
Produkttest
«Anno 117: Pax Romana»: Lohnt sich die teure «Governor's Edition»?
von Domagoj Belancic

Pünktlich um 11 Uhr gab die Jury heute auf der Nürnberger Spielwarenmesse die Sieger der «Toy Awards 2026» bekannt. Wer überzeugen konnte.
Insgesamt 609 Neuheiten hatten die Hersteller vorab eingereicht. Daraus musste die Fachjury die 18 Finalisten für sechs Kategorien aussieben. Originalität, Spielspaß, Verständlichkeit des Produktkonzepts und das Erfolgspotenzial im Handel sind die Schlüsselfaktoren, um auf der Shortlist zu landen.
In der buntesten Kategorie der Start-ups sichert sich das «Construction Kit» von Beaver Edu aus dem Libanon den Sieg. Aus dünnen Echtholzstäben und Steckgelenken bauen kleine Tüftlerinnen und Tüftler entweder die 22 Designvorschläge nach oder entwickeln ganz eigene Konstruktionen. Mit einem patentierten Schneidewerkzeug sollen Kinder die Stäbe ohne Verletzungsrisiko kürzen können. Der Jury hat die Kombination aus technischem Denken und Basteln gefallen.

Ein Preis, der aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung geht. Die auf die Plätze verwiesenen Vollholzbausteine von «Loggos-BN-M» sehen zwar schick aus, aber das Produkt könnte auch schnell unbeachtet in einer Ecke des Kinderzimmers landen. Und «Akte Fehltritt» von Momentum Games ist nun mal ein Ermittlungsspiel. Die gibt es schon zuhauf, daran ändert dann auch der zugehörige Podcast von 45 Minuten nichts.
«Arches» von Waytoplay Toys ist der Favorit der Jury. In der Kategorie «Sustainability» geht es zwar auch um den Spielspaß, aber in erster Linie darum, Spielwaren aus nachhaltigen Materialien zu produzieren. Genau das ist beim Erstplatzierten der Fall. «Arches» wird in Europa aus recyceltem Kunststoff hergestellt.

Und der stammt in erster Linie aus alten Kühlschränken. Ohne Werkzeug und Magneten bauen Kinder und Erwachsene mit dem Kreativspielzeug Tunnel, Hügel und Figuren.
Nicht durchsetzen konnte sich ein Schlaftier aus recyceltem Material sowie ein 3D-Puzzle aus Karton.
«CluePuzzle – The Wonderbox of Alice» sieht schon auf dem offiziellen Foto beeindruckend aus. Aus über 180 Holzteilen entsteht eine Box mit Schlössern und beweglichen Elementen: eine Mischung aus Escape-Room und 3D-Puzzle.

Die Logikaufgaben sind direkt in der Mechanik integriert. Das knifflige Spiel lässt sich allein oder mit anderen spielen. Und könnte genau deswegen dazu animieren, sich häufiger damit zu beschäftigen. Ein in dieser Kategorie laut Jury entscheidendes Kriterium.
Geschlagen geben musste sich der «Space-Ranger» aus Toy Story. Ein via App bedienbarer Roboter, der nach dem ersten Knalleffekt (u. a. 200 Sound-Snippets) vermutlich genauso schnell verstaubt wie die ebenfalls nominierte ferngesteuerte Drohne.
Lernen sei zwar wichtig, wie es auf der Preisverleihung hieß, Entspannung von der Schule aber auch. Sieger in der Kategorie der Schulkinder ist «Temple Twist» von Franckh-Kosmos.

Die Spielenden müssen zusammenarbeiten, um gemeinsam die Schatzkammern eines Tempels zu entdecken. Originell sind hier Aktionskarten, die ein Drehen der Konstruktion fordern. Und damit den ausgedachten Lösungsweg infrage stellen.
Den Kürzeren ziehen «3D Shapes & Shadows» von Miniland und «GyroDrive» von Fischertechnik. Der Bau von Gebäudeschatten mittels Holzklötzchen erscheint vielleicht etwas zu simpel. Und die Einreichung von Fischertechnik reiht sich nahtlos in die Produkte des Herstellers ein. Möglicherweise zu nahtlos.
Das Spielprinzip von «Der Berg ruft» wirkt einfach. Mindestens zwei Spielende versuchen, schnell und sicher die Steilwand zu erklimmen. Ein Strategiespiel mit altersentsprechend hoher Komplexität, an dem sich auch die Eltern beteiligen können.

Aus meiner Sicht hatte es der Gewinner ziemlich leicht. Denn die konkurrierenden «Boxineers Cardboard Vehicles and Animals» sind im Kern einfach ein Karton, den ich mit aufsteckbaren Teilen verändern kann. Der «Thread-to-Calm Cube» ist eine Box aus Gummi, in die ich bunte Schnüre für geometrische Muster stecke. Beruhigend sicher. Beides sieht ziemlich langweilig aus, finde ich.
Auch die Tonies dürften in den Diskussionen der Jury keinen großen Widerstand gehabt haben. Gewinner sind die bereits im vergangenen Jahr angekündigten «My First Tonies». Das sind mit Silikon gepolsterte Figuren für die Box, damit sich Babys nicht daran verletzen können

Die beiden anderen Nominierungen kommen allerdings auch äußerst brav daher. Der Steckwürfel «Kuby» ist die x-te Variante eines Klassikers, und sich im Badewasser verfärbende Badebücher («Yookidoo Spray ’n’ Roll») und Figuren gibt es auch schon reichlich.
Unter den Blinden ist der Einäugige der König. Ja, unter den Nominierten gab es viele interessante Spielideen. Aber die Preisträger lagen fast auf der Hand, wie ich finde. KI und Digitales haben sich bei den Awards jedenfalls nicht durchgesetzt. Das «klassische» Spiel kommt vielleicht doch noch nicht aus der Mode.
Alle Nominierungen und Gewinner gibt es online in einer Übersicht.
Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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