Wir bauen uns einen Design-Gamer-PC fürs Wohnzimmer

Wir bauen uns einen Design-Gamer-PC fürs Wohnzimmer

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 21.06.2018

Kompakt, wassergekühlt, schnell und fürs Wohnzimmer geeignet: Das waren die Ansprüche, welche die Kollegen Christian Seeholzer und Quentin Aellen an ihr jüngstes Bastelprojekt stellten. Schick aussehen sollte der PC natürlich auch noch. Das gewählte Gehäuse stellte die beiden dann aber doch vor grössere Herausforderungen als erwartet.

Der Plan für einen wassergekühlten PC beginnt mit der Wahl des Gehäuses. Inspirieren lassen, hat sich das Team Gaming und Peripherie bei einem auffällig gepimpten Phanteks Evolv Shift X. Die Hersteller wissen schliesslich, wie sie ihre Hardware am besten in Szene setzen können. Kollege Christian Seeholzer und Quentin Aellen sahen darin nicht nur eine Herausforderung, sondern auch die ideale Vorlage für ihr neues Bastelprojekt.

Die Planung ist das A und O

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Eine ordentliche Wasserkühlung zu installieren, ist kein leichtes Unterfangen und will gut geplant sein. Zumindest wenn man auf Tubes setzt, die optisch was hergeben sollen. Also wurde als erstes ein Plan erstellt, welche Teile wie verbaut werden sollen. Dazu musste das Gehäuse vermessen werden. «Ganz nach dem Motto: zweimal messen, einmal sägen», meint Quentin. Die internen Stromkabel mussten ebenfalls ausgemessen und ausserdem bei Cablemod bestellt werden, da wegen der kurzen Wege Spezialanfertigungen nötig waren.

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Die restliche Hardware war einfacher ausgewählt, da Chris und Co. einfach das Beste einbauen wollten, was auf dem Markt war. Nachdem das Material geliefert wurde, ging es an die Installation. Die spezielle Bauform des Phantek-Gehäuses machte das Unterfangen nicht gerade einfach. Wer jemals einen PC zusammengebaut hat, weiss, grösser ist einfacher. Aber dieses Hindernis haben sich die Kollegen schliesslich selbst in den Weg gelegt. Die Pumpe inklusive Ausgleichbehälter zu installieren, sei besonders knifflig gewesen, meint Quentin. Noch mühsamer war allerdings war der Einbau von RGB-Lüfter und USB-Controller. «Der Platz hinter der Abdeckung ist sehr beschränkt und wir haben es etwas gar gut gemeint mit Belüftung und Controllern», gesteht Quentin. Christian ahnte schon im Vorfeld, dass es bei der Montage eng werden würde: «Es war dann aber doch noch eine ganze Ecke mühsamer als ich erwartet habe – besonders das Kabelmanagement.»

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Anschliessend begann der Part, der eine besonders exakte Arbeitsweise erforderte: die Installation der Acrylrohre (Tubes). Zuerst massen Quentin und Chris die Tubes aus, schnitten sie grob zu, massen ein weiteres Mal nach und schnitten schliesslich die fixe Länge zu. Bei den gebogenen Rohren waren sie etwas toleranter, da diese anschliessend (idealerweise mit Heissluftfön) zurechtgebogen wurden. «Sobald die Rohre verlegt waren, kontrollierten wir ein letztes Mal, ob sie dicht waren», so Quentin. Danach füllten sie den Ausgleichsbehälter und liessen über Nacht einen Leaktest laufen.

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Der Wasserzusatz, den sie verwendet haben, stammt von Alphacool und ist aktuell noch nicht erhältlich. Er befindet sich noch in der Betaphase. Die Kollegen durften ihn aber bereits testen. «Er enthält kleinere Partikel als andere Fertiggemische. Diese sollen dafür sorgen, dass sie sich weniger festsetzen. Aktuell ist das aber noch nicht 100 Prozent der Fall», so Chris. Er empfiehlt daher aktuell Fertiggemische von Aqua Computer.

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Nach dem Leaktest war der PC endlich einsatzbereit. Die Wasserkühlung gurgelte zufrieden und das blau leuchtende Konstrukt sorgte bei jedem, der am Platz vorbeiging für neidische Blicke. Die anschliessenden Performance-Tests sorgten allerdings für Ernüchterung. Auch die buntesten LEDs konnten nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass die Leistung deutlich hinter den Erwartungen herhinkte. Wo lag das Problem? Die Komponenten konnten es nicht sein. Eine GTX 1080Ti in Kombination mit einem i7-8700K sollte kurzen Prozess mit jedem neuen Game machen. Ein Blick auf die CAM-Software, welche die NZXT-Lüfter steuert, offenbarte, dass der PC viel zu heiss wurde. Die warme Luft konnte einfach nicht effizient genug aus dem Gehäuse transportiert werden. Wer die Möglichkeit hat, soll Löcher in die Aluminiumwand bohren, damit die Luft raus kann, empfiehlt Christian. Ihre Lösung war es, die Lüfter auf 100 Prozent zu drehen oder das Gehäuse vorne offen zu lassen. Ausserordentliche Kühlleistung sollte man von diesem Gehäuse allerdings nicht erwarten.

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«Wer keine 1080Ti verwendet, kann wohl auch nur einen 280mm-Radiator verwenden», meint Quentin. Damit entsteht nicht nur mehr Platz, auch könnte so verhindert werden, dass sich beiden Radiatoren die Luft zublasen, anstatt sie aus dem Gehäuse zu transportieren.

Fazit: Viel PC auf wenig Raum

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Quentin und Chris sind stolz auf ihr Projekt. «Wir haben die aktuell beste Leistung auf extrem kleinem Raum verbaut. Und das in wohnzimmertauglicher Form, die erst noch ästhetisch zu überzeugen vermag», findet Quentin. Sorgfältige Planung und viel Geduld sei nötig gewesen, diesen PC zu realisieren. Ob sie es noch einmal machen würden? «Wenn ich das Budget hätte, sicher, aber ich würde weniger LEDs und Lüfter einbauen.» Ähnlich sieht es Christian: «So viel Leistung auf so wenig Raum ist schon geil. Aber ich würde das nächste Mal so richtige Boliden von Lüftern reinbauen.» Mal, sehen, ob sie nochmal so viel Material bekommen, um eine weitere Monster-Kiste zu bauen.

Falls du den PC nachbauen möchtest, hier sind alle Kompetenten, die Christian und Quentin verbaut haben.

Hardware

Wasserkühlung

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Senior Editor, Zürich

Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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