

Töpferset für Einstieg: Mehr als eine hübsche Mogelpackung?
Lufttrocknender Ton ist praktisch. Aber lohnt es sich, viel Geld dafür auszugeben? Ich habe es ausprobiert.
Ich muss dir wohl nicht erzählen, dass Töpfern seit einigen Jahren voll im Trend liegt. Kein Wunder – wer liebt es nicht, persönliche Kunstwerke und Geschirr aus weicher Masse mit den eigenen Händen zu erschaffen? Doch leider sind die Kursangebote meist teuer und deswegen nicht für alle zugänglich.
Dass es ein Bedürfnis nach einer Lösung für Zuhause gibt, haben Firmen wie Sculpd oder Pott’d erkannt und als Antwort darauf gut vermarktete Töpferkits im Sortiment. Selbsttrocknenden Ton gibt es schon lange, aber sie haben eine bequeme und ansehnliche Lösung entwickelt, die Ton, Farben und Tools direkt zusammen liefert. Das Ganze hat seinen Preis. Und zwar einen saftigen. Um die 100 Franken oder Euro musst du für das Set von Sculpd hinlegen.
Um zu erfahren, ob sich diese Art von Kit lohnt, habe ich einen Lampenfuss mit dem Starter-Set von Sculpd modelliert. Die Anleitung dazu findest du am Ende dieses Beitrags.
Das gehört zum Set
Mein erster Eindruck ist ganz gut. Die Verpackung kommt hübsch und hochwertig daher. Darin finde ich:
- zwei Beutel mit lufttrocknendem Ton, die jeweils 900 Gramm enthalten, obwohl in der Anleitung von einem Kilo pro Packung die Rede ist.
- ein Döschen mit weisser Grundierung
- ein Döschen mit durchsichtigem Lack
- einen Schwamm
- fünf Töpferwerkzeuge
- zwei Pinsel
- acht verschiedene Acrylfarben
- eine Modellieranleitung

Modelliermasse
In der Haptik unterscheidet sich die lufttrocknende Modelliermasse, bis auf die Farbe, spürbar vom brennbaren Ton. Sie fühlt sich gummiartig an. Fast etwas künstlich – auch im Geruch. Teile ich einen Brocken mit einem Messer, bleiben an der Klinge kleine, papierartige Fasern hängen, als wäre der Hauptbestandteil Zellstoff. Über die genauen Inhaltsstoffe habe ich jedoch keine Informationen gefunden.

Auch beim Vergleich zweier Verpackungen desselben Produkts zeigen sich deutliche Unterschiede: Mal ist die Masse direkt nach dem Auspacken recht hart, ein anderes Mal überraschend weich. Dabei lässt sich der weichere Brocken deutlich besser kneten und formen, während ich dem härteren Klumpen Wasser zugeben muss. Das macht die Oberfläche wiederum glitschig und es dauert, bis das Wasser ganz eingearbeitet ist. Was mir positiv auffällt: die doppelte Verpackung sorgt dafür, dass die Masse auch über längere Zeit feucht bleibt. Ähnliche Produkte haben oftmals nur eine Plastikverpackung.


Drücken, Streichen und Ausrollen gelingt mir mit etwas Übung immer besser. Auch Luftbläschen kann ich bei dieser ofenlosen Methode getrost ignorieren. Mit der Zeit verstehe ich, wie ich die Masse am besten forme – und kann loslegen.
Werkzeuge
Dem Set sind vier Modellierhölzer, eine Modellierschlinge und ein Schwamm beigelegt. Die Holzoberfläche der Werkzeuge ist ziemlich rau und nicht besonders gut verarbeitet. Ausserdem wünsche ich mir statt der vier Hölzer unterschiedliche Basic-Werkzeuge wie Metallspachtel, Stahlbesen oder eine Graviernadel. Wer den Einstieg ins Modellieren wagt, wäre damit wohl besser versorgt.

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass für diesen Ton Kunststoff- oder Gummiwerkzeuge besser geeignet sind. Die gummiartige Modelliermasse klebt nämlich sofort am Holz. Für meinen Lampenfuss brauche ich lediglich zwei der vier Werkzeuge. Das meiste mache ich von Hand. Auch die Verarbeitung der Oberfläche mit dem Schwamm klappt nur mässig gut. Risse und Unebenheiten streiche ich mit dem Finger aus.
Acrylfarben
Je nach Kit befindet sich im Basisset eine andere Sammlung an Acrylfarben. Im Shop findest du abgesehen von der hier getesteten Erdfarben-Palette noch eine weitere mit Pastelltönen.
Neben zwei soliden Pinseln werden acht farbige Tuben und ein grösseres Fläschchen mit weisser Acrylfarbe mitgeliefert. Diese wird als Grundierung auf die knochentrockenen Objekte aufgetragen, bevor die farbige Schicht hinzukommt. Grundsätzlich nimmt der Ton die Farbe nicht auf, sie liegt eher wie eine Hautschicht auf dem Material. Das hat den Vorteil, dass du die weisse Grundierung wie Papier bemalen kannst. Aber den Nachteil, dass die Farbe nur schwach haftet und sich bei einem Riss lösen kann. Genau das passiert bei meinem ersten Versuch – und ich muss mein ganzes Kunstwerk wie eine Hautschicht von meinem Lampenfuss ziehen.

Die Auswahl der Farben gefällt mir gut. Sie sind deckend und lassen sich einfach mischen. Bei kleineren Missgeschicken ist es sogar möglich, die noch feuchte Farbschicht mit einem Lappen von der Grundierung zu wischen und neue darüber zu malen. Mit den Farben bin ich zufrieden, denn für die paar Objekte, die ich mit der mitgelieferten Masse fertigen kann, reicht die Menge völlig aus. Dasselbe gilt für den beigepackten Glanzlack. Dieser soll die Farbe schützen und versiegeln und wird als letzte Schicht auf die bemalte Fläche aufgetragen.
Nur die Pinselstriche, die auf dem fertigen Objekt sichtbar sind, stören mich etwas. Das liegt aber eher an der Malmethode mit den Acrylfarben als an dem Sculpd-Modellierset.

Mitgelieferte Anleitung zum Modellieren
Im ersten Abschnitt befindet sich eine kleine Sammlung an Lernhilfen – oder eher 15-Sekunden-Insta-Reel-Tutorials. Diese dienen höchstens als Inspiration. Dafür sind auf den Seiten danach nützliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf Englisch zu finden, die den Einstieg ins Modellieren vereinfachen. Die praxisnahen Beispiele, wie Daumenschalen oder Würstchentechnik, sind zusätzlich mit einem QR-Code zur ausführlichen Videoanleitungen versehen.
Mein Testversuch hat gezeigt, dass ich mit der Menge an mitgeliefertem Ton nicht allzu weit komme und es nur für wenige Experimente reicht.
Lohnt sich das Set für dich?
Eigentlich spricht nicht besonders viel dafür. Insbesondere der Preis ist für den Inhalt ziemlich saftig. Selbsttrocknenden Ton gibts bereits ziemlich günstig. Wenn du zwei Kilo davon, ein Modellierwerkzeug-Set, ein Acrylfarbe-Set, Glanzlack, und zwei Pinsel kaufst, zahlst du mindestens zehn Prozent weniger und hast zudem noch hochwertiges Werkzeug. Wenn du dann noch auf das Set verzichtest und dich auf einzelne Acrylfarben beschränkst, wird es noch günstiger.
Als Geschenkidee funktioniert das Set aber ganz gut. Insbesondere wegen der stylischen und durchdachten Verpackung. Aber wenn du dich mit dem Thema auseinandersetzen willst und etwas Zeit in die Recherche investierst, wirst du länger etwas davon haben, als mit diesem Bastelset.
Fazit
Überteuertes Töpferset für Einsteigende
Pro
- Anleitung für den Einstieg ins Modellieren
- Set kommt mit einer grossen Auswahl an Materialien und Werkzeugen
- durchdachtes Design der Verpackung
Contra
- Preis
- Material der Holzwerkzeuge
- weniger Ton-Inhalt als auf der Verpackung angegeben
Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
Alle anzeigen







