«Werner war unser Ideengeber und Antreiber»

«Werner war unser Ideengeber und Antreiber»

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 28.05.2021
Er hatte viele Spitznamen: «Fitnesspionier» oder «Rückenguru» waren nur die zwei bekanntesten davon. Werner Kieser revolutionierte das Krafttraining. Am 19. Mai verstarb er 80-jährig. Einer seiner Mitarbeiter erinnert sich.

Werner Kieser eröffnete 1966 sein erstes, einfach eingerichtetes Hantel-Studio in Zürich und machte daraus in den folgenden Jahrzehnten ein internationales Unternehmen mit über 160 Fitnessstudios. Am 19. Mai verstarb der Mann, der seine Maschinen in den Anfängen selber baute und das Material dafür auf dem Schrottplatz zusammensammelte, in seinem Haus in Zürich im Beisein seiner Frau an einem Herzversagen.

Erinnerungen an einen Pionier

Vor über 15 Jahren gründete Kieser Training eine eigene Forschungsabteilung – die FAKT. Dr. David Aguayo ist seit sechs Jahren dabei und leitet die Abteilung unterdessen.

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David, wie war deine Beziehung zu Werner Kieser?
David Aguayo: Meine Beziehung zu Werner war – wie soll ich es ausdrücken? – wissenschaftlich. Er war immer klar in seinen Vorstellungen und Ideen. Manchmal zu recht, manchmal nicht. Gleichzeitig war Werner für mich immer sehr nahbar, sehr väterlich. Er nahm sich immer Zeit, wir tranken Kaffee und sprachen über eine neue Publikation oder andere Themen. Zusätzlich führte er eine Liste offener Fragen, die die FAKT beantworten sollte. Viele unserer Gespräche bezogen sich auf das Krafttraining und seinen Nutzen. Nicht zuletzt redeten wir natürlich oft über die Maschinen und was es alles noch zu tun gäbe. Er erkannte Mängel, zeigte aber auch die Chancen und Möglichkeiten auf.

Was war er für ein Unternehmer, wie hast du ihn wahrgenommen?
Werner war stets an Forschung interessiert. Sein Wissensdrang mündete schliesslich auch in der Forschungsabteilung bei Kieser Training. Dadurch hatte ich das Glück, viele Momente mit Werner verbringen zu können und dabei teilten wir eine gemeinsame Leidenschaft, nämlich die Faszination für die Wirkung von Muskeltraining. Früher regelmässig an den Meetings der Maschinenentwicklung, später sporadischer.

Wie würdest du den Menschen Werner Kieser beschreiben?
Werner war unser Ideengeber und Antreiber aber auch unser grösster Kritiker. Er war ein Vorbild für mich. Am meisten schätzte ich Werners Methodik. Er folgte der Methode von Grossmann, aber auch seine Sparsamkeitsprinzipien, wie Ockhams Rasiermesser, werden mir in Erinnerung bleiben.

Gibt es eine persönliche Anekdote zu ihm, die du erzählen kannst?
Zwei persönliche Momente mit ihm werde ich nie vergessen: Der Besuch in Bergdietikon, in einem kleinen Schuppen voll mit alten Kraftgeräten, wo Werner mir das erste Mal persönlich seine Grundideen und Überzeugungen der Maschinenkonstruktion vorstellte.

Und die zweite?
Als mir Werner das Buch von Dr. Max Herz auf spanisch geschenkt hat. Es repräsentiert historisch gesehen einen Meilenstein in Bezug auf die Maschinenentwicklung und somit auch auf das Muskeltraining und stammt aus dem Jahre 1904.

Krafttraining bis zuletzt

Werner Kieser reichte das Unternehmen 2017 firmenintern weiter, begleitete aber weiterhin die Entwicklung neuer Maschinen und Verfahren. Noch am Dienstag vor seinem Tod besuchte er sein Trainings-Studio in Zürich-Enge. Es war Werner Kiesers letztes Krafttraining.

Titelbild: Copyright Michael Ingenweyen

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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