
Warum brennt scharfes Essen eigentlich zweimal?
Wer Chili isst, zahlt zweimal. Einmal am Tisch und einmal auf dem Klo. Aber warum brennt scharfes Essen auch dort, wo Milch nicht mehr hilft?
Eine Messerspitze zu viel der leckeren Chilisauce auf den Momos gelandet oder ganz naiv ein «mildes» Curry bestellt – schon bereust du deine Entscheidung am nächsten Morgen. Das Essen grüsst ein zweites Mal.
Been there. Done that.
Aber was ist «scharf» überhaupt?
Kurz gesagt: Eine masochistische Angelegenheit. Denn obwohl du Schärfe auf der Zunge spürst, gehört sie nicht zu den fünf Geschmacksrichtungen süss, sauer, salzig, bitter oder umami. Vielmehr reizt das in Chilis enthaltene Capsaicin deine Wärme- und Schmerzrezeptoren auf der Zunge und signalisiert deinem Hirn: Du hast gerade Schmerzen.
Eigentlich solltest du an dieser Stelle aufhören zu essen. Aber du machst weiter – weil es dich glücklich macht. Die Wärmerezeptoren schicken Warnsignale ans Hirn, das den Körper schwitzen lässt, während die Endorphinausschüttung hochfährt, um den vermeintlichen Schmerz erträglich zu machen. Du spürst ein erhellendes Gefühl, während dein Körper gegen die evolutionären Schutzmechanismen der Chilischote ankämpft: Sie will nicht gegessen werden.

Quelle: Shutterstock: SabbirDigitall
Als weiterer Nebeneffekt erweitern sich die Blutgefässe deiner Geschmacksrezeptoren. Die Schärfe wirkt wie ein Geschmacksverstärker. Deine Rezeptoren werden empfindlicher und nehmen Aromen stärker wahr.
Alarm im Darm! Hilfe, es brennt!
Dieselben Rezeptoren, die dir im Mund die Hölle heiss machen, sitzen auch am Enddarm. Durchquert das Capsaicin deinen Darmtrakt unverdaut oder ungenügend verdünnt, spürst du den Schmerz am Ende des Tunnels noch einmal. Um dem vorzubeugen, kannst du fettreiche Nahrung wie Käse, Milch oder Butter während oder nach der scharfen Mahlzeit zu dir nehmen, die das fettlösliche Capsaicin schwächt. Stichwort: Lassi. Dieser Trick hilft jedoch nicht bei jeder brennenden Mahlzeit, da jede Pflanze ihre eigenen Scharfstoffe enthält. Einige sind fettlöslich, andere nicht.
Die gute Nachricht: Je öfter du scharfe Speisen isst, desto besser gewöhnen sich deine Rezeptoren an den Schmerzreiz. Sie nehmen die Schärfe nicht mehr als Gefahr wahr und bei dir brennt es nicht mehr. Schlechte Nachricht, wenn du auf den durch Chilli ausgelösten Hitze-Schweiss stehst: Du musst dir immer mehr Löffel der Teufelssauce auf deine Momos kippen.
Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
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