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Hintergrund

«Unreal Tournament» auf dem ersten iMac

Mit dem iMac machte Apple um die Jahrtausendwende Computer cool. 25 Jahre später drücke ich wieder auf den Startknopf, auf der Suche nach Kindheitserinnerungen.

Es ist das Jahr 2001. Ich sitze im Obergeschoss eines kleinen Reihenhauses in einem Thurgauer Dorf. Hier wohnt mein Schulfreund. Er hat einen iMac. Also nicht er, sondern sein Vater. Der ist Mathelehrer und besitzt ganz viele Computer. Alles Macs. Das passt irgendwie zu seinem Vollbart und seinem 68er-Hippie-Vibe. Manchmal liegt er mit geschlossenen Augen auf dem Sofa und sagt, dass er nicht etwa schläft, sondern denkt.

Wie auch immer: Der iMac im Obergeschoss dieses kleinen Reihenhauses in einem Thurgauer Dorf ist ziemlich aufregend. Erstens sieht er ganz anders aus als der beigefarbene Computer meines Vaters – farbenfroher, schöner, cooler. Zweitens ist darauf «Unreal Tournament» installiert.

Aha, eine Sniper Rifle – versteckt sich bestimmt gleich im Turm, die miese Camperin!
Aha, eine Sniper Rifle – versteckt sich bestimmt gleich im Turm, die miese Camperin!

In «Unreal Tournament» kann man mit Raketen auf Bots und andere Spieler schiessen. Dann fliegen Blut und Gliedmassen durch die Gegend. Wow! Mein Freund und ich sind zwar erst 13 Jahre alt, aber sein Vater sieht das mit der Altersempfehlung von Games nicht so eng. Nach dem Zocken liefern wir uns auf dem Estrich echte Deathmatches mit Air Soft Guns. Das finden unsere Mütter nicht so gut, aber wenn wir dabei Skibrillen tragen, geht es knapp in Ordnung. Nullerjahre auf dem Land eben.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zum 50-jährigen Jubiläum von Apple. Die Übersicht mit allen Beiträgen findest du hier:

  • Hintergrund

    50 Jahre Apple

    von Samuel Buchmann

Der erste coole Computer

Der iMac ist damals eine Revolution. Er hat als erster Computer ein Design, bei dem einem nicht das Gesicht einschläft. Mit seinem transparenten, stylischen Gehäuse wirkt der All-in-one-PC freundlich und nahbar. Das macht ihn perfekt für alle, die vorher nichts mit Computern am Hut hatten. Er passt in Schulen und Wohnzimmer. Im Gegensatz zu klassischen PCs mit externem Bildschirm und separaten Lautsprechern verursacht der iMac zudem keinen Kabelsalat. Das Setup dauert keine zehn Minuten – ein Vorteil, den Apple mit einem Werbefilm ausschlachtet.

Die Kehrseite der Simplizität sind begrenzte Schnittstellen für alte Technologien. So fehlen etwa ein Diskettenlaufwerk und ein Serial-Port. Stattdessen setzen Jony Ive und Steve Jobs ganz auf CD-ROM, USB und moderne Netzwerk-Konnektivität: Das «i» steht für Internet. Der iMac ist als erster Computer für den Massenmarkt voll darauf ausgelegt. Er verfügt über ein integriertes 56k-Modem und 10/100-Mbit-Ethernet.

Apples radikale Abkehr von alten Standards bringt dem iMac Kritik ein. Die «New York Times» schreibt: «Einige wenige Kunden kommen vielleicht ohne physische Datenträger zurecht, indem sie ihre Dateien auf einem Netzwerkserver oder im Internet sichern. Doch die meisten Konsumenten, die Apple ansprechen möchte, leben in einer Welt, in der Disketten eine wichtige Rolle spielen.»

Die Anschlüsse waren für damalige Verhältnisse radikal reduziert.
Die Anschlüsse waren für damalige Verhältnisse radikal reduziert.

Die Leistung geht zum Preis von 1200 US-Dollar in Ordnung, ist aber nichts Besonderes. Im ersten iMac steckt der Power-G3-Prozessor mit 233 Megahertz (MHz) und 32 Megabyte (MB) Arbeitsspeicher (RAM). Via Caching kann der Mac zusätzlich bis zu 36 MB virtuellen RAM simulieren. Dieser Satz beschert mir 2026 ein umgekehrtes Déjà-vu: Das MacBook Neo nutzt immer noch Swap Memory, um seinen knappen Arbeitsspeicher zu kaschieren.

  • Produkttest

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Aufrüsten kann man den iMac kaum, was bald zum Problem wird, da die Hardware in den Nullerjahren rasante Fortschritte macht. Der Monitor ist zwar gut, mit einer nutzbaren Diagonale von 13,8 Zoll aber schon für die damalige Zeit klein. Für ein Upgrade der CPU muss die ganze Prozessor-Tochterkarte ausgetauscht werden. Auch die Harddisk betrachtet Apple als «not customer-installable». Lediglich der RAM lässt sich unkompliziert erweitern.

Nur den Arbeitsspeicher könnte ich leicht durch grössere Module tauschen.
Nur den Arbeitsspeicher könnte ich leicht durch grössere Module tauschen.

Im ersten iMac steckt viel vom heutigen Apple

Es ist das Jahr 2026. Ich sitze wieder vor einem iMac – dem allerersten Modell in Bondi Blue. Es stammt aus dem Jahre 1998. Ich habe es für diesen Artikel für 200 Franken auf Ricardo gekauft. Als ich den Startknopf drücke, versetzt mich das Knistern des Röhrenmonitors 25 Jahre zurück in die Vergangenheit. Dann erklingt der vertraute Mac Chime und die Festplatte dreht hoch.

Zu meinem grossen Erstaunen finde ich mich auf dem alten iMac noch immer problemlos zurecht. Der Vorbesitzer hat Mac OS X in der Version 10.1 installiert. Menüstruktur und Benutzeroberfläche sehen hier schon sehr ähnlich aus wie heute. Als Erstes mache ich die Maus schneller, die Lautsprecher lauter und den Bildschirm heller. Letzterer sieht überraschend gut aus. Ich habe die Wahl zwischen 1024 × 768 Pixel bei 75 Hertz und 800 × 600 bei 95 Hertz. Die schnellere Bildfrequenz scheint mir wichtiger als die höhere Auflösung. Bei 75 Hertz sehe ich das typische CRT-Flackern, bei 95 Hertz nicht mehr.

Röhrenbildschirm-Romantik in 800 × 600 Pixel.
Röhrenbildschirm-Romantik in 800 × 600 Pixel.

Positiv überrascht bin ich auch von den Lautsprechern. Schon 1998 holten Apples Ingenieure ziemlich viel aus den internen Böxchen heraus. Sie sind zwar nicht besonders laut, klingen aber ausgewogen. Dieses Markenzeichen findet sich heute noch bei Apples Produkten: Die integrierten Lautsprecher des Studio Display und des MacBook Pro sind in ihrem Formfaktor konkurrenzlos.

Das Kernversprechen des iMac war ein einfaches Setup. Das kann er wegen der alten Software heute nicht mehr ganz einlösen. Eine Internetverbindung erhalte ich zwar auf Anhieb, als ich ein Netzwerkkabel einstecke – doch damit kann ich wenig anstellen. Der vorinstallierte Internet Explorer 5.1 wird von keiner modernen Webseite unterstützt. Mit dem iCab-Browser, den ich auf der Retro-Seite «Macintosh Garden» finde, funktioniert Google, aber sonst nichts. Denn auch iCab kommt nicht mit aktuellen Sicherheitszertifikaten klar.

Ich kann googeln, aber jeder weitere Klick führt zu einer Fehlermeldung.
Ich kann googeln, aber jeder weitere Klick führt zu einer Fehlermeldung.

«Unreal Tournament» als wäre es 2001

Offline-Programme wie iMovie und iTunes funktionieren hingegen. Ich könnte also zum Beispiel Musik auf einen iPod übertragen. Schach spielen geht auch. Nachdem ich mich dreimal vom Computer habe besiegen lassen, finde ich Schach blöd. Ich will stattdessen lieber wieder «Unreal Tournament» spielen.

Eine CD mit dem Game habe ich nicht mehr. Stattdessen suche ich eine ISO-Datei. Auch diese finde ich legal bei Macintosh Garden – denn «Unreal Tournament» ist mittlerweile offiziell kostenlos verfügbar. Nun muss ich die Datei bloss noch auf den iMac bekommen. Das ist gar nicht so leicht. Der alte Computer erkennt keinen meiner USB-Sticks, weil der verbaute USB-1.1-Controller mit grossen Laufwerken Probleme bekundet. Herunterladen kann ich wegen der Browser-Problematik auch nichts und geteilte Ordner scheinen nicht zu funktionieren.

Die Lösung bringt schliesslich der Zugriff über FTP. So kann ich von meinem modernen Mac aus die ISO-Datei auf den alten iMac schieben. Der Rest ist leichter als gedacht: Die ISO lässt sich ohne Zusatzsoftware als virtuelles Laufwerk mounten. Unter Windows brauchte ich dafür früher Daemon Tools. Ein paar Minuten später ist der Arena-Shooter installiert und lässt sich ohne Probleme starten. Cool!

Ich muss das Game in der Classic-Umgebung von Mac OS 9 installieren.
Ich muss das Game in der Classic-Umgebung von Mac OS 9 installieren.

Besonders gut läuft das Spiel allerdings nicht. Der 266-MHz-Prozessor und die ATI-Rage-Grafikkarte mit 2 MB SGRAM sind zu schwach für die damals gute Grafik. Mit niedrigen Details geht es einigermassen, ruckelt aber immer noch in actionreichen Szenen. Das habe ich anders in Erinnerung. Vermutlich hatte der Vater meines alten Schulfreunds damals einen neueren iMac mit stärkerer Hardware.

Stirb, Luthienne!
Stirb, Luthienne!

Egal. Ich trotze den FPS-Einbrüchen, starte ein Spiel und schiesse mit Raketen auf Bots. Sie zerbersten genauso brutal wie damals. Es ist wieder 2001, ich bin 13 Jahre alt und sitze neben meinem Schulfreund im Obergeschoss eines kleinen Reihenhauses in einem Thurgauer Dorf.

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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