckel hat, brauchst du dafür keine allzu krasse Kiste. Das Spiel hat keinen integrierten Benchmark, daher habe ich erst den FPS Benchmark Mod verwendet. Mit maximalen Details und Kantenglättung rast das Spiel geradezu. Allerdings nur, bis in der Demo eine Rauchgranate explodiert. Dann krachen die Bilder auf 27 pro Sekunde runter. Der krassen fps-Drop scheint aber nur in diesem Benchmark vorzukommen. Im normalen Spiel konnte ich so viele Rauchgranaten werfen wie ich wollte, die Framerate blieb stabil. Der PC ist also mehr als gerüstet, damit du ein paar Terroristen oder Antiterroristen jagen kannst.

«Battlefield 1»

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Min: 45fps, Max: 60fps, Av: 50fps , bei maximalen Details

«Battlefield 1» gehört zu den hübschesten Games auf dem Markt. Erfreulicherweise läuft es absolut rund auf unserer Kiste. Mit allen Einstellungen auf dem Maximum bewegen sich die fps zwischen 45 und 60. Sie könnten sogar noch höher gehen, würde nicht der 60Hz-Büro-Monitor bremsen. DirectX 12 läuft übrigens etwas instabiler als DirectX 11.

«Doom»

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Min: 50fps, Max: 78fps, Av: 60fps , bei maximalen Details mit Vulkan

«Doom» ist wie «Battlefield 1» nicht nur eines der grafisch imposantesten Spiele zur Zeit, es geht auch sparsam mit den Ressourcen um. Alle Details ganz nach oben geschraubt und mit ausgewählter Vulkan-API läuft das Spiel immer noch absolut rund.

Ghost Recon Wildlands

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Min: 38fps, Max: 58fps, Av: 50fps , Details auf Medium

Min: 31fps, Max: 45fps, Av: 40fps , Details auf Very High

Ubisofts Openworld-Spielwiese fordert auch von Highend-PCs einiges ab. Ultra kannst du knicken, wenn dir eine anständige Bildwiederholrate wichtig ist. Allerdings lässt sich das Spiel auch mit deutlich weniger als 60fps noch ordentlich spielen. Mit den Details auf Medium sieht das Spiel immer noch hübsch aus und es läuft ziemlich flüssig. Auf High wird es je nach Wetter und Gegnerzahl etwas stärker einbrechen.

«Fallout 4»

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Min: 40fps, Max: 60fps, Av: 50fps , bei maximalen Details ohne Weapon Debris und HBAO+

Die Postapokalypse sieht zwar nicht aussergewöhnlich hübsch oder scharf aus, die grosse weite Welt verlangt dennoch ihren Tribut. Die GTX 1050 Ti meistert «Fallout 4» vorbildlich. Spielst du Third Person kostet es ein paar fps mehr an Leistung. Und wenn du noch Weapon Debris und HBAO+ dazuschaltest, fallen die fps teilweise sogar unter 40. Aber selbst dann ist es noch gut spielbar. Wer also hübsche Effekte einer höheren Framerate vorzieht, kann «Fallout 4» in seiner ganzen Pracht spielen.

Alle Resultate im Überblick

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Getestet mit einer GTX 1050 Ti in 1920x1080p mit maximalen Details ausser bei Ghost Recon Wildlands.

Flinkes Teil mit einem Haken

Du siehst, der Dell schafft mit etwas Hilfe die meisten Games mit hohen bis maximalen Details sehr flüssig. Beim einen oder anderen Spiel wirst du die Details sicher etwas runterschrauben müssen. Alles in allem, kriegst du hier viel Leistung fürs Geld. Der Aufwand für das Aufsetzen hat sich auch im Rahmen gehalten und du fährst damit einiges günstiger als wenn du ein Komplettgerät kaufst. Natürlich kommt das Teil auch mit Multimedia-Anwendungen wunderbar zurecht nicht zuletzt dank dem Xeon-Prozessor.

Einen kleinen Haken gibt es allerdings. Als ich versuchte ein stärkeres Netzteil einzubauen, um eine GTX 1060 anzuschliessen, musste ich feststellen, dass das verbaute Mainboard nicht über die passenden Stecker verfügt. Es erfordert einen 4Pin- und einen 8Pin-Stecker. Um den 24- beziehungsweise 20Pin-Stecker wie ihn jedes respektable Netzteil besitzt, anzuschliessen, bräuchte es Adapter. Die findest du zwar in den Weiten des Internets, da es aber Produkte von Drittherstellern sind, kann ich sie nur bedingt zu empfehlen. Weiter aufrüsten ist somit nur eingeschränkt möglich.

Abgesehen davon kannst du den Dell-Server aber im Handumdrehen in einen herzigen kleinen PC verwandeln, der praktisch alle aktuellen Spiele mit Bravour meistert.

Der Budget-PC besteht aus den folgenden Teilen und kostet mit rund 600 Franken deutlich weniger als ein vergleichbarer Komplett-PC

PowerEdge T20 - 20-3708 (Intel Xeon E3-1225 v3, 4GB)
Dell PowerEdge T20 - 20-3708 (Intel Xeon E3-1225 v3, 4GB)
8
A400 (120GB, 2.5")
20,79
Kingston A400 (120GB, 2.5")
ValueRAM (1x, 8GB, DDR3-1600, DIMM 240)
34,90
Kingston ValueRAM (1x, 8GB, DDR3-1600, DIMM 240)

Und falls du noch ein Betriebssystem brauchst

Wenn dir das doch zu viel Arbeit ist

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Sirius S80 (Intel Core i7-7700, 16GB, 250GB, 1TB, SSD, HDD)
digitec Sirius S80 (Intel Core i7-7700, 16GB, 250GB, 1TB, SSD, HDD)
5

In der Schweiz gebauter und von unseren Experten für dich zusammengestellter Midrange-PC mit Intel Core i7, 16GB RAM, 250 GB 960 Evo SSD, 1TB HDD, GTX 1050Ti und vorinstalliertem Windows 10.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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