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Warum du deinen PC selber zusammenbauen sollst

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 01.11.2016
Ich baue mir meine PCs selbst. Viele digitec User tun es mir gleich. Doch statt einfach mit meinem neuen Setup anzugeben, will ich euch sagen, warum ihr eure PCs selber bauen sollt.

Es ist Samstagmorgen und ich decke mich im Coop mit Junk Food und Cola ein. Der Grund: Mein bester Freund kommt heute für unser alljährliches Ritual vorbei: Wir bauen einen PC. Das machen wir seit wir 14 Jahre alt sind. Mein alter PC hat definitiv ausgedient und einige Teile sind schon fast zehn Jahre alt. Zeit, die Maschine einer Generalüberholung zu unterziehen.

Heute ersetzen wir die Grafikkarte, den Prozessor, die RAM und das Mainboard. Das ist die erste Phase des Aufbaus einer modularen und zukunftssicheren Infrastruktur für ein smarteres Daheim. Mein neues Setup:

296,–
Intel Core i7-6700K Box (4, LGA 1151, 4GHz)
Grafikkarte
MSI GTX 960 2GD5T OC (2GB, Gaming)
Fury (2x, 16GB, DDR4-2133, DIMM 288)
HyperX Fury (2x, 16GB, DDR4-2133, DIMM 288)
Steckdosenleiste
Swiss-Line (6x, T13)
Brennenstuhl Swiss-Line (6x, T13)
12
Verlängerungskabel
Brennenstuhl Verlängerungskabel (5m, Typ 13)
39

Verlängerungskabel sind immer gut.

Warum taucht also mein bester Freund bei mir auf, wenn die Modifikationen eigentlich ganz einfach wären? Denn auch wenn er hier ist, dauert die Arbeit nur knapp zwei Stunden und würde ohne ihn wahrscheinlich sogar schneller gehen. Es geht hier um mehr als nur um neue Technologie. Es geht um Emotionen.

Mehr als nur ein Wegwerfobjekt

Wenn du heute ein Laptop kaufst, oder ein Handy, oder ein Tablet, dann kaufst du dir ein Gerät, packst es aus und gut ist. Du setzt dich nicht kritisch mit der Hardware auseinander. Du installierst vielleicht die eine oder andere App und benutzt das Ding einfach, bis es nicht mehr modern genug oder kaputt ist. Dein Gerät wird zum Wegwerfobjekt.

*E-Waste**: Was passiert mit unserem Elektroschrott?
Hintergrund

E-Waste: Was passiert mit unserem Elektroschrott?

Wenn du deinen PC selber baust, dann wird deine Maschine schnell zu mehr als nur «Der Klotz, der da in der Ecke steht». So esoterisch das auch klingt, aber du kennst jedes Teil und hast Emotionen wie auch Gedanken und Überlegungen investiert, bevor du es gekauft hast. Du hast Freunde, Bekannte, das Internet und Experten gefragt. Dein PC ist die Kombination aus dem Wissen vieler, der Gedanken und Überlegungen deines Umfelds und deinen Ideen. Klingt doch viel besser als einfach nur eine Kiste auszupacken, oder?

Wir sind wieder 14

«Weisst du eigentlich, wie viel Staub in so eine Prozessorkühlung passt», werde ich gefragt, während ich dabei bin, die ganzen Kartonschachteln für die Kartonsammlung zu bündeln. «Keine Ahnung», sage ich, lasse die Schnur mal schnell Schnur sein und sehe mir den Staub an, der in meiner uralten Prozessorkühlung drin ist. Beeindruckend. «Ja, das ist definitiv Staub», sage ich ihm also. Aus irgendeinem Grund ist das lustig. Wir lachen.

Alte Teile werden fachgerecht für eine gewisse Zeit ins «Kabelarchiv» gelegt, für den Fall, dass irgendwas mit den neuen Teilen schiefgeht.

Wenn ich an den Samstagnachmittag zurückdenke, dann waren wenige Witze wirklich objektiv lustig. Wir sind einfach zwei Typen, die mit Schraubenziehern, einem Staublappen und Snacks an einem PC rumhantieren. Wir haben einfach eine gute Zeit. Wir blödeln rum, reden über Gott und die Welt, vergessen mal schnell unsere Smartphones und die Freundinnen und den Job und alles. Wir sind wieder 14 und entdecken das Innenleben einer Maschine, die wir täglich brauchen. Staub da, Kabelschächte dort, neue Technologie in antistatischen Plastiksäcken. Wir haben Spass.

Genau das ist es, was meinen PC ausmacht, egal wie alt einige der Teile in der Maschine bereits sind. Ich kenne das Gerät in- und auswendig und habe es als Moment in meinem Leben als schöne Erinnerung gespeichert. Ich kann mich an die meisten dieser Bastelnachmittage erinnern. Vor Ewigkeiten, als wir zum ersten Mal mit Werkzeug vom Estrich den damals noch brandneuen Compaq Presario mit durchschlagenden 450MHz aufgemacht haben. Ich erinnere mich noch daran, wie wir uns gefragt haben, ob wir die neue ISDN-Leitung trotz Demontage der Case-Abdeckung nutzen können. Es folgten die ersten Umbauten. Neue Festplatte, Windows Upgrades und einige Jahre später dann ein neues Gehäuse. Ich weiss noch, dass das Compaq-Gehäuse schon vor unseren Umbauten recht ramponiert war. Dies war alles bei meinem Kollegen.

Wir haben mal eine Tastatur schwarz angesprayt, weil wir den Film «Hackers» gesehen hatten, wo der Protagonist Zero Cool das auch getan hat. Obwohl wir damals rausgefunden haben, dass Sprühfarbe klebrig ist, hat es dennoch extrem gut funktioniert.

Mein PC wurde mal aus dem alten klumpigen Gehäuse in ein neues schlankes Gehäuse versetzt. Das war das erste Gehäuse, an dem ich keine LEDs eingesteckt habe. Ich finde bis heute ein Power-LED unsinnig. Ich meine, wer braucht schon eine Leuchte, um festzustellen, dass sein PC läuft. Bis heute leuchten meine PCs nicht, auch wenn die Casemodder-Szene mich jedes mal, wenn ich das sage, ungläubig anstarrt.

PC Gehäuse
H230 schwarz
NZXT H230 schwarz
145,–
Fractal Define R5 White (Midi Tower, Big Tower)
Mein Case ist zwar weiss, aber der Typ ist der selbe

Viel von meinem Wissen über PCs – Hardware und Software – kommt davon, dass ich einfach mal drauflosgebastelt habe. Klar, dann und wann ging mal wieder was zu Bruch, aber wenn dann wirklich alles vor die Hunde ging, gab es da Experten, die professionell PCs bauen und/oder reparieren.

So. Fertig. Die Netzwerkverbindung funktioniert im Moment noch über WLAN, da die Migration zum Glasfaseranschluss noch nicht fertig ist.

Ich mache immer noch Fehler. Aufmerksame Betrachter des Bildes oben am Artikel werden merken, dass meine Festplatten verkehrtherum eingebaut sind. Den Fehler haben wir dann etwa zwei Jahren nachdem wir ihn begangen haben bemerkt und umgehend korrigiert.

Besser heute als nie

«Ja, aber… du bastelst schon seit Ewigkeiten rum. Du kannst das besser als ich», mögen jetzt einige von euch sagen. Ist zwar richtig, aber darum geht es nicht. Wir leben in einer Zeit, in der wir abhängiger von Computern sind denn je. Diese nicht besser zu verstehen als ein fünfjähriges Kind, das zum ersten Mal ein iPhone in der Hand hält, ist doch eigentlich schade, nicht? Weil wenn wir schon, jetzt mal überspitzt gesagt, mit fünf Jahren ausgelernt haben, Geräte zu bedienen, dann werden die folgenden 75 extrem langweilig.

Ein paar Tipps zum Schluss:

  • Seid vorsichtig
  • Macht Fotos von allem, damit ihr rekonstruieren könnt, wie es vorher ausgesehen hat
  • Alle Schrauben sind zwar fest angezogen, aber du musst nirgends würgen
  • Einige Slots haben Riegel, die die Teile an Ort und Stelle halten
  • Dein PC-Innenleben mag saubere Finger
  • Auf dem Mainboard ist alles angeschrieben. Die Schrift ist zwar klein, aber lesbar
  • Sobald alle Teile aus dem PC raus sind, hilft der Staubsauger beim Saubermachen

Und jetzt: Schraubenzieher raus, PCs auf und mal sehen, was ihr da so machen könnt.


Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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