Wasser marsch! Lohnt sich eine Wasserkühlung?
Hintergrund

Wasser marsch! Lohnt sich eine Wasserkühlung?

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 27.07.2016
Wasserkühlungen für PCs werden Jahr für Jahr beliebter. Aber lohnt sich der nasse Spass überhaupt? Teuer, kompliziert und Kurzschluss nach Rohrbruch behaupten die einen, Kühlschrank-Temperaturen und Lärmemissionen wie in der Kirche erwidern die anderen. Horrorgeschichten gehen Hand in Hand mit Lobpreisungen. Wir erklären euch, was wirklich dahinter steckt.

PC-Spieler sind Bastler. Statt einen Komplett-PC ab der Stange zu kaufen, legen wir lieber selber Hand an und schrauben und stecken, was das Zeug hält. Das Nonplusultra ist dabei die Wasserkühlung (Kryogen-Gas-Kühlung lassen wir jetzt mal weg ;)). Was früher eine Wissenschaft für sich und nur den gewieftesten Techies vorbehalten war, ist in den letzten Jahren deutlich zugänglicher geworden. Auf Playmobil-Level sind wir zwar noch nicht angekommen, aber vielleicht Stufe Lego-Technik. Bevor ihr jetzt alle eure Büros flutet, eine Übersicht über das Wichtigste rund um Wasserkühlung.

Wie funktioniert es?

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Quelle: YouTube/OCTurboJoe

Wasserkühlung funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie konventionelle Prozessor- oder Grafikkarten-Kühler. Dabei wird die Wärme durch direkten Kontakt an Kühlrippen weitergeleitet und von einem Lüfter weggeblasen. Bei der Wasserkühlung wird stattdessen ein kleinerer Kühlkörper angebracht, durch den Wasser fliesst – es fliesst also nicht direkt Wasser auf den Prozessor oder die Grafikkarte. Die Wärme wird vom Wasser aufgenommen und abtransportiert. Da Wasserkühlungen ein geschlossenes System sind und nicht etwa an eine Wasserleitung angeschlossen werden, muss das Wasser auch wieder runtergekühlt werden. Das passiert mit einem Radiator, der wie der Kühler auf dem Prozessor Kühlrippen besitzt. Die Wärme geht also an den Radiator weiter und von dort wird sie mit Lüftern aus dem Gehäuse geblasen. Der Radiator kann auch ausserhalb des Gehäuses platziert werden. Sollen mehrere Komponenten wassergekühlt werden, wird das System entsprechend erweitert und das Wasser durchläuft mehrere Stationen von CPU zur Grafikkarte über den RAM. Auch das Mainboard kann auf diese Weise gekühlt werden.

Was braucht man dafür?

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Quelle: Ventilator

Am einfachsten kauft man sich ein Set. Das besteht im Grunde aus Pumpe, Radiator mit Lüfter, einem CPU-Kühler und Schläuchen. Wer sich besser auskennt, kann sich das Ganze auch selber aus Einzelkomponenten zusammenstellen.

Wasserkühler-Sets

Wie installiert man es?

Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, muss man den Kühler auf die CPU montieren, den Radiator und die Pumpe im oder ausserhalb des Gehäuses anbringen und mit Schläuchen verbinden. Am Schluss füllt man destilliertes Wasser – weil kalkfrei und ohne Mikroorganismen – ein. Wer seine Grafikkarte mit Wasser kühlen will, muss sich entweder ein kompatibles Modell kaufen oder die vorhandene Lüftung selber abschrauben und einen Kühler anbringen. Das gleiche gilt für RAM und Mainboard. Wer statt Schläuche Rohre verwenden will, braucht zusätzliches Biegewerkzeug wie beispielsweise einen Heissluftföhn.

Wie kompliziert ist es?

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Quelle: Deathmetalmods

Man braucht zwar zum Montieren einer Wasserkühlung keinen ETH-Abschluss, aber es erfordert sicherlich mehr Bastelarbeit als einen simplen CPU-Kühler zu montieren und etwas Wärmeleitpaste aufzutragen. Hinzu kommt, dass man das System regelmässig warten muss. Mindestens einmal pro Jahr sollte man alle Anschlüsse kontrollieren und auch gleich das Wasser austauschen.

Vergleich zu traditionellem Lüfter

Pro * Bessere Kühlleistung * Leiser * Stylisch

Kontra * Teuer * Aufwändige Installation * Wartung

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Quelle: XS-PC

Eine Wasserkühlung bietet zwar die bessere Kühlleistung, allerdings ist das nur für Hardcore-Übertakter von Relevanz. Heutige CPU-Kühler werden durch ihre riesigen Kühlrippen ebenfalls mit grosser Hitze fertig. Auch das Lärmargument zieht nur noch bedingt. Denn auch billige Wasserkühlsysteme besitzen oft Pumpen, die deutlich hörbar sind. Hinzu kommt, dass Wasserkühlungen auch nicht vollständig ohne Lüfter auskommen. Wer allerdings ein entsprechend hochwertiges Setup kauft, darf sich über einen praktisch stummen PC freuen. Oft geht es aber auch einfach ums Aussehen und dabei machen die blubbernden Systeme definitiv die bessere Falle als schnöde Lüfter. Wer an der nächsten LAN-Party mal so richtig angeben will, setzt auf Wasser.

Mit diesen Systeme pimpst du deine Kiste

Wasserkühler-Sets

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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