Welcher kühlt am besten? Sechs Top-Down-Kühler im Vergleich

Welcher kühlt am besten? Sechs Top-Down-Kühler im Vergleich

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 31.08.2020
Die Anforderungen an Lüfter in kleinen Gehäusen sind hoch: Sie haben weniger Kühlfläche und der Airflow auf engem Raum stellt sie vor Herausforderungen. Ich habe mir sieben CPU-Kühler für Small-Form-Factor-Builds geholt und getestet.

Der Leserkommentar von EdenOfTheWest zu meinem Review des Osmi 3.1 bringt mich dazu, nach dem perfekten Kühler für künftige Mini-ITX-Case-Reviews zu suchen:

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Der Kommentar ist hart. Ein Vergleich mit dem PC Build von The Verge? Ernsthaft? Das ist der ultimative Diss für einen PC-Schrauber wie mich. Ein Stich ins Herz.

Ich bin nicht seiner Meinung: Leistungsfähige CPUs machen bei Gehäusetests Sinn, weil sie die Cases und deren Airflow an die Grenzen bringen. Und beim Osmi passt nunmal nur eine Grafikkarte mit maximal 17 Zentimetern Länge rein. Die 1660 Super, die mir zum Testen zur Verfügung steht, erfüllt als einzige diese Anforderungen. Sowieso: Grafikkarten unter 17 Zentimeter gibt es nicht viele und bei grösseren Modellen sowieso nicht. Bei uns im Shop ist eine 2060 Super das höchste der 17-Zentimeter-Gefühle. Wo er jedoch recht hat, ist bei der Wahl des CPU-Kühlers: Es gibt grössere Kühler als der Noctua NH-L9a – die AMD-Version, ich habe im Artikel fälschlicherweise die Intel-Version verlinkt, weshalb EdenOfTheWest den NH-L9i nennt –, die in ein Gehäuse wie das Osmi reinpassen. Ich rappel mich auf und mache mich auf die Suche nach einem besseren Lüfter für künftige Mini-ITX-Gehäuse-Reviews.

Die Anforderungen und die Kontrahenten

In den meisten Mini-ITX-Cases ist wenig Platz für einen grossen CPU-Kühler. Häufig ist bei 70 Millimetern Kühlerhöhe Ende Feuer. Tower-Kühler kannst du vergessen, ein Top-Down-Kühler muss her. Gleich auf 70 Millimeter will ich mich beim Test nicht beschränken, da ist die Auswahl gar knapp. Mit etwas Gebastel ist es meist auch möglich, bis zu 80 Millimeter hohe Lüfter zu verbauen. Deshalb erweitere ich meine Suche auf Kühler, die 80 Millimeter nicht überschreiten. Ich suche mir sieben Stück bei uns im Shop aus, die meinen Kriterien entsprechen:

C7 RGB Mini-Top-Flow-CPU-Kühler
42,12
Cryorig C7 RGB Mini-Top-Flow-CPU-Kühler

Die Kühler sind zum Testzeitpunkt alle auf Lager. Falls du gerne noch weitere Kühler getestet haben möchtest, schreib’s in die Kommentarspalte.

Lüfter verhalten sich in jedem Case anders. Deshalb teste ich nicht in einem Gehäuse, sondern auf unserer Testbench. So haben alle Kühler dieselben Bedingungen und ich sehe, wie sie sich unter optimalen Verhältnissen verhalten. Wie ich schnell feststelle, passen nicht alle Kühler auf mein Mini-ITX-Board. Die Details dazu erkläre ich weiter unten. Deshalb mache ich den Test auf der ATX-Testbench mit folgenden Komponenten:

Ryzen 9 3900X (AM4, 3.80GHz, 12-Core)
417,99
AMD Ryzen 9 3900X (AM4, 3.80GHz, 12-Core)
ROG Crosshair VIII Formula (AM4, AMD X570, ATX)
523,–
ASUS ROG Crosshair VIII Formula (AM4, AMD X570, ATX)
Dominator Platinum RGB (2x, 8GB, DDR4-3200, DIMM 288)
109,99
Corsair Dominator Platinum RGB (2x, 8GB, DDR4-3200, DIMM 288)
MP600 (1000GB, M.2 2280)
177,90
Corsair MP600 (1000GB, M.2 2280)
Odyssey G7 LC27G75TQSUXEN (27", 2560 x 1440 Pixels)
590,10
Samsung Odyssey G7 LC27G75TQSUXEN (27", 2560 x 1440 Pixels)

Die Test-CPU übersteigt die Kühlleistung der meisten der gewählten Kühler. Dennoch macht der Test Sinn: Dank der leistungsfähigen CPU sind die Unterschiede in der Kühlleistung deutlicher sichtbar als mit einer schwächeren CPU.

Selbst auf mein ATX-Mainboard passen nicht alle Kühler – die Details dazu erkläre ich weiter unten. Wärmeleitpaste ist bei jedem Kühler dabei. Beim Shadow Rock LP ist sie gar bereits aufgetragen. Ich entferne die jedoch und verwende bei jedem Kühler Kryonaut von Thermal Grizzly. So haben alle dieselben Voraussetzungen.

Noctua NH-L9a

Der Noctua NH-L9a kommt mit einem eigenen Mounting-System. Selbst die original AM4-Backplate wird nicht verwendet. Beim NH-L9a wird der Kühler von unten angeschraubt. Das ist etwas ungewohnt, geht aber ganz leicht.

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Der Vorteil am NH-L9a: Er dürfte auf alle Mainboards passen, da er mit der Grundfläche von 92×114 Millimetern nicht wirklich grösser ist als der Sockel. Der Kühler ist mit 37 mm Bauhöhe sehr flach. Somit passt er auch auf mein ASUS ROG Strix X570-I Gaming Mini-ITX-Test-Mainboard. Dabei ist jedoch wichtig, dass du die korrekte Version kaufst: Für AM4 gibt es eine eigene Variante. Der mitgelieferte NF-A9x14-Lüfter dreht mit maximal 2500 U/min.

Noctua NH-L9x65 SE-AM4

Auch der NH-L9x65 SE-AM4 kommt mit eigenem Mounting-System – aber mit dem mir vertrauten, das die originale AM4-Backplate nutzt. Ich finde das System von Noctua nicht optimal, da die zwei Schrauben zur Montage nicht immer auf Anhieb greifen. Das stört wohl nur mich, der die Dinger für Tests regelmässig an- und wieder abschraubt. In der Regel montierst du den Kühler einmal und gut ist.

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Wie beim NH-L9a ist die Grundfläche des NH-L9x65 SE-AM4 etwa gleich gross wie der Sockel: 95×95×65 Millimeter. So sollte er auf jedes Mainboard passen. Auf mein Mini-ITX-Testmainboard passt er auch. Auch hier gilt: Vorsicht, wenn du den Kühler kaufst: Für den Sockel AM4 gibt’s eine separate Version. Der Lüfter NF-A9x14 ist derselbe wie beim NH-L9a.

Scythe Big Shuriken 3

Der Big Shuriken 3 hat ein eigenes Mounting-System, das die original Backplate verwendet. Im Gegensatz zu den Noctua-Modellen sind beim Big Shuriken 3 Montage-Möglichkeiten für alle gängigen Consumer-Sockel vorhanden. Die sind aber durcheinander in einem einzigen Päckli. Du musst die benötigten Teile also erst rauspicken. Das Mounting-System ist dem NH-L9x65 ähnlich. Die Montage fällt mir jedoch leichter, weil alles besser zugänglich ist.

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Der Kühler passt auf mein X570-Mini-ITX-Mainboard, der Abstand zur Grafikkarte ist jedoch sehr knapp. Möchte ich die Grafikkarte mit montiertem Lüfter wechseln, muss ich entweder das RAM oder den Kühler entfernen, da ich nicht zum Mechanismus zum Lösen der Grafikkarte komme. Die Dimensionen: 122×122×69 Millimeter. Montieren lässt sich der Kühler in zwei Richtungen in der Vertikalen. Bei mir klappt aufgrund der VRM-Kühlkörper nur die Montage gegen unten. Der mitgelieferte Lüfter dreht mit bis zu 1800 U/min.

Cryorig C7 RGB

Auch der C7 benutzt ein eigenes Mounting-System. Wie der NH-L9a wird der Kühler von unten angeschraubt. Er ist mit allen gängigen Consumer-Sockeln kompatibel. Der Kühler hat RGB. In den Genuss dessen kommst du aber nur, wenn du das separate 12-V-Kabel ans Mainboard oder Netzteil schliesst.

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Eigentlich müsste der Kühler aufgrund seiner Dimensionen von 97×97×47 Millimetern auf alle gängigen Boards passen. Tut er aber nicht. Für mein Mini-ITX-Board ist der Kühler zu Low-Profile. Dadurch liegt er auf der Chipset-Halterung auf statt direkt auf der CPU. Er lässt sich in zwei Richtungen in der Vertikalen montieren. Der mitgelieferte Lüfter dreht mit maximal 2500 U/min.

bequiet! Shadow Rock LP

Das Mounting-System des Shadow Rock LP verwendet die original Backplate. Im Gegensatz zum Big Shuriken 3 ist das Montagematerial fein säuberlich nach Sockel getrennt. Die Montage ist harzig, weil sie sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert und die Anleitung nicht ganz klar ist.

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Der Kühler ist mit 122×134×75,4 Millimeter eher auf der grossen Seite. Er passt denn auch nicht auf mein X570-Mini-ITX-Mainboard, obwohl er sich in zwei Richtungen in der Horizontalen befestigen lässt . An den I/O-Anschlüssen stösst er sich jeweils. Der mitgelieferte Lüfter dreht mit maximal 1500 U/min. Ob der Shadow Rock LP auf dein Mini-ITX-Board passt müsstest du ausprobieren oder dir die Liste der Hersteller anschauen. Obwohl auf diese nicht immer Verlass ist: Der C7 und der Black Ridge hätten gemäss Hersteller eigentlich auf mein Mini-ITX-Board passen sollen. Eine Garantie dass es passt, hast du also nicht.

Cooler Master Masterair G100M

Das eigene Mounting-System des Masterair G100M muss zuerst für den jeweiligen Sockel angepasst werden. Das System ist mühsam und die Anleitung nicht ganz klar. Bei der Montage des Kühlkörper ist etwas Geschick gefragt. Die Schrauben zum Anziehen sind schwer zugänglich. Der G100M verfügt über RGB, das aber einen separaten 12-V-Anschluss braucht.

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Der Masterair G100M wirkt riesig. Trotz seiner 145×145×74,5 Millimeter passt er auf mein X570-Mainboard. Das liegt an seiner Form, die unten schmal ist und gegen oben breiter wird. Vorsicht jedoch bei High-Rise-RAM: Daran stösst sich der Kühler. Der mitgelieferte Lüfter dreht mit maximal 2400 U/min.

Alpenföhn Black Ridge

Leider passt der Alpenföhn mit seinen 140×120×47 Millimetern weder auf mein Mini-ITX-Board noch auf mein ATX-Board. Beim grossen liegt er auf dem VRM-Kühlkörper auf, beim kleinen auf den I/O-Anschlüssen. Deshalb ist das hier das Letzte, was du von ihm liest.

Test und Resultate

Für den Stresstest lasse ich während 20 Minuten HeavyLoad laufen. Das Programm lastet alle Kerne der CPU zu 100 Prozent aus. Dabei zeichne ich mit HWiNFO64 die Temperaturen von CPU, Chipset und RAM sowie die CPU-Taktfrequenz auf. Falls du dich fragst, wieso ich das VRM weglasse: Das Testmainboard hat dort keinen Sensor. Die Lüfter lasse ich im BIOS auf Standard. Damit drehen sie ab 70° Celsius voll auf.

So schneiden die sechs Lüfter ab:

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Ausser mit dem Shadow Rock LP erreicht die CPU mit allen Lüftern ihr thermisches Limit von 95° Celsius. Der Shadow Rock LP sieht wie der sichere Gewinner aus, und rein aus Effizienz-Sicht ist er es auch. Leider passt er nicht auf mein Mini-ITX-Mainboard. Ich werde ihn also künftig nicht für meine Mini-ITX-Gehäuse-Reviews einsetzen können. Ob er auf dein Mini-ITX-Board passt? Das müsstest du ausprobieren oder dir die Liste der Hersteller anschauen.

Bei den anderen Kühlern ist rein von der Temperatur gesehen kein Gewinner auszumachen. Es lohnt sich deshalb ein Blick auf die Taktfrequenzen:

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Die CPU startet bei allen Kühlern mit 3768,2 MHz auf allen Kernen. Mit dem Shadow Rock LP kann die CPU während des Tests den Takt konstant über 3900 MHz halten und das bei maximal 90,2° Celsius. Die Kühlleistung wirkt sich in diesem Test frappant auf die Taktfrequenz aus. Die CPU taktet mit dem C7 RGB nach zwanzig Minuten rund 500 MHz weniger schnell. Aber auch mit den beiden Noctuas bricht die Taktfrequenz mit bis zu 200 bis 250 MHz relativ schnell ein. Der G100M und der Big Shuriken 3 können den ursprünglichen Takt zumindest ansatzweise halten.

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Bei der Lautstärke schneidet ebenfalls der Shadow Rock LP am besten ab. Er produziert nur 42 dB Schall unter voller Last. Der C7, der am ineffizientesten kühlt, ist auch der lauteste Kühler: Mein Schallpegelmessgerät weist mir 50,5 dB aus. Die beiden Noctuas schlagen mit 46,5 dB (NH-L9a) und 47 dB (NH-L9x65) zu Buche. Der Big Shuriken 3 ist mit 48,5 dB etwas lauter und der G100M mit 50 dB fast so laut wie der C7.

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Bei den Chipset- und RAM-Temperaturen erzielt zwar wieder der Shadow Rock LP das beste Ergebnis, dafür schlägt sich der C7 am zweitbesten. Der Lüfter des C7 erzeugt anscheinend ordentlich Airflow, der dem Chipset und dem RAM ebenfalls zugute kommt. Die beiden Noctuas schneiden hier am schlechtesten ab. Im Mittelfeld liegt der Big Shuriken 3. Beim G100M fehlt mir leider der Vergleichswert, da ich zur Montage Low-Rise-RAM statt dem High-Rise-RAM bei den anderen Kühlern verwende. Dies, weil der Kühler sonst nicht passen würde.

Fazit: Shadow Rock liegt klar vorne

bequiet! ist mit dem Shadow Rock LP klarer Testsieger. Leider passt der Kühler nicht auf mein Mini-ITX-Mainboard. Ich setze für künftige Mini-ITX-Case-Reviews deshalb auf die Nummer zwei: den Big Shuriken 3 von Scythe. Die CPU läuft damit zwar am Limit, aber immerhin kann sie den ursprünglichen Takt für eine gewisse Zeit halten.

Enttäuscht bin ich vom Noctua NH-L9x65. Trotz des grösseren Kühlkörpers erreicht er nicht wirklich bessere Werte als der NH-L9a. Dass der C7 RGB aufgrund der Kühlergrösse nicht so gute Werte erreicht, leuchtet ein. Umso respektabler ist das Ergebnis des NH-L9a. Da hat User EdenOfTheWest also nicht ganz recht gehabt. Klar, es gibt besser Lüfter als den NH-L9a für meine Reviews, aber es gibt definitiv auch schlechtere.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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