Vor 30 Jahren schrieb der Game Boy Geschichte
HintergrundGaming

Vor 30 Jahren schrieb der Game Boy Geschichte

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 24.04.2019
Klobig, grau und mit einem monochromen Display. Trotz dieser vermeintlicher Mängel mauserte sich der Game Boy vor 30 Jahren zur absoluten Kultkonsole. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Nintendo erfolgreich gegen den Strom schwimmt.

Nintendo hatte schon immer ein Händchen für unkonventionelle Ideen. Das wohl erste Beispiel war der Game Boy. Am 21. April 1989 erschien die portable Spielkonsole in Japan. Wir Europäer mussten uns ein Jahr länger gedulden. Auch heute, 30 Jahre später, erzeugt das graue Kästchen noch ein warmes Gefühl im Magen aller, die früher damit gespielt haben. Dabei war der Game Boy auf dem Papier nicht gerade berauschend. Aber die japanische Spieleschmiede wusste schon damals, dass reine Leistung längst nicht alles ist.

Nicht nur ein Kinderspielzeug

Der Game Boy besitzt ein Monochrom-Display mit einer Auflösung von 160 x 144 Pixeln und vier Graustufen. Farbdisplay oder Hintergrundbeleuchtung? Fehlanzeige. Nintendo ging recht in der Annahme, dass die spärliche Ausstattung völlig ausreichend war. Millionen Kinder auf der Welt flehten ihre Eltern an, dieses graue Wunderding zu kaufen. Das Versprechen, Games in NES-Qualität überall spielen zu können, war magisch. Da nahmen wir es gerne in Kauf, dass der Game Boy ein kleiner Pummel war, der in englischsprachigen Gefilden auch liebevoll «Brick» (Ziegel) genannt wird.

Dass Kinder es nicht abwarten konnten, den Game Boy in ihre klebrigen Griffel zu nehmen, war klar. Es war jedoch dem cleveren Schachzug von Nintendo Amerika zu verdanken, dass der Game Boy zum Massenphänomen jeglicher Altersklassen wurde. Drei Monate nach dem Launch in Japan schnürten die Amerikaner zum eigenen Start ein «Tetris»-Bundle. Die Entscheidung, das Klötzchen-Game «Super Mario Land» vorzuziehen, war bei Nintendo intern heftig umstritten. Schliesslich war der italienische Klempner schon damals Nintendos Maskottchen. Mit «Tetris» zielte die Werbung bewusst auf Erwachsene ab. Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig. «Tetris» war und ist ein Spiel für jedermann. Bis heute gibt es kaum ein Spielgerät, um das sich Kinder mehr mit ihren Eltern streiten mussten.

Die Bibliothek mit grossartigen Game-Boy-Spielen wuchs von da an stetig. «Super Mario Land 2», «Pokémon», «Wario Land» – Nintendo punktete Mal um Mal mit exklusiven Titeln, die es auf keiner anderen Konsole gab. Aber nicht nur mit der Spieleauswahl überzeugte der Game Boy.

Die Entscheidung, «Tetris» als Bundle zu verpacken, war goldrichtig.
Die Entscheidung, «Tetris» als Bundle zu verpacken, war goldrichtig.

Der Erfolg des Game Boys gründet in drei wichtigen Punkten: Spieleauswahl, allen voran «Tetris», Preis (ca. 150 Franken) und Akkulaufzeit. Der Game Boy benötigt vier gewöhnliche AA-Batterien, die zwischen 10 und 30 Stunden Laufzeit rausquetschten – je nachdem, wen du fragst. Das ist selbst heute noch beeindruckend. Damit liegt der Game Boy kilometerweit vor Sega Game Gear, Atari Lynx oder NEC TurboExpress, die nach 2 bis 5 Stunden bereits schlapp machten – und bis zu sechs Batterien benötigten. Die Konkurrenz war zwar technisch wesentlich fortschrittlicher mit Farbdisplay, Hintergrundbeleuchtung und stärkerer CPU. Nintendos Erfolgsformel hatten sie aber nichts entgegenzusetzen.

Die Geschichte wiederholt sich

Das gleiche Spielchen sollte sich mehrmals wiederholen. 2004 veröffentlichte Nintendo den DS. Der Nachfolger des Game Boy bestand aus zwei Displays. Das untere konnte mit beiliegendem Stift bedient werden. Das Gerät war fett, hässlich und alle fragten sich, wer sich so ein merkwürdiges Konzept ausgedacht hatte. Da wirkte die Playstation Portable von Sony, die ein Jahr später erschien, in allen Belangen besser. Riesiges Display, Top-Ausstattung und die Möglichkeit, Filme zu schauen. Trotzdem setzte sich erneut Nintendo durch und der DS gehört mit über 150 Millionen verkauften Einheiten zu den erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten.

2011 erschien der 3DS. Mit brillenlosem 3D lieferte er zwar ein einzigartiges Feature, ansonsten konnte er technisch nicht annähernd mit der PS Vita mithalten. Aber wie schon mit dem DS triumphierte am Ende die Kombination aus Preis, Spieleauswahl und Akkulaufzeit über technische Überlegenheit. Es sollte nicht Nintendos letzter Schwumm gegen den Strom sein.

Ohne Game Boy keine Switch

Nach mehrmaligem vergeblichem Anrennen hat es die Konkurrenz offenbar aufgegeben. Die 2-in-1-Konsole Nintendo Switch erschien 2017 und blieb bisher konkurrenzlos. Erneut hat sich Nintendo gegen technische Dominanz entschieden und stattdessen auf Innovation gesetzt. Die Akkulaufzeit gehört nun zwar nicht mehr zu den hervorstechenden Merkmalen, dafür hat die Switch an Funktionalität dazugewonnen. Statt eine portable und eine stationäre Konsole kaufen zu müssen, reicht nun ein Gerät. Und die Spieleauswahl sowie der Preis sind immer noch zugkräftige Argumente.

Mit dem Game Boy hat Nintendo vor 30 Jahren seinen Ruf als der Handheld-Bauer zementiert. Bis heute gibt es immer noch Menschen, die jegliche portable Nintendo-Konsole als Game Boy bezeichnen. Das zeigt, wie prägend die erste Berührung mit diesem grauen magischen Klotz war. Vom ersten Ba-Ding beim Aufstarten bis zum dünnen Strich beim Ausschalten – Game Boy, wir werden dich immer lieben.

Das Original haben wir leider nicht im Angebot, aber versuch's mal hiermit.

319,–
Nintendo Switch - Neon-Rot/Neon-Blau (DE, FR, IT, EN)

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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