Bild: ESL
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Wie mich «PlayerUnknown's Battlegrounds» zum E-Sport bekehrt hat

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 25.08.2017
An der Gamescom in Köln wurde das erste grosse «PlayerUnknown's Battlegrounds»-Turnier ausgetragen. E-Sport hat mich bisher eher kalt gelassen. Mit dem ESL Invitational hat es bei mir nun endlich Klick gemacht. Und zwar so richtig laut.

E-Sport ist eine coole Sache, die man fördern muss, aber selber schauen? Das dann doch nicht. Das hätte ich dir geantwortet, wenn du mich vor der diesjährigen Gamescom zu E-Sport befragt hättest. Genauer gesagt vor dem PlayerUnknown's Battleground (PUBG) Invitational, dem ersten LAN-Turnier des Multiplayer-Überraschungs-Hit. Auf die Teilnehmer wartet ein Preisgeld von 350 000 Dollar.

Entwickler Bluehole hat dafür zusammen mit der E-Sport-Organisation ESL 80 der weltbesten «PlayerUnknown’s Battlegrounds»-Spieler nach Köln geholt. Der Event wird unter anderem live auf Twitch, Mixer und YouTube übertragen. Trotz meines bis dahin auf Sparflamme köchelnden Interesses an E-Sport habe ich doch mal eingeschaltet. Was dann geschah, wirst du niemals glauben. Nein, quatsch, aber es war ehrlich eine Offenbarung.

Plötzlich ist bei mir der Groschen gefallen, warum E-Sport so eine riesen Kiste ist

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Hier spielt die Action. Bild: ESL.

Ein Spiel, das mich (und meine Freunde) fesselt

Die wenigsten schauen E-Sport, ohne das Spiel auch selbst zu spielen. So ist es auch bei mir. Seit kurz nach der Veröffentlichung von PUBG ende März hat es mich nicht mehr losgelassen. Ich habe seit «World of Warcraft» nicht mehr solange und regelmässig das gleiche Spiel gezockt. Das liegt auch daran, dass der Grossteil meiner Kumpels ebenfalls dem PUBG-Wahn verfallen sind. Wir schicken uns ständig gegenseitig Videos zu von Waffen-Analysen, Taktiken oder lustigen Fails. Die Mischung aus adrenalingefüllten Feuergefechten, Beute sammeln und Unvorhersehbarkeit versprühen einen enormen Reiz. Von der ersten Minute bis zum Tod ist der Spannungsbogen konstant hoch. Ausserdem ist PUBG ist seinen Grundzügen simpel, bietet aber gleichzeitig enorme taktische Spieltiefe. Damit ist die Grundvoraussetzung gelegt, um auch als E-Sport zu gefallen.

Packende Übertragung

Dass mich das PUBG Invitational derart mitreissen konnte, ist als erstes den beiden Kommentatoren Lauren «Pansy» Scott und Richard «TheSimms» Simms zu verdanken. Sie sind auf Augenhöhe mit südamerikanischen Fussballmoderatoren – nur weniger parteiisch und weniger gefährdend fürs Trommelfell. Besonders Lauren kommentiert extrem kompetent und wahnsinnig mitreissend.

Kommt hinzu, dass der Zuschauermodus schlichtweg genial ist. Anders als beim regulären Zuschauermodus stehen der Regie diverse Zusatzoptionen offen. So siehst du beispielsweise auf der Karte alle Spieler inklusive Lebensanzeige. Wenn sich jemand hinter einem Stein verschanzt ist er für die Zuschauer weiterhin durch einen gelben Umriss erkennbar. Während die Spieler nur sehen, was in ihrem Sichtfeld vorgeht, sehen die Zuschauer ganz genau, wo der gegnerische Spieler gerade das Haus umkreist. Wir wissen auch, was sich in den Flugzeugabwürfen befindet, noch bevor sie gelootet wurden. Eine freie Kameraperspektive sowie Rückblenden gibt es ebenfalls.

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Sie moderieren den Event: Lauren «Pansy» Scott und Richard «TheSimms» Simms. Bild: TheShotcaller

Am Invitational hat sich allerdings auch gezeigt, dass die Produzenten noch einiges zu lernen haben. Oft hat die Kamera viel zu lange auf unspektakulären Szenen verweilt, statt auf spannende Situationen zu wechseln. Manchmal war sekundenlang der Menübildschirm eines ausgeschiedenen Spielers eingeblendet, während im Spiel heftige Kämpfe tobten. Aber diese Sachen, werden sicher noch ausgebügelt.

Lerneffekt

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Bei den Damen und Herren gibt es einiges abzugucken. Bild: ESL

Was das PUBG Invitational für mich zusätzlich interessant macht, ist der Lerneffekt. Schnell fallen dir nämlich gewisse Tricks und Taktiken der Profis auf, die du sofort selber ausprobieren willst. Wie bewegen sie sich von Deckung zu Deckung? Wie stürmen sie Häuser? Welche Waffen bevorzugen sie? Mit grossem Eifer habe ich den Pros wort- und sprichwörtlich (es wurde in Third Person gespielt) über die Schulter geschaut. Anders als bei traditionellen Sport, lassen sich im E-Sport abgeschaute Tricks einfacher und direkter umsetzen.

Von indifferent zu angefressen

Nachdem ich auf dem Handy mehrere Gigabyte Daten in PUBG-Youtube-Streams investiert habe, kann ich sagen, dass ich definitiv zum E-Sport konvertiert bin. Wer weiss, wie lange die Faszination anhält, aber zum ersten mal, kann ich vollends nachvollziehen, was die Faszination ausmacht. Bei mir ist es die Mischung aus Begeisterung für ein Spiel, spannende Unterhaltung und der Möglichkeit, neue Tricks zu lernen. Sogar meine Frau hat am PUBG Invitational einen Narren gefressen – und sie spielt das Spiel nicht mal. Ach ja: Und die Siegestrophäe ist eine goldene Bratpfanne.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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