«The Witcher 3: Blood and Wine»-Review: Das krönende Ende eines unvergesslichen Abenteuers
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«The Witcher 3: Blood and Wine»-Review: Das krönende Ende eines unvergesslichen Abenteuers

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 06.06.2016
«Blood and Wine» ist die zweite Erweiterung für das Rollenspiel «The Witcher 3». Sie bietet einen gigantischen Umfang, fantastische Quests und Verbesserungen an allen Ecken. Warum der Ausflug ins malerische Toussaint Pflicht für alle «Witcher»-Fans ist.

Kein Rollenspiel hat mich mehr gepackt als «The Witcher 3». Die Grafik, die mystische, aber glaubhafte Welt und die abwechslungsreichen Quests haben mich bis zum Schluss begeistert. Kein Wunder, dass ich ausnahmsweise zum DLC gegriffen habe – bereits zum zweiten Mal. Denn schon auf die erste Erweiterung «Hearts of Stone» habe ich mich gestürzt wie ein Ghul auf menschliche Überreste. Dabei lassen mich Spiele-Erweiterungen meistens kalt, nachdem ich das Hauptspiel durch hab. Zum Hexenmeister kehre ich jedoch immer wieder gern zurück.

Neue Monster wie diese Gift-spuckenden Würmer sorgen für Abwechslung.

«Blood and Wine» heisst die zweite und letzte Erweiterung und mit der wollen es die polnischen Entwickler CD Projekt Red noch einmal wissen. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert — und das für läppische 20 Franken (digital). Ich lass mal kurz die Zahlen sprechen:

  • Neues Gebiet von der Grösse aller Skellige-Inseln zusammen
  • Rund 30 Spielstunden
  • Rund 100 Quests
  • Verbesserte Grafik
  • Neues Gwent-Set
  • Neue Mutationen
  • Mehr als 20 neue Monster
  • Neue Meisterschmiede-Stufe für Hexer-Ausrüstung
  • 100 neue Rüstungsteile
  • Über 30 neue Waffen
  • Eigenes Haus mit Weingut
  • Verbessertes Interface
  • Kleider lassen sich färben

CD Projekt Red hat sich enorm Mühe gegeben und man spürt an jeder Ecke, wie viel Herzblut in diesem Spiel steckt. Der DLC beginnt als Geralt von der Baronin Anna Henrietta ins malerische Weinbaugebiet Toussaint bestellt wird, um eine geheimnisvolle Bestie aufzuspüren und unschädlich zu machen. Die Geschichte nimmt es sogar mit der legendären Bloody-Baron-Questreihe aus der Hauptstory auf und übertrifft sie in gewissen Belangen sogar. Wer sein bestehendes Spiel fortführen möchte, sollte mindestens Level 34 sein.

Geschichten, die berühren

Die Baronin Henrietta hat ordentlich Pfeffer im Hintern.

Das neue Gebiet strotzt vor Farben und blühender Natur und ist ein willkommener Gegensatz zum kargen Skelligen oder kriegsgeplagten Velen. Die Landschaft mit ihren Märchenschlössern, Windmühlen und Weinbergen lädt zum Träumen ein. Man fühlt sich wie in einem kitschigen Ölgemälde. Doch der friedliche Eindruck täuscht. Über 20 neue Monster sorgen dafür, dass dem Hexenmeister die Arbeit nicht so schnell ausgeht. Die Quests gehen auf dem gleich hohen Niveau weiter wie man es vom Hauptspiel gewohnt ist. Immer wieder staune ich dabei über den Ideenreichtum. Fliegende Kühe, Anspielungen an Asterix und Obelix oder tödliches Cosplay... Auch nach hundert Stunden schafft es das Spiel noch, mich zu überraschen. Begleitet werden die neuen Abenteuer von einem einlullenden und manchmal unheimlichen Soundtrack, der einem besonders in düsteren Kellerverliesen angenehmen Schauer über den Rücken jagt.

Geralt mutiert weiter

Neben zahlreichen Verbesserungen am Interface, dem Inventar (erhalten alle Besitzer des Hauptspiels mit Patch 1.20) und Möglichkeiten, die Kleider einzufärben, haben die Entwickler ein neues Mutationssystem hinzugefügt. Freigeschaltet wird es über eine Optionale Questreihe. Dadurch erhält man ein komplett neues Menü im Charakterbildschirm mit weiterführenden Spezialisierungen. Damit wird Geralt noch tödlicher oder steckt noch mehr Schaden ein. Auch die bisherigen Charakterbausteine (blau, rot, grün, gelb) erhalten damit einen neuen Slot und laden zum Ausprobieren neuer Kombinationen ein.

Auch neue Ausrüstung für Geralt und sein treues Pferd Plötze warten darauf, entdeckt zu werden – inklusive einer neuen Grossmeister-Stufe für die Hexer-Sets. Obendrauf gibt es noch ein eigenes Haus zum Verweilen und Ausbauen.

Der DLC ist ausserdem ein kleines grafisches Upgrade zum bisherigen Spiel. Texturen sind schärfer, neue Lichteffekte sorgen für mehr Stimmung und fast 90 Prozent der Umgebung wurde komplett neu designt, erklärt Chef-Designer Len de Gracia gegenüber Eurogamer. Beim Spielen fällt das allerdings nur indirekt auf. «The Witcher 3» hat von Anfang an sensationell ausgesehen und noch immer versetzt mich dieser Detailreichtum ins Staunen.

Geralt wird sesshaft.

Fazit: Ein bittersüsser Abschied

«Blood and Wine» ist der krönende Abschluss eines sagenhaften Spiels. Zwar dürfte das Kampfsystem noch etwas komplexer sein und das Crafting-System ist längst nicht perfekt. Noch immer muss man sich durch alle Ressourcen wühlen, bis man den einen Gegenstand findet, der die gesuchten Materialien enthält – statt, dass man auf einen Blick sehen würde, welcher Gegenstand aus der gewünschten Ressource besteht. Auch das Pferd hat immer noch den schlimmeren Orientierungssinn als Apple Maps und kann störrischer sein als eine Katze, die gebadet wird. Und natürlich entpuppen sich ein paar Quests als Lückenfüller. Das sind jedoch Kleinigkeiten im Vergleich zum hervorragenden Gesamteindruck.

Nach fast zehn Jahren seit dem ersten Abenteuer geht Geralt in die verdiente Rente.

«Blood and Wine» ist wie ein perfekt gereifter Wein: Vielschichtiges Bouquet, intensiv im Geschmack und langanhaltender Abgang. Am liebsten würde man ihn ewig saufen. Mit einem weinenden Auge blicke ich auf Geralts letztes Abenteuer zurück, das einen bittersüssen Nachgeschmack hinterlässt. Einerseits schade, dass die Hexer-Saga nun endgültig vorbei ist, andererseits bin ich nun umso mehr gespannt, was CD Projekt Red mit dem nächsten ambitionierten Spiel «Cyberpunk 2077» anstellt.

Ich habe die PC-Version von «Blood and Wine» getestet, die mir von CD Projekt Red zur Verfügung gestellt wurde.


Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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