
Hintergrund
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von Samuel Buchmann

Der Bau meines Wohnzimmer-Gaming‑PCs zeigt, wie eng und anspruchsvoll ein 20‑Liter‑System werden kann. Zwischen Lüftern, Netzteil und einer übergrossen Grafikkarte bleibt kaum Spielraum. Umso spannender der Moment, wenn das System endlich zum Leben erwacht.
Die Pläne für diesen Wohnzimmer‑PC drehen sich um ein Ziel: ein Linux‑basiertes High‑End‑System, das sich wie eine Spielkonsole anfühlt und ein Steam‑OS‑Erlebnis liefert, das PS5 und Konsorten alt aussehen lässt. Jetzt folgt der praktische Teil – der Build. Die Komponenten liegen bereit. Etwa 64 Gigabyte Arbeitsspeicher für übergrosse «Skyrim»‑Mod‑Pakete, schnelle SSDs für kurze Ladezeiten und ein grosser Kühler von Noctua für den leisen Betrieb im Wohnzimmer. Auf dem Papier wirkt alles logisch. Im geöffneten Jonsplus Z20-Gehäuse zeigt sich jedoch schnell, wie eng ein kleines 20‑Liter‑System wirklich ist.

Zwischen Lüftern, Netzteil und einer übergrossen Grafikkarte bleibt kaum Spielraum. Manche Handgriffe verlangen mehr Gefühl als Sicht, und an mehreren Stellen bilden sich Schweissperlen auf der Stirn – nicht aus Panik, sondern aus Respekt vor der Präzision, die dieses Gehäuse verlangt. Doch genau diese Mischung aus Planung, Improvisation und kniffligen Momenten macht den Build spannend. Und ja: Am Ende erwacht das System tatsächlich zum Leben, allerdings erst im zweiten Versuch. Rückblickend hätte ein anderes Netzteil den Weg deutlich erleichtert.
Eine kleine Anmerkung am Rand: Die meisten Komponenten hatte ich schon Anfang Oktober bestellt – ein Glücksfall, wenn man die heutigen Preise sieht. Zusammengebaut habe ich den PC erst über die Festtage, wegen einer Mischung aus Zeitmangel und der Hoffnung, dass Noctua ihre neuesten Lüfter doch noch rechtzeitig in Schwarz bringen würde. Was nicht geschah.
Das Herzstück dieses Builds ist das mATX-Mainboard MSI B850M Mortar WiFi. Die Entscheidung dafür fällt aus drei Gründen. Erstens: Der aktuelle AM5‑Chipsatz bietet genug Zukunftssicherheit, ohne in experimentelle Regionen abzudriften. Zweitens: Der integrierte 5‑Gigabit‑Ethernet‑Port passt perfekt zu einem Linux‑basierten High‑End‑System. Drittens – und nicht zu unterschätzen: Das Board ist schwarz. Zusammen mit dem Jonsplus‑Z20‑Gehäuse mit Glas‑Seitenpanel ergibt das ein stimmiges Gesamtbild, das nicht durch zufällige Farbakzente zerstört wird.

Bevor das Mainboard eingebaut wird, rüste ich es mit den Teilen aus, die sich ausserhalb des Gehäuses am bequemsten einsetzen lassen. Den Anfang machen die drei SSDs – jede mit einer klaren Aufgabe und bewusst gewählt:


Zwei der SSDs sitzen auf der Vorderseite des Boards unter der Kühlabdeckung, die schön bündig einrastet. Die dritte wandert auf die Rückseite und bekommt ein eigenes Kühlelement, einen Axagon Aluminium Heatsink (CLR-M2L3).

Als Nächstes folgt der Arbeitsspeicher: Kingston Fury Beast, 2 × 32 GB, DDR5-RAM, DIMM, 6000 MT/s, CL30, schwarz, passend zum Rest des Builds. Die Wahl fällt bewusst auf 6000 MT/s, weil dieser Takt auf AM5‑Systemen den besten Kompromiss aus Stabilität, Latenz und realer Performance bieten soll. Höhere Taktraten bringen kaum Vorteile, niedrigere verschenken Leistung. Und 64 GB sind nicht übertrieben: Ich möchte gerne ein hochgemoddetes «Skyrim» zocken. Und das «Skyrim»‑Mod‑Paket, das mir vorschwebt, verschlingt nicht nur bis ein halbes Terabyte der SSD, sondern auch RAM wie ein schwarzes Loch. RGB-LEDs spare ich mir bewusst bei meinen RAM-Riegeln – die GPU soll später das einzige leuchtende Element sein, ein klar gesetzter Akzent statt einer Lichtshow.

Zum Schluss wandert die AMD Ryzen 7 9800X3D in den Sockel. Die Wahl dafür ist einfach: Für Gaming unter Linux gibt es zum Kaufzeitpunkt nichts Besseres. Die 3D‑V‑Cache‑Architektur liefert genau die Art von Leistung, die ein Steam‑OS‑artiges System im Wohnzimmer braucht – hohe Frameraten, kurze Ladezeiten und eine Effizienz, die in einem kompakten 20‑Liter‑Gehäuse Gold wert ist. Dazu kommt ein weiterer Vorteil: AMD läuft unter Linux erfahrungsgemäss dank schlichterer Architektur und stabiler Kernel‑Integration runder als Intel.


Der CPU-Kühler kommt später, wenn das Mainboard im Gehäuse sitzt – auch wenn es mich in diesem Moment in den Fingern juckt, alles sofort fertigzustellen.

Der Build nimmt Fahrt auf und das Board ist bereit für den nächsten Schritt.
Bevor das Mainboard seinen Platz im Jonsplus Z20 findet, entferne ich zuerst den Lüfterrahmen an der Oberseite des Gehäuses. Das verschafft mir etwas Bewegungsfreiheit – ein kleiner, aber entscheidender Luxus in einem 20‑Liter‑Case.

Der Rahmen wandert zur Seite, und der Blick fällt auf die Mainboard‑Abstandshalter. Einige davon sitzen bereits korrekt, andere muss ich versetzen. Ein kurzer Abgleich mit dem mATX‑Layout, ein paar Drehungen mit dem Schraubendreher, und alles ist bereit.

Jetzt folgt der Moment, in dem das Mainboard ins Gehäuse gleitet. Es ist ein ruhiger, konzentrierter Handgriff. Die Kanten des Boards finden ihren Weg über die Abstandshalter, ein sanftes Absenken, ein leises Klicken, dann die Schrauben. Es sitzt.


Danach verlege ich die Frontpanel‑Kabel und verbinde sie mit dem Board.

Ich greife zu einem Reinigungstuch und entferne letzte Staubspuren von der CPU‑Oberfläche. Nun widme ich mich dem grössten Noctua-Kühler, der von der Höhe her noch ins Gehäuse passt. Der NH‑U12A chromax.black verfügt über zwei 120‑mm‑Lüfter im Push‑Pull‑Setup. Ich erwarte von ihm eine satte Kühlleistung, gepaart mit einer Laufruhe, die im Wohnzimmer Gold wert ist.

Es folgt die Arctic MX‑6 Wärmeleitpaste: ein grösserer Punkt in der Mitte und vier kleinere an den Ecken des Heatspreaders. Ich setze den Kühler vorsichtig auf, verschraube die Halterung und montiere die beiden Lüfter. Ein Klick hier, ein Kabel dort, und das Teil steht wie ein schwarzer Monolith im Zentrum des Builds. Er wirkt fast überdimensioniert – bis man sich daran erinnert, wie viel Leistung in diesem kleinen Gehäuse zusammenkommt.
Mit montiertem Kühler, angeschlossenen Lüftern und einem letzten prüfenden Blick ist das Mainboard endgültig bereit. Bald ringen Netzteil, Kabelwülste und Grafikkarte um jeden Millimeter.
Als Nächstes greife ich zum Enermax PlatiGemini 1200 Watt 80 PLUS Platinum. Ein Netzteil, das in diesem kleinen Gehäuse fast schon überdimensioniert wirkt. Ich setze es an der Front des Z20 ein und verschraube es. Das interne Netzkabel, das von der Rückseite zur Front führt, liegt bereits sauber im vorgesehenen Kanal.

Ich positioniere das Netzteil so, dass darüber noch genügend Platz für die beiden oberen Systemlüfter bleibt, da diese beim späteren Einbau ärgerlicherweise knapp nicht daneben passen werden. Das Netzteil selbst ist von der Leistung her überdimensioniert: Selbst potenzielle, künftige System‑Upgrades werden es nie auslasten können. Ich habe es bestellt, weil angeblich die Effizienz bei 20 bis 50 Prozent Auslastung am besten sein soll. Das wirkt sich dann hoffentlich auf die Langlebigkeit aus. Ausserdem sollte in dem Bereich auch der Lüfter nie zu hören sein.

Dann folgt das Verkabeln. Die mitgelieferten Kabel sind angenehm dünn gesleeved. Dickere Kabel würden mir zwar besser gefallen, doch bin ich froh, nichts dergleichen zur Hand zu haben. Die dünnen Stränge führen in ihrer Fülle direkt ums Netzteil herum zu engen Stellen. Dort muss ich etwas drücken und schieben, bis alles durchpasst. Schön verlegen? Keine Chance. Egal, schliesslich wird das Gewurstel ohnehin niemand sehen, wenn das Gehäuse geschlossen ist. Rückblickend hätte ich dennoch lieber zu einem kompakteren Netzteil gegriffen. Denn ich sehe bereits jetzt, wie knapp es für die Grafikkarte wird, deren hinterer Teil unter dem Netzteil zu liegen kommt.

Als Nächstes montiere ich die beiden Noctua NF‑A14 PWM chromax.black, die oben im Gehäuse für den Abtransport der warmen Luft sorgen sollen. Die Lüfter haben zwar bei Auslieferung Vibrationspads in verschiedenen Farben dabei, jedoch nur vier pro Farbe, wodurch nur Kombinationen möglich sind (acht werden pro Lüfter benötigt). Damit sich optisch alles nahtlos in den Build einfügt, ersetze ich die farbigen durch schwarze Noctua NA‑SAVP1‑Pads. Die Lüfter verschraube ich am Lüfterrahmen, schiebe ihn wie eine Schublade zurück ins Gehäuse und verschraube ihn. Danach verbinde ich die beiden Lüfterkabel mit einem PWM-Y-Splitter (Noctua NA-SYC1 chromax), und hänge sie an den gleichen PWM-Header des Mainboards. Dadurch kann ich sie beim späteren Erstellen der Lüfterkurve im UEFI gemeinsam ansprechen.
Es folgt der hintere Gehäuselüfter: ein Noctua NF‑A12x25 PWM chromax.black. Auch er bekommt schwarze Pads, wird verschraubt und angeschlossen.

Zu den Noctua-Lüftern greife ich übrigens einerseits aus guten Erfahrungen mit der Marke. Aber auch, weil sie in diesem engen Gehäuse hohen statischen Druck, sehr leisen Betrieb und zuverlässige Kühlung bei niedrigen Drehzahlen bieten sollen. Für zusätzliche Lüfter unten im Gehäuse bleibt leider kein Platz, da die Grafikkarte zu gross ist beziehungsweise zu weit unten sitzen wird. Daher werden die GPU‑Lüfter den Job, Zuluft ins Gehäuse zu bringen, übernehmen. Das ist nicht ideal, aber bei diesem Formfaktor unvermeidlich.
Bei der Grafikkarte entscheide ich mich für die Sapphire Radeon RX 9070 XT Nitro+. Sie gilt als eine der am leisesten gekühlten Karten ihrer Klasse – ein entscheidender Punkt für einen Wohnzimmer‑PC, der unter Last ruhiger sein soll als die PS5 Pro. Leistung habe ich damit satt, aber ohne das typische Föhn‑Geräusch vieler High‑End‑Modelle.

Der Stromanschluss der Grafikkarte befindet sich unter der magnetischen Backplate. Ich löse sie, führe das Kabel von unten in den seitlich versteckten 16‑Pin‑Port und setze die Platte wieder auf.
Der PCIe‑Slot und sein Verriegelungsmechanismus sind vor dem Einsetzen der Grafikkarte gut sicht- und erreichbar. Ich drücke den Knopf, um den Slot zu entriegeln und beginne damit, die Karte vorsichtig einzuschieben. Glücklicherweise passt sie mit etwas Nachhelfen und Biegen der Kabel unter das Netzteil. Allerdings sehe ich aufgrund des grossen Lüfters und der Nähe zum Gehäuseboden beim Einschieben den Slot nicht mehr. Ab diesem Moment ist es ein Blindflug. Ich kann nicht erkennen, ob die Karte sauber im Slot sitzt. Ich orientiere mich an der waagrecht liegenden Oberkante und daran, wie sich die Karte anfühlt, und drücke den Verriegelungsknopf schliesslich auf gut Glück. Es passt.

Der Zusammenbau ist damit abgeschlossen. Ich stelle das Gehäuse auf den Tisch, schliesse Monitor, Tastatur, Maus und das Netzkabel an und atme kurz durch. Jetzt gibt es keinen Grund mehr zu warten.
Ich drücke den Power‑Knopf. Der Rechner springt an. Lüfter drehen, LEDs leuchten – aber das Bild bleibt schwarz. Die EZ‑Debug‑LEDs (auf dem Bild unten zu sehen) zeigen Rot bei der CPU und Gelb beim RAM. In meinem Zustand – angespannt, müde, ungeduldig – interpretiere ich das nicht als normalen Ablauf, sondern als Fehler. Ich trenne den Strom und gehe auf Fehlersuche.
Der RAM sitzt korrekt. Alles sitzt korrekt. Ich halte inne. Dann erinnere ich mich: RAM‑Training. Natürlich. RAM‑Training ist der Vorgang, bei dem das Mainboard nach dem ersten Start die optimalen Speicher‑Timings und Spannungen ermittelt, bevor das System normal bootet. Das dauert. Manchmal länger, als man möchte.

Ich starte erneut. Diesmal warte ich. Nach rund fünfzig Sekunden erscheint das Bild. Der Moment der Erleichterung – ich bin drin, im UEFI. Das System lebt. Und ab dem nächsten Booten startet der PC so flott, wie ich es erwarte.
Nach einer Pause aktualisiere ich das UEFI per USB‑Flash, stelle den RAM auf 6000 MT/s (EXP01‑Profil) und gehe die wichtigsten Optionen durch. Ich deaktiviere den MSI Game Boost, damit alle Kerne genutzt werden, schalte die iGPU ab, setze manuelle Werte für Precision Boost Overdrive und deaktiviere Bluetooth, weil ich dafür einen Adapter verwenden werde – das Onboard‑Modul läuft unter Bazzite aufgrund fehlender Treiber noch nicht. Weiter setze ich Lüfterkurven für System und CPU. Danach installiere ich Windows – nicht zum Spielen, sondern um die LED‑Leiste der Grafikkarte so einzustellen, dass ein orangefarbenes Licht ähnlich wie bei Knight Rider herumwandert. Ein Detail, das niemand braucht, das aber in diesen Build gehört.


Am nächsten Tag installiere und konfiguriere ich Bazzite, lade mir erste Games herunter, installiere Proton‑GE und beginne nach dem Anpassen der Spiel‑Starteinstellungen mit einem Game, das ich schon auf der PS5 Pro begonnen habe. «The Outer Worlds 2» wirkt mit hohen Qualitätseinstellungen wie ein anderes Spiel. Ich sitze mit offenem Mund da und merke, wie sich die Millimeterarbeit der letzten Tage auszahlt.
An seinem neuen Platz im Wohnzimmer steht mein liebevoll «The Machine» getaufter Konsolenkiller nicht direkt auf dem Boden. Damit er nicht allfällig herumwandernde Staubflusen ansaugt, spendiere ich ihm ein Podest, das aus dem unteren Teil einer abgesägten Holzharasse besteht.

Ich bin stolz, wie der Kleine mit seinem matten Schwarz, den orangefarbenen Akzenten und dem praktischen Tragegriff viel besser neben dem riesigen TV aussieht als die PS5 Pro – und dabei kaum Platz braucht. Doch fertig bin ich damit noch nicht. Ich habe zum Beispiel noch nicht getestet, wie gut ich VRR bei 4K‑HDR und 120 Hertz – idealerweise in voller 4:4:4‑Farbauflösung – über den HDMI‑Eingang des TVs zum Laufen bringe. Das ist mit einer AMD‑Karte unter Linux aktuell nur über Umwege möglich – mit dem richtigen DP‑zu‑HDMI‑Adapter. Zwei mögliche Kandidaten von Cable Matters und Ugreen liegen bereit, die ich vergleichen werde.
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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