Velohose testet Biker und zieht ernüchterndes Fazit: «Ich fühle mich von ihm verarscht»
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Velohose testet Biker und zieht ernüchterndes Fazit: «Ich fühle mich von ihm verarscht»

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 18.11.2021
Bilder: Patrick Bardelli

Meine neue Velohose hat ein Problem mit mir. Ich steige grundsätzlich ohne Unterwäsche in sie. Was daran so schlimm ist? Das soll sie dir am besten gleich selbst erklären.

Hallo, ich bin’s: Patricks neue Velohose. Mein Name ist Assos, Vorname Mille GT. Ich stamme ursprünglich aus dem Tessin und komme aus gutem Hause.

Velohosen
Mille GT Knickers
Assos Mille GT Knickers
L
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Mein Leben war gut. Vielleicht zu gut. Denn an einem grauen Novembermorgen sollte sich alles ändern. Klobige Hände packten mich und warfen mich auf einen Rollwagen. Später schmissen sie mich achtlos auf ein Laufband. Kreuz und quer wurde ich damit durch riesige graue Hallen aus Beton gekarrt. Durch ein kleines Loch im Karton sah ich grelle Neonlichter an mir vorbeihuschen. Nach dieser Odyssee landete ich schliesslich in einem gelben Fahrzeug. Drinnen lag neben mir ein Föhn aus Vietnam, über mir eine Gartenschere aus Tschechien. Es hatte etwas Kafkaeskes.

Und schliesslich wurde ich vor einer Haustüre liegengelassen. So kam ich zu Patrick.

Ich bin die halblange Hose darunter.
Ich bin die halblange Hose darunter.

Früher war alles besser

Nach meiner Ausbildung zur professionellen Bib Short, oder besser gesagt 3/4-langen Bib Knicker, zu Hause im Tessin, machte ich einen Sprachaufenthalt in der Deutschschweiz. In Wohlen im Kanton Aargau lernte ich Deutsch und viel Neues kennen. Es war super. Den ganzen Tag lag ich gut verpackt und wohlig warm in einer schicken Box aus Karton in einem urchigen Regal aus Holz. Um mich herum Produkte aus aller Welt. Wir waren ein bunt zusammengewürfelter Haufen und schon nach kurzer Zeit hatte ich viele neue Freunde gefunden. Ausser Deutsch lernte ich auf diese Weise Englisch und auch ein paar Brocken Mandarin. Die Kurzhantel im Regal über mir stammte aus China.

Ich will das nicht

Seit gut zwei Wochen bin ich nun also bei diesem Hobbygümmeler in der Provinz und muss sagen: Ich mag ihn nicht. Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens bin ich eine professionelle Velohose, er aber kein professioneller Velofahrer. Ich merke das beispielsweise daran, dass er schon nach wenigen Kilometern müde wird und dann beginnt, auf dem Sattel unruhig hin und her zu rutschen. Bei diesem Gewackel wird mir immer ein wenig schlecht. Zweitens bin ich für Touren im Herbst und Frühling gemacht, und zwar draussen. Der Idiot fährt mit mir aber auch drinnen, auf seinem Rollentrainer. Kein Wunder, bin ich schon nach kurzer Zeit komplett vollgeschwitzt. Ich will das nicht, das ist widerlich.

Draussen sollst du mit mir fahren, nicht drinnen!
Draussen sollst du mit mir fahren, nicht drinnen!

Das Widerlichste ist jedoch, dass er sich immer ohne Unterhose in mich zwängt. Nackig. Ich könnte kotzen. Dieses Gefühl, wenn er mich über seine haarigen Beine zieht, immer weiter, immer höher, bis es sich sein nackter und nicht weniger haariger Po schliesslich auf meinem Innenpolster bequem gemacht hat. Auch daran erkenne ich, dass er kein Profi ist. Die haben nämlich wunderbar glattrasierte Beine. Und Pos.

Oft spricht er über mich. Er erzählt dann immer allen Leuten, die es nicht hören wollen, wie bequem ich sei und dass er gerne mit mir auf dem Velo sässe. Schön für ihn. Für mich ist es die Amateur-Hobby-Velofahrer-Hölle.

Auch obenrum trägt er oft nichts.
Auch obenrum trägt er oft nichts.

Etwas Besseres verdient

Soll das etwa meine Bestimmung sein? Den Rest meiner Tage mit einem Amateur verbringen zu müssen. Schliesslich bin ich ein Profi, vollgepackt mit Hightech und koste fast 200 Franken. Da habe ich doch etwas Besseres verdient. Einen rasierten Veloprofi, der weiss, was er macht. Der mit mir ausschliesslich im Herbst oder Frühling draussen unterwegs ist und nicht schon nach zwanzig Kilometern auf dem Bike müde wird. Der auch mal an einem Rennen teilnimmt und dieses womöglich gewinnt. Einen Winner halt.

Oder aber man schickt mich zurück in den Aargau, wo ich in einer schicken Box, umgeben von anderen interessanten Produkten, auf einem urchigen Holzregal mein Leben geniessen kann.

Ich habe etwas Besseres verdient als das.
Ich habe etwas Besseres verdient als das.

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Patrick Bardelli

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.


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